Zum Erfolg von Johann Nußgraber
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Viele Kleinigkeiten im täglichen Leben bedeuten für mich Erfolg. Vielleicht bilden diese sogar einen größeren Erfolg als die Umsetzung eines Großprojektes, denn diese kleine Erfolge geben mir die Energie zum Weitermachen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Beim Militär erreichte ich alle meine Ziele in kurzer Zeit. Als Politiker hatte ich andere Vorstellungen, erkannte aber, daß Vorstellung und Realität unterschiedlich sind. In der Gemeindepolitik gelang mir sehr viel, und das betrachte ich als sehr positiv.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Für mich war der Aufbau von Netzwerken entscheidend. Ich verfüge über viele Bekannte und Freunde in wichtigen Positionen und denke, daß es notwendig ist, die richtigen Leute in den richtigen Positionen zu kennen, um erfolgreich zu sein. Oft treten Probleme auf, die ohne geeignete Netzwerke nicht lösbar wären. So muß ich nur anrufen, und manche Dinge erledigen sich von selbst.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich erreichte meine Ziele in kurzer Zeit. Es gab aber ein prägendes Ereignis beim Militär 1990: Nach einem Unfall bei einer Sprengung beim Heer erlitt ich einen persönlichen Rückschlag, denn ein Maturant erlitt eine Augenverletzung mit nachhaltigen Schäden. Alle Vorschriften für die Durchführungen wurden eingehalten, man verurteilte mich als Leiter des Manövers aber zu einer bedingten Geldstrafe. Dies war mir eine Lehre, auch wegen der Haltung des Bundesheers mir gegenüber.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Es gab für mich nie das Vorbild. Nach dem Tod meines Vaters mußte meine Mutter für mich und meine älteren Brüder Siegfried und Werner und meine kleine Schwester Brigitte sorgen. Ich war damals erst neun Jahre alt. Ich hatte immer wieder Wegbegleiter, aber niemand prägte mich massiv.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Mir ist die persönliche Anerkennung besonders wichtig. Ich genieße eine große Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung. Kommen Menschen zu mir und bedanken sich für meine Unterstützung, finde ich das großartig. In der Politik ist Dankbarkeit nicht angebracht. Es existiert nur die Kritik. Geht von zehn Dingen nur eines schief, folgt die Kritik sofort. Die neun positiven Erfolge werden als selbstverständlich hingenommen und rasch wieder vergessen.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Es gibt in der Politik zu viele Jasager und zuwenig eigenständig denkende Personen. Die oberen Schichten sehen das eben nicht gerne, daß es eigenständig denkende Leute gibt. Ein großes Problem bildet auch die Aushöhlung des ländlichen Raums. Es gibt oft zweischneidige und fadenscheinige Reformen, die kontraproduktiv sind.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wenn ich an etwas glaube, kämpfe ich sehr ausdauernd darum. Nehme ich mir etwas vor, ziehe ich es dann auch durch. Ich bilde mir immer eine eigene Meinung.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Früher meldete ich mich bei Veranstaltungen immer wieder zu Wort und präsentierte meine Meinung zu Vorschlägen. Kollegen baten mich dann oft darum, ihre Meinungen ebenfalls auf meine Kappe zu nehmen. Ich erntete auch positive Rückmeldungen, allerdings nicht von Höhergestellten. Ich gab es dann auf, und heute besuche ich fast keine Sitzungen mehr. Ich konzentriere mich auf die Gemeindearbeit und achte darauf, daß es hier funktioniert. Der Rest interessiert mich nicht mehr besonders.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Der Bund stellt mich 16 Stunden im Monat frei, um meine Aufgaben als Bürgermeister wahrzunehmen. Weitere 16 Stunden rückvergütet die Gemeinde an den Bund. Ich führe meine Amtsgeschäfte am Freitag und Dienstagabend durch. Früher war ich viel unterwegs, und bei den offiziellen Anlässen ist auch immer meine Gattin Renate dabei. In meiner Freizeit gehe ich jagen und verbringe auch gerne die Zeit mit meiner Enkeltochter Julia.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Um in der Politik erfolgreich zu sein, muß man das Talent besitzen, Vorgegebenes weiterzukommunizieren. Selbständiges Denken in der Politik ist nicht förderlich, es sei denn man steht in der Hierarchie auf einer höheren Stufe. Außerhalb der Politik ist eine eigene Meinung aber sehr wichtig. Ich kann mir nichts vorwerfen und mich jeden Morgen getrost in den Spiegel schauen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel als Bürgermeister war es immer, Wohnen, Arbeiten und Altwerden in der Gemeinde zu realisieren. 2007 kandidiere ich noch einmal als Bürgermeister und plane das dritte Ziel der Altenbetreuung in meiner letzten Legislaturperiode umzusetzen.