Zum Erfolg von Gustav Krug
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Zunächst muß ich festhalten, daß ich ein sehr erfolgsorientierter Mensch bin - ich will und brauche den beruflichen Erfolg. Allerdings nicht um jeden Preis. Es gibt zum Beispiel etliche Berufskollegen, die sich Journalisten anbiedern, um durch gute Medienkritiken erfolgreich zu werden. Das lehne ich ab, ich werde mich niemals „prostituieren“. Ich will durch unsere Qualität überzeugen. Wenn laufend Bestellungen eingehen und der Wein palettenweise hinausgeht, freut mich das enorm. Die Kunden sind mit unseren Produkten extrem zufrieden, und wir machen gleichzeitig ein gutes Geschäft - das sehe ich als Erfolg.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Meine Eltern haben sicherlich sehr zu meinem Erfolg beigetragen, da sie mich schon in jungen Jahren in jeder Hinsicht unterstützten, mich aber gleichzeitig selbständig arbeiten ließen. Heute als Unternehmer bin ich eher ein Einzelkämpfer - es gibt ein altes Sprichwort, das meine Philosophie gut widerspiegelt: Allein ist ein goldener Stein! Ich will mich nicht mit irgendwelchen Partnern oder Neidgenossenschaften herumschlagen, sondern verwende meine Energie lieber für das Unternehmen. So kann ich meine Ideen umsetzen und muß auf niemanden Rücksicht nehmen. Ich vertrage es nicht, von anderen Leuten Befehle entgegennehmen zu müssen. Zusätzlich habe ich eine wunderbare, liebe und tüchtige Frau, die mich hervorragend unterstützt. Unser Gesamtpaket, zu dem nach wie vor meine Eltern zählen, ist extrem stark.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Natürlich packe ich bei gewissen Arbeiten selbst mit an, im großen und ganzen bin ich aber der Organisator, Manager und Stratege. Wir verdienen das Geld nicht, weil ich mit dem Traktor herumfahre und Weinbottiche schleppe, sondern weil ich durch die Weingärten spaziere, Ideen sammle und die nächsten Arbeitsschritte plane. Außerdem habe ich in all den Jahren eine dicke Haut entwickelt, ich lasse aus Selbstschutz keine Probleme fremder Menschen - seien es Gäste, Kunden, Händler oder Mitarbeiter - an mich heran.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ich absolvierte in Krems ein Seminar beim bekannten, aber leider schon verstorbenen Alois Kracher. Er sagte, daß man sich Ziele im Leben setzen muß - entweder man setzt sie so, daß man sie gar nicht erreichen kann und somit „hungrig“ bleibt; oder man definiert nach Erreichen eines Zieles schon das nächste. Diesen Rat befolge ich noch immer, und das gibt mir sehr viel Kraft.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Als großes Problem im Gastronomiebereich sehe ich, daß das Personal zu wenig erfolgshungrig ist und sich zu wenig fortbildet. Natürlich versuche ich meine Mitarbeiter zu fördern und zu motivieren, was aber nur selten gelingt.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie sind sehr wichtig. Daher gebe ich ihnen genügend Spielraum, wo sie Verantwortung übernehmen können und mitdenken müssen. Die Mitarbeiter sollen mit mir und dem Betrieb mitleben, sich mit uns identifizieren und Freude an der Arbeit haben.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Das sind zu 90 Prozent Bauchgefühl, Menschenkenntnis und persönlicher Eindruck. Ich weiß bereits nach wenigen Augenblicken, ob der Bewerber meinen Vorstellungen entspricht und in unser Team paßt.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unser Heuriger Altes Zechhaus verfügt über 350 Sitzplätze und ist an 363 Tagen im Jahr geöffnet. Durch unser neues computergestütztes Bestellsystem konnten wir die Wartezeit für die Gäste extrem verkürzen. Außerdem sind wir derzeit das größte Weingut in Gumpoldskirchen: 1995 hatten wir fünf Hektar Eigenbesitz, heute sind es bereits 26 Hektar plus zwei Hektar Pachtflächen - diese Weinberge sind außerdem finanziell unbelastet! Eher untypisch für diese Gegend produzieren wir jeweils zur Hälfte Rot- und Weißwein. Wir verkaufen nur wenig Wein ab Hof, das meiste läuft über Händler. Hauptabsatzmärkte sind Schweiz, Belgien, Holland und Bulgarien. Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Erfolg erzeugt in Österreich immer Neid, und die Neidgenossenschaft ist in Gumpoldskirchen besonders groß. Aber das prallt an mir ab, ich lache die Kollegen freundlich an und denke mir meinen Teil.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich gehe sehr in meinem Beruf auf und bin auch ein Mensch, der viel Zeit für sich selbst braucht. Ich bin ständig ausgelastet, und mir wird nie langweilig. Dadurch kommt das Familienleben leider manchmal zu kurz. Die schlimmste Vorstellung für mich ist ein Faulenzer- oder Wellness-Urlaub, wo ich zur Untätigkeit verdammt bin. Ich schalte am besten in der unberührten Natur Afrikas ab - inmitten von Tieren, ohne Fernseher und Handy. Den privaten Medienkonsum habe ich aber ohnehin völlig abgestellt; ich will mich nicht von den Medien beeinflussen lassen, sondern die Energie auf mich konzentrieren und mir meine eigene Meinung bilden.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich hoffe, daß unsere Kinder unser Lebenswerk fortsetzen und den Erfolg weiter ausbauen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte den Betrieb durch einen Zubau weiter vergrößern, weil wir bereits an die Grenzen unserer Kapazität stoßen.