Zum Erfolg von Annemarie Pippan
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich das wichtigste Gefühl und der Antrieb für alles. Er läßt sich an meiner Zufriedenheit messen, natürlich aber auch an finanziellen Gesichtspunkten, denn ich lebe nicht, um zu arbeiten, sondern ich arbeite, um zu leben. Wenn ich für meine Kunden einen Fall gewinne, dann stellt das für mich einen Erfolg dar. Aber nicht nur in beruflicher Hinsicht ist Erfolg wichtig, familiäres Glück ist von ebenso großer Bedeutung. Auch mein Mann und mein Sohn müssen zufrieden sein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich erachte mich auf jeden Fall als erfolgreich, weil ich meine und auch die meisten Ziele meiner Kunden erreicht habe.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bin nicht nur Steuerberaterin, sondern sehe mich als ganzheitliche Beraterin, die für ihre Kunden in allen Belangen das Optimum herausholt - wenn Sie so wollen, bin ich auch Lebensberaterin. Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war, daß ich meine Ziele immer sehr konsequent verfolgt habe - ich wollte nicht nur einfach Steuerberaterin werden, sondern unter den fünf besten Steuerberatern Kärntens sein, und ich denke, das habe ich erreicht.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Allein Frau und Mutter zu sein ist schon die größte Aufgabe, die es gibt. Ich ziehe vor jeder Frau den Hut, die zu Hause ist, mehrere Kinder großzieht und den Haushalt organisiert, denn sie ist Managerin eines Familienunternehmens. Ich wäre sehr froh, wenn einerseits Frauen ihr Licht nicht unter den Scheffel stellen würden und sie andererseits aber auch von der Gesellschaft nicht nur geringschätzig als Hausfrauen bezeichnet würden. Es gibt für mich nichts Schöneres, als Frau zu sein, und ich wollte nur beweisen, daß man Wirtschaftsprüferin werden und trotzdem Frau bleiben kann. Ich wollte nie den Männern gleich sein, ich wollte immer nur so sein, wie ich bin. Es ist zwar für Frauen schwieriger im Geschäftsleben, doch meines Erachtens kommt dieser Druck nicht von den Männern, sondern rührt vom Konkurrenzdenken unter den Frauen.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? In erster Linie hat mich mein Elternhaus geprägt. Mein Vater sprach zum Beispiel sieben Sprachen, und meine Mutter war die Praktikerin - das ergab eine tolle Symbiose, und sie beide waren für mich das Vorbild schlechthin. Und dann hatte ich einen väterlichen Freund, Herrn Dr. Fritz Kleiner, dem ich nicht nur beruflich viel verdanke, sondern durch den ich auch Zugang zur Kunst erhielt, und der mir gewissermaßen den Sinn des Lebens eröffnet hat.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie spielen eine ganz wesentliche Rolle, und ich sehe mich auch nur als Teil des Teams. Die Mitarbeiter brauchen Ziele, die ihnen vorgegeben werden, und jemanden, der sie führt, aber sonst sind sie gleichberechtigte Partner in einem Team, denn eine Kugel rollt nur gut, wenn sie ganz rund ist.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Die Bereitschaft, etwas erreichen zu wollen, steht bei mir im Vordergrund. Wenn mir jemand beim Vorstellungsgespräch nicht sagen kann, warum er bei einem Steuerberater arbeiten möchte, dann ist der Fall für mich erledigt. Meine Mitarbeiter müssen auch an lebenslangem Lernen interessiert sein - ich zahle ihnen die Fortbildung, sie müssen nur ihre Freizeit zur Verfügung stellen. Sie erwerben das Wissen ja dann auch für sich. Wichtig ist mir ebenfalls, daß meine Mitarbeiter sich mit dem Betrieb identifizieren können.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
So wie ich selbst meine Visionen als konkrete Ziele formuliere und mir dann möglichst viele kleine Etappenziele setze, damit der Erfolg schneller eintritt, muß ich das auch für meine Mitarbeiter machen. Zum Beispiel sage ich meinen Mitarbeitern, daß wir uns im Monat nur um ein Prozent verbessern müssen, dann sind es im Jahr zwölf Prozent. Würde ich diese zwölf Prozent auf einmal fordern, würden einige wohl daran scheitern.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
In meiner zweiten Beziehung und vor allem nach der Geburt meines Sohnes hat sich die Wertigkeit stark geändert. Stand zuerst immer mein Beruf an erster Stelle, so sind jetzt mein Mann und mein Sohn wichtiger. Und ich achte jetzt auch sehr auf meinen Körper, indem ich täglich laufe - denn nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Lust am Leben, am Arbeiten und am Lernen sowie Flexibilität erachte ich als zentral. Das heißt, ich muß mich nicht mit 15 Jahren entscheiden, was ich ein Leben lang machen werde, ich muß mich nur fragen, was ich gerne mache, und dann bereit sein für Veränderungen, wenn sich etwas Neues ergibt. Flexibel sein und hungrig nach Erfolg, das sind meines Erachtens die wichtigsten Eigenschaften, die man braucht. Und so wie Winston Churchill noch mit 93 Jahren gesagt hat: Geben sie nie, nie, nie, nie auf!
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Das Doktorat ist nach wie vor noch ein Ziel. Doch zuvor möchte ich den MBA für internationales Steuerrecht absolvieren, und zwar, wenn es geht, das Studium auf Italienisch in Venedig und die Prüfung auf Englisch dann in San Francisco.
Ihr Lebensmotto?
Ich bewege mich auf einer achtspurigen Autobahn, einmal auf der Kriechspur, dann wieder auf der Überholspur, aber immer geradeaus.