Zum Erfolg von Veronica Kaup-Hasler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, in allererster Linie herausragende Ereignisse für Künstler und Publikum zu ermöglichen, meine beruflichen Aufgaben unter Wahrung des künstlerischen und des wirtschaftlichen Aspektes zu lösen, gleichzeitig jedoch Wagemut und Risikobereitschaft an den Tag zu legen. Weiters bedeutet Erfolg für mich, eine von Professionalität und Freude getragene Atmosphäre innerhalb des gesamten Teams zu schaffen. Nicht zuletzt gehört für mich zum Erfolg dazu, meine beruflichen Ziele mit einem Sozial- und Familienleben in Einklang zu bringen. Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Zunächst waren manchmal unglaublich harte Arbeit und Verzicht notwendig, aber auch die Tatsache, eine großartige Familie im Rücken zu haben. Vor allem mein Mann hat mich wesentlich unterstützt.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich stelle mich sofort den bevorstehenden Aufgaben, die sich vor allem damit beschäftigen, den Künstlern den notwendigen Freiraum zu schaffen. 30 bis 40 Prozent meiner Tätigkeit haben mit rein künstlerischen Aspekten zu tun, der Rest besteht mittlerweile aus wirtschaftlichen und kulturpolitischen Aufgaben. Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Ja und Nein. Einerseits gibt es immer noch zahlreiche Vorurteile gegen Frauen - vor allem gegen Frauen, die Spitzenpositionen bekleiden. Doch andererseits nimmt der Kulturbereich eine Vorreiterrolle im Abbau solcher Ressentiments ein.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Generell habe ich bislang in Personalfragen, besonders bei Schlüsselpositionen, sehr gut entschieden. Darüber hinaus auch bei äußerst schwierigen Verhandlungen bezüglich des steirischen herbst, der in eine vollkommen neue Organisations- und Rechtsform übergeführt werden mußte.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Unsere Mitarbeiter sind für den Erfolg des Festivals von außerordentlich großer Bedeutung, da sie letzten Endes diejenigen sind, die unsere Arbeit ermöglichen und nach außen hin transportieren. Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Neben der fachlichen Kompetenz, die eine wichtige Voraussetzung darstellt, lege ich großen Wert auf Teamfähigkeit, erkennbare Neugierde und flexibles Denken. Freude und Lust an der Arbeit runden das Anforderungsprofil ab.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Da ein Festivalteam permanent mit der Öffentlichkeit zu tun hat, ist eine negative Atmosphäre innerhalb des Teams sehr kontraproduktiv. Daher bin ich bestrebt, unter meiner Leitung ein möglichst freies und eigenverantwortliches Arbeiten zu gewährleisten. Meine Erfahrung hat gezeigt, daß diese Philosophie die besten Ergebnisse zeitigt. Vorrangig ist, sich Zeit für die Anliegen der Mitarbeiter zu nehmen.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich habe den Eindruck, daß sie unsere Zusammenarbeit sehr schätzen, und daß sie in mir eine starke Partnerin sehen. Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Der steirische herbst ist herausragend, da dieses Festival interdisziplinär - also alle Formen von Kunst und Wissenschaft umfassend - ist, international wie lokal agiert und hauptsächlich neue Arbeiten, Ur- und Erstaufführungen initiiert und ermöglicht. Diese Kombination ist wirklich außerordentlich.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mit der Unterstützung meines Mannes und meiner Eltern lassen sich diese beiden Bereiche unter einen Hut bekommen. Trotzdem ist es immer wieder ein sehr großer Spagat. Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich setze derzeit keine konkreten Fortbildungsmaßnahmen, da meine Zeit extrem knapp ist und ich meine Familie nicht über Gebühr vernachlässigen will. Der Großteil meiner Fortbildung findet im beruflichen Alltag statt.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte die Balance zwischen Beruf und Familienleben noch besser als bisher in den Griff bekommen. Rein beruflich ist es mein Ziel, den steirischen herbst trotz der geringeren finanziellen Mittel weiterhin zu einem bemerkenswerten, internationalen Festival zu machen, das auch über Ländergrenzen hinaus relevant ist. Ich sehe darin meine ureigenste Aufgabe.
Ihr Lebensmotto?
Carpe diem - Nütze den Tag.