Zum Erfolg von Konrad Paul Liessmann
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Im akademisch-wissenschaftlichen Bereich bedeutet Erfolg für mich, daß meine Publikationen wahrgenommen und bewertet werden und darauf aufbauend eine akademische Karriere möglich wird. Als Wissenschaftler hat auch die Langfristigkeit des Erfolges, und damit die Frage: Was wird von meinem Werk bleiben?, eine hohe Bedeutung. Als Essayist und Schriftsteller ist es mir wichtig, daß meine Publikationen auch in einer breiteren Öffentlichkeit Aufmerksamkeit erfahren. Da ich nicht nur Forscher, sondern auch Lehrer bin, bedeutet Erfolg schließlich Anerkennung und das Gefühl, den Studenten etwas mit auf den Weg zu geben und ihnen Zugänge und Möglichkeiten zu eröffnen. Nicht zuletzt bedeutet Erfolg, für seine Arbeit honoriert zu werden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Einige Ziele, die ich mir gesteckt habe, konnte ich erreichen, andere möchte ich noch erreichen. Erfolg ist eine Skala, die nach oben offen ist, und immer steigerbar.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Eine Mischung aus Engagement und Disziplin.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Geisteswissenschaft ist eine historisch orientierte Wissenschaft, bei der es auch darum geht, Dinge aufzuarbeiten und darzustellen. In meiner dreiteiligen ORF-CD-Edition Denken und Leben bemühe ich mich beispielsweise, die Theorien und Gedankensysteme großer Philosophen verständlich, aber doch auf ansprechendem Niveau darzulegen. Dazu ist kein hohes Maß an Originalität nötig, sondern eher vermittlerisches, didaktisches Geschick. Auf der anderen Seite will jeder, der wissenschaftlich tätig ist, innovativ sein und Neues hervorbringen. Ob es dann wirklich originell ist, muß die Mit- und Nachwelt entscheiden.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Im akademischen Milieu wird man natürlich in hohem Maß von seinen Lehrern und Professoren geprägt. Ich war lange Jahre Assistent bei Prof. Johann Mader, was mich zweifellos beeinflußte. Und dann hatte ich das Glück, Günther Anders kennenzulernen, einen der bedeutendsten Philosophen des 20. Jahrhunderts, der mich sehr beeindruckte. Starken Einfluß auf die eigene Entwicklung haben natürlich die Bücher und Autoren, die man liest.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich betreue an der Universität rund 4.000 Studenten. Die Verwaltung, Koordination und Organisation dieser Fakultät wäre ohne Mitarbeiter natürlich nicht zu bewältigen, daher haben sie am Erfolg einen großen Anteil.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Diese Frage ist in meinem Fall sehr einfach zu beantworten: Mein Beruf ist mein Privatleben. Lesen, Schreiben, Nachdenken, Kommunizieren, Organisieren - was immer ich auch tue, hat mit meiner beruflichen Tätigkeit zu tun. Selbst wenn ich ins Theater oder in die Oper gehe, steht dies in Verbindung zu einem meiner Forschungsschwerpunkte, der Kulturphilosophie. Auch Radfahren ist sehr meditativ, dabei bekomme ich den Kopf frei und kann neue Ideen und Gedanken sammeln. In diesem Sinne gibt es bei mir keine unterschiedlichen Lebensbereiche, die zu vereinbaren wären. Ich lebe meinen Beruf.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Für einen Wissenschaftler ist Weiterbildung täglicher Bestandteil der Arbeit.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Natürlich gibt es für eine erfolgreiche akademische Karriere zahlreiche Faktoren, die zu beachten sind: Flexibilität, Mobilität, internationale Tätigkeit, viel Publizieren, Lehren zu wollen, auf den richtigen Kongressen mit den richtigen Menschen zusammenkommen und so weiter. Der wichtigste Faktor ist aber die Liebe zur Wissenschaft, die Begeisterung, Faszination und Neugier.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich bin derzeit Studienprogrammleiter für Philosophie und möchte in dieser Funktion noch einiges bewegen und erreichen. Als Wissenschaftler und Publizist will ich noch das eine oder andere wichtige Buch schreiben, dafür möchte ich mir dann die notwendige Zeit und vor allem Ruhe nehmen.