Zum Erfolg von Günther Bien
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg wird von Fall zu Fall sicherlich unterschiedlich empfunden und beschrieben und ist im wesentlichen auch abhängig von der jeweiligen Berufsgruppenzugehörigkeit. So bedeutete für mich Erfolg in meiner Funktion als Institutsdirektor, eine sinnvolle und effiziente Personal- und Finanzpolitik zu betreiben, und als Wissenschaftler, erfolgreich in der Forschung zu arbeiten, was mir auch internationale Anerkennung unter Fachkollegen eintrug. Ich erachte es auch als Erfolg, den wissenschaftlichen Nachwuchs gefördert und ihm die Freude an wissenschaftlicher Arbeit vermittelt zu haben. Auch das positive Echo, das ich in meinen Vorlesungsreihen für ältere Menschen erfahren habe, ist für mich ein Beleg erfolgreicher Arbeit.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Die Fähigkeit, klassische Texte zu lesen und zu interpretieren, ist in meiner Branche sehr wichtig. Gleichzeitig muß man eine gewisse Kreativität und Produktivität an den Tag legen, stets neue Einfälle haben und diese dann auch umzusetzen vermögen.Wie begegneten Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags? Im Laufe der Jahre hat sich die Verfügbarkeit finanzieller Mittel für die Wissenschaft immer weiter reduziert. Mit dieser immer schwieriger werdenden Situation klar zu kommen, Ruhe zu bewahren und zu anderen Menschen stets freundlich zu bleiben war mir stets sehr wichtig, um Problemsituationen bewältigen zu können. Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? In der Verwaltung ist sehr oft Improvisation nötig, aber in der Wissenschaft, in Lehre und Forschung ist auch Kontinuität gefragt. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? In erster Linie wurde ich von meinem Doktorvater Prof. Dr. Hermann Lübke sowie von Prof. Dr. Joachim Ritter geprägt.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Besonders gefreut haben mich immer Einladungen zu großen Kongressen und Symposien, wo ich als anerkannter Spezialist gefragt war.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich denke, daß ich kein Polemiker bin, sondern als geduldiger Zuhörer mit einem ausgleichenden Wesen geschätzt werde. Derartige positive Rückmeldungen habe ich als Kollege, als Lehrender sowie als Autor erfahren. Welche Rolle spielten die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg? Ich habe immer großen Wert auf eine enge Zusammenarbeit mit meinen Assistenten gelegt, auch wenn branchenspezifisch in meinem Wissenschaftsbereich natürlich das eigenständig Kreative oft im Vordergrund stand. Nach welchen Kriterien wählten Sie Mitarbeiter aus? Zunächst einmal war für mich wichtig zu sehen, für welche konkrete Aufgabenstellung in Forschung, Lehre und Verwaltung Bedarf bestand. Ich hatte den Anspruch an meine Mitarbeiter, daß sie die Fähigkeit besitzen, ein Institut zu verwalten und sich selbst zu organisieren. Wie vereinbarten Sie Beruf und Privatleben? Die Vereinbarkeit dieser beiden Bereiche ist mir eigentlich ganz gut gelungen, da ich sehr viel zu Hause arbeiten konnte und es mir somit möglich war, durch meine häusliche Präsenz familiäre Probleme abzufedern. Vor allem Klassische Musik, aber auch eine aktive sportliche Betätigung wie Radfahren und ausgiebige Spaziergänge waren und sind für mich Quell neuer Kraft.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Zum einen ist eine große innere Ruhe notwendig. Zum anderen sollte die Fähigkeit zum bzw. die Freude am Lesen und Diskutieren stark ausgeprägt sein. Einfallsreichtum und Kreativität sind in meiner Branche unverzichtbare Begabungen. Man muß ständig „auf dem Markt“ präsent sein, auch das Gespür für die richtigen Leute haben, die einen geistig voranbringen und der eigenen Karriere förderlich sind. Es ist wichtig, zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu sein und das Richtige zu tun. Fleiß und die Fähigkeit, auch Verzicht zu üben, sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen.
Ihr Lebensmotto?
Einsichten gewinnen und das Erkannte lehrend weitergeben. Lebe heute so, wie du dann, enn es ans Sterben geht, wünschen wirst, gelebt zu haben.