Zum Erfolg von Michael Jörg Hiesmayr
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, am AKH gemeinsam mit einem starken Team die Möglichkeit zum Gestalten zu haben.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Primär sind es meine Interessen an Themen wie Stoffwechsel, Kreislauf, Ernährung und Qualitätsmanagement wie auch der Wille zur internationalen Zusammenarbeit. Teils war ich in Europa Teil von Netzwerken, gestaltete sie mit oder war Erschaffer eines Netzwerks für verschiedene Projekte. Durch die aktive Mitarbeit in Netzwerken lernte ich zuerst, wie Netzwerke funktionieren. Die Vernetzung gab mir Input von außen und die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Projekte durchzuführen. Seit mehr als zehn Jahren arbeite ich in Netzwerken in den Bereichen Benchmarking und internationaler Vergleich der Qualität der Performance einer Institution sowie an der Gestaltung der Methoden des Vergleichs. Um in Netzwerken ernst genommen zu werden, ist ein aktiver Beitrag erforderlich. Das bedeutet Einsatz und Arbeitszeit ohne finanzielle Abgeltung, sonst geht gar nichts.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
In Netzwerken ist es wichtig, ein Forum zu finden, in dem Ehrlichkeit herrscht und die Anonymität der Institutionen bei Qualitätsmaßnahmen entsprechend gewährleistet wird; nur dann können die Erfahrungen des Austauschs und der Vergleich mit anderen genutzt werden und ein Lernzuwachs stattfinden. Als Dienstleister, Forscher und Lehrer zu fungieren erfordert viel Zeit und Einsatz, aber wenn ich etwas selbst nicht weiß, dann frage ich die Personen, die es besser wissen. Die eigenen Grenzen zu erkennen und meine Führungsaufgaben wahrzunehmen halte ich für wichtig.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Bildung und Kultur stellten in unserer Familie zentrale Fragen dar. Mein Vater war Architekt und Professor an der technischen Universität; ein Mensch, der bis ins höchste Alter interessiert war, meine Mutter war die erste promovierte Ärztin aus dem Bregenzer Wald. Ich empfinde es als ein Privileg, in diesem Umfeld aufgewachsen zu sein, denn dieser Background entfachte meine Neugier auf die Welt..
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Die Infektionsrate auf der Intensivstation ist ein nicht ganz in den Griff zu kriegendes Problem. Durch neue Methoden und die Teilnahme am Netzwerk Infektionen auf der Intensivstation konnten wir die Qualität unserer Arbeit in kurzer Zeit verbessern, weil wir von anderen gelernt haben. Die Zahl der Infektionen hat seither abgenommen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Essentiell sind die exzellenten Mitarbeiter im Nahbereich. Die Tätigkeit ist eine extrem arbeitsteilige und belastende, und es kann nur in Kontinuität miteinander gearbeitet werden. Gegenseitiges Vertrauen und das Einhalten gemeinsam definierter Standards, an die Mitarbeiter auch glauben müssen, sind Notwendigkeiten.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Mitarbeiter zu fördern sehe ich als meine Führungsaufgabe an. Gemeinsam definierte Ziele und Begeisterung gelingt nur mit einem gewissen Ownership, das bedeutet selbst zu entwickeln, die Auseinandersetzung zu suchen und dann eine Vereinbarung zu treffen. Für jeden Mitarbeiter im Team einen Platz zu suchen und zu finden, Mitarbeiter ernst zu nehmen und die Latte immer wieder gemeinsam höher zu legen, ermöglichte mir die Entwicklung eines starken Teams. An der Universität von heute gibt es immer mehr Lehraufgaben, sodaß die jungen Studenten viel früher lernen, im Team zu arbeiten, was ich gut finde.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Aufgrund meines hohen beruflichen Einsatzes verbringe ich mit meiner Familie sicher weniger Zeit, doch versuche ich, so gut es geht, Beruf und Familie zu vereinbaren. Gemeinsam Urlaub zu machen ist mir sehr wichtig. Die Familie ist für mich essentiell, und meine Kinder gehen über alles. Meine Frau, selbst Forscherin, die an vielen Projekten arbeitet, hat viel Verständnis und einen entscheidenden Beitrag geleistet, denn ohne sie wäre mein berufliches Engagement nicht möglich gewesen.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Übers Jahr verteilt verbringe ich sicher ein Monat als Vortragender in ganz Europa. In Österreich findet seit 25 Jahren ein postgraduelle Fortbildung als Klausurtagung zur Intensivmedizin statt. Das Interdisziplinäre Zentrum für Forschung und Entwicklung der Intensivmedizin veranstaltet einmal im Jahr eine Klausurtagung in deutscher Sprache, besetzt mit internationalen Sprechern. Daran nehme ich regelmäßig teil, um internationale Kontakte weiter auszubauen.