Zur Karriere von Mario Bottazzi
Welche waren die wesentlichsten Stationen Ihrer Karriere?
Als Kind einer Wienerin und eines Italieners wuchs ich in England auf. Meine Eltern waren zwar einfache Arbeiter, aber auch kreativ begabt und künstlerisch interessiert. Mit 13 Jahren kam ich von England nach Österreich und mußte einen sehr raschen Integrationsprozeß durchmachen. Das war für mich aber keine Schwierigkeit, wie sich schon an den schulischen Leistungen zeigte - in England war ich ein fauler, in Wien ein fleißiger und guter Schüler. Diese Umstellung auf ein neues Land, eine andere Sprache und Kultur, war für mich ein richtiger Ansporn. Aufgrund meiner guten Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und teilweise auch Italienisch begann ich nach der Matura ein Dolmetschstudium, das ich aber nicht abschloß. Da ich auch Klavier spielte, entwickelte sich aus dem Mix von Musik und Sprachtalent eine Profession, die ich als Wortmusiker bezeichnen würde. Ich kann Inhalte gut versinnbildlichen. 1972 entdeckte ich eine Anzeige, in der das Theater an der Wien für das Musical Mayflower junge Sänger und Tänzer suchte. Ich bewarb mich und wurde engagiert, so wurde ich musikalischer Schauspieler und wirkte in zahlreichen Musicals mit. Anfang der achtziger Jahre rief mich Thomas Spitzer, Gitarrist der EAV, Ersten Allgemeinen Verunsicherung, an. Diese Band, die sich ja durch die Verbindung von Musik, Schauspiel und Kabarett auszeichnet, war auf der Suche nach einem neuen Talent. So wurde ich zum lustigen Keyboarder der EAV. Es war eine wunderschöne Zeit, und wir feierten tolle Erfolge, aber 1990 hatte ich genug. Bei jeder Vorbereitung einer neuen Tour sträubte sich etwas in mir, und auch das gewisse Maß an professioneller Selbstverleugnung funktionierte nicht mehr. Ich zog also einen Schlußstrich unter das Kapitel EAV. Diesen Schritt habe ich auch nie bereut. Ich könnte mir nicht vorstellen, so wie meine damaligen Kollegen mit Mitte 50 vor den Kids auf der Bühne den Kasperl zu geben. Bei der Tournee 100 Jahre EAV im Jahr 2005, zu deren Mitwirkung ich eingeladen war, hätte ich zwar als einmalige Ausnahme mitgemacht, mußte aber aus Zeitgründen absagen. Nach meinem Ausstieg 1990 wuchs ich in den Bereich Lehrerfortbildung hinein, da es mir auch immer großen Spaß machte, anderen etwas beizubringen und Musik einzustudieren. Ich verfüge über eine breite Palette an Fähigkeiten und bin ebenso Frontmann wie der Mann im Hintergrund. In Hessen leitete ich dann ein großes Chorprojekt mit 60 Schülern, bei dem ich mein Wissen aber auch an die Lehrer weitergab. Das machte mir großen Spaß, und so war ich bis 1999 in der Lehrerfortbildung tätig, und zwar im gesamten deutschsprachigen Raum in Deutsch, Englisch und Musik. Neben diesen pädagogischen Projekten bewegte ich mich auch in der Werbebranche. 1999 traf ich zufällig Mag. Bernhard Widhalm, der damals Personalentwickler bei Zielpunkt war. Wir arbeiteten bei einigen Projekten zusammen, wälzten Ideen und so entstand 2000 die Firma die SemiNarren. Mit diesem Unternehmen bieten wir für Firmenevents die emotionale Basis und den Geist, der die gewünschten Inhalte umsetzt. Im Gegensatz zu den üblichen, faden Technokratenpredigten bauen wir bei solchen Veranstaltungen eine Brücke zwischen Wirtschaft und Kunst.