Zum Erfolg von Harald Zierer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Wenn unsere Weine bei nationalen oder internationalen Wettbewerben unter tausenden Mitbewerbern regelmäßig Top-Plazierungen erreichen oder sogar Gold erringen, empfinde ich das als Erfolg und wunderbare Anerkennung. Neben diesen offiziellen Prämierungen muß natürlich auch der eigentliche Weinverkauf funktionieren. Zufriedene Kunden, die immer wieder bei uns kaufen, bestätigen unser Erfolgskonzept.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, heute kaufen viele Kunden unsere Weine „blind“ - das heißt, ohne sie vorher zu verkosten, weil sie auf unsere Qualität vertrauen. Das war früher nicht der Fall.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Die schulische Ausbildung und die laufende Weiterbildung sind sicherlich ausschlaggebende Faktoren.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
In erster Linie wurde ich von meinen Eltern, speziell von meinem Vater, geprägt. In der Schule wurden mir die theoretischen Grundlagen vermittelt, von ihm lernte ich die Praxis. Außerdem gibt es einige Größen in der Weinbranche, die aufgrund ihres Wissens und Könnens eine Art Vorbild für mich sind.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Österreich ist ein kleines Weinland, und der Weinskandal im Jahr 1985 verursachte einen Imageschaden, der bis heute noch nicht zur Gänze ausgemerzt werden konnte.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Wir haben einen Kontaktmann in Gumpoldskirchen, der uns Mitarbeiter schickt, die verläßlich sind und über Erfahrung verfügen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir beschäftigen externe Mitarbeiter nur saisonal, also im Sommer und im Herbst. Ich zeige ihnen zur Lesezeit den Produktionsablauf, damit sie Einblick in die einzelnen Vorgänge bekommen. Natürlich dürfen sie abends die Weine auch verkosten. Unsere Weingärten sind sehr schön und gepflegt, da macht die Arbeit auch noch mehr Freude.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Wir gehen individuell auf unsere Kunden ein, was sehr geschätzt wird. Das Weingut Zierer ist ein alteingesessener Betrieb in Gumpoldskirchen, wir haben die besten Lagen und Weingärten zur Verfügung. Das trägt natürlich ganz wesentlich zur Qualität unserer Produkte bei. Der Gumpoldskirchner Wein wurde durch die beiden Weißweinsorten Zierfandler und Rotgipfler weltberühmt. Diese Tradition haben wir berücksichtigt und unsere Weingärten, mit Bedacht auf Boden und Klima, mit jenen Sorten ausgepflanzt, für die die Umgebung am vorteilhaftesten ist. Außerdem sind wir finanziell unabhängig und haben keine Belastungen zu tragen. Wir investieren regelmäßig in Maschinen und neueste Technologien.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mein Beruf ist sehr arbeitsintensiv - 80 Wochenstunden sind keine Seltenheit. Da wir ja auch eine Buschenschank betreiben, wo ich persönlich anwesend sein muß, sind viele Wochenenden dem Betrieb gewidmet. In Zukunft möchte ich etwas zurückschalten, um mehr Zeit für mich und die Familie zu haben.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Das ist sehr unterschiedlich und hängt von der Zeit ab, die neben dem Alltagsgeschäft im Betrieb verbleibt. Aber zwischen zehn und 20 Tagen pro Jahr verwende ich sicherlich für Fortbildungsmaßnahmen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Um ein Weingut erfolgreich aufzubauen, braucht es einige Jahrzehnte, das geht nicht von heute auf morgen. Es ist wichtig, über den eigenen Tellerrand zu blicken, und im Rahmen von Weinreisen andere Top-Betriebe im Ausland kennenzulernen. So kann man sich viel Motivation holen. Natürlich muß man diese Anregungen dann auch praktisch umsetzen können, was hohen finanziellen Einsatz erfordert. Fehlt es an den entsprechenden Geldmitteln, muß man vorderhand eben auf einige Auslandsreisen verzichten und sich persönlich stärker in den eigenen Betrieb einbringen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Als ich 1990 bei meinen Eltern zu arbeiten begann, hatten wir rund sechs Hektar Weingärten, mittlerweile haben wir auf zwölf Hektar verdoppelt. Mein Ziel ist es, den Betrieb weiter zu vergrößern und unsere Weine noch bekannter zu machen. Der Bekanntheitsgrad und ein gutes Image sind in unserer Branche enorm wichtig.