Zum Erfolg von Birgit Damberger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich bedeutet Erfolg, zu spüren, daß die Dinge, die ich mache, einen Sinn haben. Für jeden Rückschlag - so seltsam das auch klingen mag - bin ich auf eine gewisse Art und Weise auch dankbar, weil er mich wieder dazu bringt, mein Handeln zu überdenken.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, mein Beruf bereitet mir große Freude, und ich freue mich jeden Tag aufs neue darauf. Für mich bedeutet mein Beruf viel mehr als reine Immobilienvermittlung, da ich es als meine Aufgabe erachte, meine Kunden persönlich zu betreuen, mir ihre Geschichte anzuhören und auf sie einzugehen. Ich habe die Gabe, einer prekären Lage die Schärfe zu nehmen und einzulenken. Für mich zählen Fairneß und Ehrlichkeit, Kompetenz und Menschlichkeit. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bin ein gläubiger Mensch und denke auch, daß alles im Leben seinen Sinn hat. Ursprünglich wollte ich Psychologie studieren, habe mich dann aber bewußt für die Gründung einer Familie entschieden und dies noch keinen Tag bereut, weil ich mit Leib und Seele Mutter bin. Meine Kinder geben mir einen wunderbaren Halt. Es gab Zeiten großer Schwierigkeiten, mit denen ich sie aber nicht belasten wollte. Eine Zeit, in welcher ich gezwungen war, mich sowohl örtlich als auch beruflich neu zu orientieren, und mit meinen Kindern noch einmal ganz von vorne anzufangen. Meine schmerzhaften Erfahrungen sollten für mich den Sinn haben, anderen, schwächeren Menschen in ähnlichen Notlagen zu helfen, meine Erfahrungen weiterzugeben und den Menschen einen Weg zu zeigen - denn es gibt immer einen Weg, er ist nur nicht immer gleich sichtbar. Der Wunsch, meine sozialen Fähigkeiten auszubilden und anzuwenden, um für andere dasein zu können, erwachte ein weiteres Mal, doch ich fand keinen gangbaren Weg, da ich mit einer zeitintensiven Ausbildung keine Zeit mehr für meine Kinder gehabt hätte. Deshalb suchte ich mir zunächst eine neue Arbeit, um mit dem Geld unseren Lebensunterhalt zu verdienen, und um Geld für eine spätere Ausbildung auf die Seite zu legen. Durch Zufall stieß ich auf ein Immobilienbüro, dessen Inhaber mir eine Chance geben wollte. Ich hatte es zunächst nicht leicht, verschaffte mir jedoch die Möglichkeit, parallel zu meiner beruflichen Tätigkeit noch die entsprechende Ausbildung zu absolvieren. So eignete ich mir die nötige fachliche Kompetenz an, um später auf selbständiger Basis tätig sein zu können. Damit begann ich, meinen Traum zu leben, denn ich spürte jeden Tag aufs neue, wie sehr die Menschen das Reden, das Verständnis, manchmal einfach nur das Zuhören brauchen. Dann ging es Schlag auf Schlag, und ich fand einen Geschäftspartner, mit dem ich die OEG gründete.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich ziehe Herausforderungen förmlich an, konnte jede einzelne im Laufe meines Lebens mit Bravour meistern und schlußendlich auch daran wachsen. An sich bin ich leicht aufbrausend und ungeduldig, schöpfe daraus aber wieder Kraft. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ich habe einen eigenen Zugang zu meinem Beruf. Jedes Haus, das ich verkaufe, hat für mich eine eigene Geschichte. Mein Umfeld kennt mich als einfühlsame Person, mit der man reden und zu der man auch jederzeit mit Problemen kommen kann.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
All meine Entscheidungen waren zum gegebenen Zeitpunkt richtig. Wenn ich etwas wirklich will, dann erreiche ich es auch. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Meine Kindheit prägte mich sehr, da Harmonie und Zusammenhalt innerhalb der Familie hochgehalten wurden. Meine Eltern sind immer hinter mir gestanden, auch wenn es manchmal nicht ganz einfach war. Meine Großmutter, Lucia Bencic, war eine lebensfrohe, lustige und hilfsbereite Frau und ebenfalls ein wichtiger Mensch in meinem Leben. Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Meines Erachtens ist die Motivation der Berufskollegen, die sich rein an den Verdienstmöglichkeiten in unserer Branche orientiert, der falsche Zugang zu unserem Beruf. Mit nur einer Konzession können Mitarbeiter angestellt werden, die schlußendlich von unserem Metier so gut wie nichts verstehen. Das ist schlichtweg ein Verbrechen und schadet natürlich dem Ruf der gesamten Branche. Ein Haus herzeigen kann jeder, doch ein fundiertes Hintergrundwissen können nur die wenigsten aufweisen, vom Einfühlungsvermögen den Mitmenschen gegenüber gar nicht zu sprechen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich habe einen Mitarbeiter, der sehr wichtig ist und mein vollstes Vertrauen genießt. Wir ergänzen uns heute gut, was nicht immer so war. Ansonsten ist es für mich nicht einfach, mit jemandem zusammenarbeiten, weil ich eine eigene Auffassung von meinem Beruf habe. Bei mir steht nicht unbedingt das Geldverdienen an erster Stelle, sondern ist eine logische Folge vom Geleisteten. Wie bereits erwähnt, haben Geradlinigkeit und Menschlichkeit für mich einen hohen Stellenwert.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir sind inzwischen Freunde geworden und können über alles reden. Mein Mitarbeiter fühlt sich in diesem Arbeitsklima sehr wohl und teilt mir das auch mit. Unsere Zusammenarbeit ist eine sehr fruchtbare, was eine große Motivation für uns beide bedeutet.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Eigentlich kann ich es kaum glauben, doch für mich lassen sich diese beiden Bereiche perfekt vereinbaren. Ich glaube, das liegt daran, daß ich alles, was ich mache, von Herzen gerne mache. Meine Kinder sind sehr stolz auf mich, und ich auf sie. Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich plädiere für ein Miteinander, in dem man danach trachtet, den Nächsten nicht zu verletzen - Verletzungen bringt das Leben selbst genug mit sich. Hilfsbereitschaft sollte ein großes Anliegen sein. Ich signalisiere meinen Mitmenschen, daß ich für sie da bin, wenn sie meine Hilfe suchen. Der letzte Ratschlag ist, Mut zu Fehlern zu haben; Fehler sind wichtig, dazu zu stehen ist noch wichtiger, und daraus zu lernen ist das Allerwichtigste.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein wichtigstes Ziel ist, meine Kinder soweit zu begleiten, daß sie später ihren Weg alleine weitergehen können. Beruflich möchte ich aus meiner Firma ein Lebenswerk machen, indem ich mit dem, was ich nach außen trage, etwas bewegen kann.
Ihr Lebensmotto?
Träume nicht dein Leben, sondern lebe deine Träume!