Zum Erfolg von Andreas Karakassoglou
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ich denke beim Arbeiten weder über Erfolg, noch über Geld nach - für mich steht der Spaß, die Freude an der Tätigkeit im Vordergrund. Mit meinen Nagelstudios merkte ich zuerst gar nicht, wie erfolgreich ich eigentlich bin, bis ich eines Tages feststellte, daß ich in Wien der größte Anbieter bin.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich bin sehr zufrieden und möchte auch nichts anderes machen. Daher sehe ich mich durchaus als erfolgreich. Finanzieller Erfolg sollte einen Menschen aber nicht verändern. Geld ist ein Mittel zum Leben, hat aber sonst keinen Stellenwert. Ich bin am Boden geblieben.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich besitze die Fähigkeit, Menschen gut einschätzen zu können und auf sie einzugehen. Durch Gespräche erfahre ich sehr genau, was sie wirklich wollen, und versuche dann, ihre Wünsche zu erfüllen.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Auch wenn sich viele Menschen für originell halten: Es war alles schon einmal da. Man muß es nur wieder finden. Etwas zu erfinden war schon immer schwer, und es wird immer schwerer. Daher ist die Imitation oder das Weiterführen einer Idee der Normalzustand.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Auf meinem sehr abwechslungsreichen Berufsweg gab es immer wieder Leute, die mir Dinge vermitteln konnten, von denen ich noch heute profitiere. Mein Deutschlehrer am Realgymnasium, Herr Professor Stütz, eröffnete mir den Zugang zur deutschen Sprache, sodaß ich heute selbst schriftstellerisch tätig bin und bereits einen Lyrikband publizierte. Während meiner Lehre in der Buchhandlung gab mir Herrn Sefranek sehr viel mit - er war zwar streng, aber durch und durch menschlich. Vom leider schon verstorbenen Autor Bruno Seiser lernte ich, daß man nicht das tun muß, was die anderen wollen oder erwarten. Am Anfang will man von allen geliebt werden, die Erfahrung zeigt dann, daß dies nicht möglich ist. Auch bei Manner hatte ich einen Chef, der mich auf seine Art prägte und der schließlich mein Freund wurde.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ohne gute Mitarbeiter könnte ich nicht fünf Nagelstudios erfolgreich betreiben. Daher haben sie einen großen Anteil am Erfolg.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Dabei vertraue ich auf meine Intuition. Eine Bewerberin muß mir sympathisch sein und über Fähigkeiten verfügen, die der Firma nützlich sind. Ich führe die Firma sehr familiär, daher muß gegenseitige Sympathie vorhanden sein.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Das freundschaftliche, familiäre Arbeitsklima ist sicher eine wichtige Motivation. Die Mitarbeiter können mich bei Fragen und Problemen, auch privater Natur, jederzeit anrufen. Ich nehme mir dann Zeit für ein Gespräch, oder wir gehen abends gemeinsam essen. Außerdem gehen wir mit den Mitarbeitern aller Filialen alle zwei Monate ins Restaurant, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und etwaige Diskrepanzen auszuräumen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
In meinen Nagelstudios gilt die Devise: Qualität kommt vor Zeit und Preis. Auch den Kundinnen ist es lieber, wenn sie zehn Minuten länger sitzen, aber dafür die Nägel perfekt sind. In der Qualitätsgruppe, der ich mich zurechne, sind wir mit den Preisen im unteren Drittel. Jeder soll sich gute Arbeit auch leisten können. Und natürlich werden alle Kundinnen freundlich und zuvorkommend behandelt, sie können sich eine Stunde bei uns entspannen und fallen lassen. Meine Mitarbeiterinnen wissen: Nicht ich bezahle sie, sondern die Kundinnen. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ich habe mit den meisten Mitbewerbern keinerlei Probleme, das Verhältnis ist entspannt und locker. Als sich eine meiner Mitarbeiterinnen mit einem eigenen Nagelstudio selbständig machte, war ich auch nicht böse. Im Gegenteil, ich habe ihr in manchen Dingen geholfen, sie beraten, und sogar die Werbung für sie entworfen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Da ich mich wieder stärker um meine Werbeagentur kümmere, führt hauptsächlich meine Frau das Nagelstudio, auch wenn ich die letzten Entscheidungen treffe. Ich konnte aber Privatleben und Beruf noch nie so richtig trennen. Wenn ich abends arbeite, bin ich so vertieft, daß ich nicht merke, wie die Zeit vergeht. Mir macht die Arbeit einfach Spaß, darum gibt es auch keine strikte Abgrenzung.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich bilde mich sehr viel autodidaktisch weiter, ich lese zahlreiche Fachzeitschriften und betrachte das Internet als Segen. Ich besuche aber auch regelmäßig Seminare oder Kurse - vorzugsweise am Wochenende, da mir sonst die Zeit fehlt.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man muß lernen zuzuhören, und aus dem Gesagten die Essenz ziehen. Wer mit sich selbst im reinen ist, wird über kurz oder lang auch Erfolg haben. Wenn du willst, daß die Menschen dich lieben, mußt du dich selbst lieben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte ein weiser, alter Mann werden.