Zum Erfolg von Karl Bauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ich werte es als Erfolg, mir ein Ziel zu setzen und konsequent an der Umsetzung zu arbeiten, bis ich es erreiche. Rückschläge, egal ob geschäftlicher oder privater Natur, dürfen nicht zum Anlaß genommen werden, aufzugeben.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Neben der Konsequenz und Ausdauer, mit der ich an meinen Zielen arbeite, ist vor allem Teamgeist ein zentraler Erfolgsfaktor. Ich nehme mich als Person zurück und spiele nicht den großen Chef, der es vom Lehrling zum Geschäftsführer eines 20-Millionen-Euro-Unternehmens gebracht hat. Ohne unsere vielen guten Mitarbeiter könnte ich alleine gar nichts bewegen. Ich sehe mich nicht als Gehaltsempfänger, der auf die Uhr schaut, wann er wieder nach Hause gehen kann, sondern ich komme gerne in die Firma. Meine Arbeit bereitet mir Freude.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Karl Fürnkranz senior erkannte binnen drei Monaten, ob ein Lehrling das Potential hatte, um im Unternehmen Karriere zu machen. Wer über das normale Maß hinaus Leistung und Interesse zeigte, dem standen alle Türen offen. Mit seinem Sohn verstand ich mich ebenso gut. Diese beiden Menschen prägten meinen Berufsweg entscheidend, da sie meine Leistungsbereitschaft würdigten und mir vertrauten. Von ihnen lernte ich nicht nur das Geschäft von der Pike auf, sondern bekam sehr viel soziale Kompetenz mit.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Hier möchte ich gerne ein Beispiel anführen: Ein junges Mädchen kam, in Begleitung ihrer Mutter, um sich um eine Lehrstelle als Verkäuferin zu bewerben. Sie hatte in allen Schulzeugnissen ausschließlich Einser, konnte mir aber keine drei Sekunden in die Augen sehen oder zwei zusammenhängende Sätze artikulieren. Ein anderes Mädchen hatte ein Zeugnis mit Dreiern und Vierern, war dafür offen, aufgeweckt und ehrlich. Meine Fragen, wie sie sich den Verkäuferberuf vorstelle, konnte sie sehr gut beantworten. Außerdem fragte sie mich, was ihr denn Fürnkranz bieten und was sie bei uns alles lernen könne. Ich entschied mich natürlich für sie, und heute ist sie eine unserer besten Verkaufskräfte.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich fördere den Teamgeist und treffe keine Entscheidungen alleine, sondern beziehe den engsten Kreis der Mitarbeiter ein. Dadurch identifizieren sich die Mitarbeiter mit den Entscheidungen und tragen sie mit. Das unterscheidet meinen Führungsstil auch von Fürnkranz senior und junior. Weil früher die Entscheidungen autonom in der Zentrale getroffen wurden, haperte es auch manchmal in der Umsetzung in den Filialen. Es kann auch jeder Mitarbeiter mit allen Problemen, auch privaten Sorgen, zu mir kommen. Soweit ich kann, werde ich helfen. Ich lasse die Mitarbeiter in einem bestimmten Rahmen auch frei und eigenverantwortlich arbeiten, was ebenfalls einen erheblichen Motivationsfaktor darstellt. Sind die Umsätze in einer Filiale besonders gut, greife ich auch zum Telefon und spreche meine Anerkennung aus. Für mich ist jeder Mitarbeiter, egal ob Bedienerin, Verkäuferin oder Manager, gleich wertvoll. Ich bedanke mich auch bei allen, beispielsweise im Rahmen unserer Weihnachtsfeiern.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ab einer gewissen Hierarchieebene arbeitet man nicht mehr nach der Stechuhr, sondern auf ein Ziel hin. Das gilt auch für unsere Führungskräfte. Wenn ich mir also ein verlängertes Wochenende für mein großes Hobby, die Jagd, gönne, muß ich eben an den anderen Tagen länger arbeiten. Ich kann mir die Zeit frei einteilen. Ich versuche zwar, Beruf und Privatleben auseinanderzuhalten, was aber nicht wirklich gelingt.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich kann der nächsten Generation nur raten, einen Beruf zu ergreifen, der ihnen wirklich Spaß macht und ihren Interessen entspricht. In der heutigen Zeit wird aber niemandem etwas geschenkt, und auch mir wurde zu Beginn der Lehrzeit ein Besen in die Hand gedrückt. Leider sind sich viele Junge für solche Arbeiten zu gut, und ich bekomme manchmal Briefe von den Eltern einiger Lehrlinge, daß das Fräulein Tochter keine Bedienerin ist und die Lehre daher abbricht. Mit Verlaub: Was soll aus solchen jungen Menschen werden? Es wäre mir nicht im Traum eingefallen, Herrn Fürnkranz sen. zu widersprechen, als er mich vor dem Geschäft auf der Thaliastraße Schneeschaufeln schickte. Dafür gab es auch ein tolles Trinkgeld.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Seit den Anfängen des traditionsreichen Modehauses Fürnkranz wird ohne Fremdkapital gearbeitet. Und es ist auch mein Ziel, das Unternehmen für den Eigentümer gewinnbringend zu führen. Den Sicherheitsgedanken, den die Seniorchefs als Grundsatz hatten, trage ich weiter. Trotzdem möchte ich natürlich jedes Jahr eine bessere Bilanz auf den Tisch legen als im Vorjahr.