Zum Erfolg von Franz Ritzinger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich ist Erfolg gleichbedeutend mit persönlicher Zufriedenheit. Ich stelle aber hohe Anforderungen an mich und meine Mitarbeiter, und erst wenn wir diese Latte schaffen, bin ich zufrieden. Ich verlange 150 Prozent Leistung, um im Endeffekt 100 Prozent zu erreichen oder zu bekommen. Aufgaben erfolgreich zu bewältigen ist mir wesentlich wichtiger als der monetäre Aspekt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich habe Dinge, die ich mir vornahm, nicht erreicht; aber ich habe viel mehr erreicht, als ich eigentlich glaubte. Deshalb sehe ich mich auch als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine Grundeinstellung heißt: Geht nicht gibt's nicht! Komme ich auf einem Weg nicht zum Ziel, suche ich mir einen anderen. Zweitens war es wichtig, Anfang der neunziger Jahre meine privaten und beruflichen Probleme zu erkennen, diese Kapitel abzuschließen und einen Neuanfang zu wagen. Last but not least akzeptiere ich die Menschen, mit denen ich zu tun habe, so, wie sie sind.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Als ich im privaten Bereich mit der Scheidung ein sehr einschneidendes Erlebnis hatte, traf ich die Entscheidung, auch beruflich einen komplett neuen Weg zu gehen. Das hat sich als richtig und erfolgreich erwiesen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Es gibt eine ganze Reihe von Leuten, von denen ich viel lernen konnte, aber es gab definitiv niemanden, der mich speziell prägte, ein Vorbild oder Mentor war.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Die heutige Informationstechnologie hat unbestreitbar ihre Vorteile, zieht aber auch viele Nachteile nach sich. Es ist ja viel einfacher, eine E-Mail zu schicken und damit seinen Part als erledigt zu betrachten, als die betreffende Person anzurufen oder zu treffen, um ein Problem persönlich zu klären. Solche Entwicklungen halte ich für bedenklich.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Gute Mitarbeiter spielen eine sehr wichtige Rolle bei meinem und beim Erfolg des Unternehmens. Selbstverständlich müssen zunächst gewisse fachliche Voraussetzungen erfüllt sein, dann geht es um den persönlichen Eindruck, den ich von einem Bewerber gewinne. Ich bin noch den alten Werten verhaftet, daher ist mir zum Beispiel die Handschlagqualität sehr wichtig.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich versuche die Mitarbeiter im Sinne von Coaching zu führen. Hat ein Mitarbeiter einen gewissen Reifegrad erreicht, bekommt er eine Aufgabe, aber keinen fest vorgeschriebenen Lösungsweg. Wir erarbeiten gemeinsam den Ausgangspunkt, der Rest liegt in seiner Verantwortung. Natürlich lasse ich meine Mitarbeiter dabei nicht alleine und stehe bei Fragen und Problemen immer zur Verfügung, auch die Definition von Zwischenzielen und deren gemeinsame Überprüfung spielen dabei eine wichtige Rolle.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Eines meiner Rezepte, um diese beiden Bereiche halbwegs zu vereinbaren, besteht darin, daß ich z.B. während des Urlaubes für das Unternehmen nicht erreichbar bin. In dieser Zeit bin ich nur für meine Lebensgefährtin da und für sonst niemanden.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Im IT-Bereich halte ich mich nur mehr durch Fachzeitschriften und andere Medien auf dem laufenden, mache aber keine speziellen fachlichen Fortbildungen mehr. Weiterbildungen und Seminare absolviere ich auf Gebieten wie Mitarbeiterführung oder Prozeß- und Projektmanagement.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung kann ich nur raten, viel mehr auf sich selbst zu hören, konsequent seinen Weg zu gehen und sich nicht von der Meinung der Masse beeinflussen zu lassen. Weiters empfehle ich, sein Gegenüber so zu akzeptieren, wie es ist, und sein eigenes Verhalten darauf abzustimmen. Die Beschäftigung mit anderen Ländern und Kulturen kann dabei durchaus hilfreich sein.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich bin ein Mensch, der Herausforderungen braucht. Es ist nicht meine Mentalität, mich bequem zurückzulehnen und auf die Pension zu warten. In diesem Sinne kann ich mir auch vorstellen, noch einmal etwas komplett Neues aufzubauen.
Ihr Lebensmotto?
Weniger ist mehr!