Zum Erfolg von Veronika Seitweger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Für mich setzt sich Erfolg in unserem Metier aus mehreren Komponenten zusammen. Es ist das Zusammenspiel vieler Faktoren: Neben der beruflichen Qualifikation ist es mit Sicherheit die ausgeprägte Kommunikationsfähigkeit im Umgang mit Kundinnen und Kunden; weiters gehört der laufende optimale Austausch mit den zuständigen Interessensvertretungen dazu. Der größte Erfolg ist für uns, der Erfolg unserer Kundinnen und Kunden. Das ist die schönste Bestätigung unserer Arbeit. Auf persönlicher Ebene sehe ich Erfolg als Weiterentwicklung. Ein klassischer Karrierepfad bei TPA sieht zB so aus: Vorerst nur fachorientiert arbeiten, in Folge Führungsaufgaben in kleinerem Umfang ausüben, später logischerweise im großen Stil, Umsatzverantwortung übernehmen und neue Kundinnen und Kunden anwerben. In der Zwischenzeit hat sich unser Berufsbild komplett geändert. Seinerzeit war es von Vorteil eine umfangreiche Bibliothek zu besitzen, um Informationen zur Verfügung zu haben. Gegenwärtig wird die Digitalisierung genutzt, um fachspezifische Informationen zu bekommen. Introvertierte Persönlichkeiten haben in unserem Beruf keine Chance, um Karriere zu machen. Was zählt, ist ein gutes Netzwerk, auf das man jederzeit zurückgreifen kann. Ein persönlicher, zielorientierter Austausch setzt sowohl natürliche Kommunikationsfähigkeit voraus als auch Selbstbewusstsein. Ganz unabhängig von der jeweiligen Aufgabe, sollten Freude und Spaß im beruflichen Alltag im Vordergrund stehen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, durchaus. Weil ich eine Tätigkeit ausübe, die mir nach wie vor jeden Tag große Freude und Spaß bereitet. Dafür bin ich sehr dankbar!
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich denke, das war bzw. ist mein ausgeprägter Wille zur Problemlösung, bzw. gemeinsam mit meinen Kundinnen und Kunden die passenden Lösungen zu finden. Um diese Beraterfunktion optimal ausüben zu können, bedarf es eines guten Netzwerkes und eines profunden Know-hows. Beides kann auch in Zukunft nicht durch eine Maschine ersetzt werden. Tiefes Fachwissen, die Zusammenhänge verstehen und auch wissen, wo man nachschauen kann, gehören dazu. Permanentes Lernen gepaart mit Neugierde ist für unseren Berufsstand eine Selbstverständlichkeit, um die Probleme der Kundinnen und Kunden zu lösen. Bereits während meiner Managementtätigkeit in einem Hotel trat meine Einstellung immer mehr in den Vordergrund: Entweder mache ich etwas zu 100 Prozent, oder ich lasse es bleiben. Für mich gibt es keinen Acht-Stunden-Tag, aber das stört mich nicht, denn was ist schöner, als Menschen zu helfen und deren Probleme zu lösen.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Auf Grund meiner Erfahrung würde ich sagen, dass es die Mischung aus beiden Varianten ist, die zum Erfolg führt. Einerseits müssen wir uns an den gesetzlichen Vorgaben orientieren und andererseits zählt die eigene Persönlichkeit. Ich denke, das Original hat immer einen höheren Stellenwert. Denn es ist der Pioniergeist, der uns sowohl wirtschaftlich als auch als Gesellschaft weiterbringt.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Nein, weil ich wie die Jungfrau zum Kind zu meiner Stelle in der Steuerberatung gekommen bin. Es war kein Berufswunsch. Nach der Geburt meiner Söhne, suchte ich eine Beschäftigung. Durch Bekannte lernte ich dieses Metier kennen, meine Neugierde entfachte sich und hat mich schließlich angetrieben, tiefer einzutauchen. Somit trat ich 1994 in eine „neue Welt“ ein. Österreich ist mit 1.1.1995 der Europäischen Union beigetreten. Durch diesen Beitritt erfolgte eine Änderung der Umsatzbesteuerung. Meine Neugierde brachte es mit sich, dass manche Bezeichnungen und Formulierungen im UstG 1994 für mich nicht schlüssig waren. Ich suchte daher den Kontakt zu den betreffenden Persönlichkeiten im Finanzministerium und ersuchte um Aufklärung. Kurzfristig konnte man mein Anliegen zwar nicht erledigen, aber mittelfristig wurde meine Anfrage doch positiv erledigt. Mit diesem Beispiel möchte ich aufzeigen, dass Neugierde und die Aneignung fachspezifischen Wissens in unserem Beruf eine Notwendigkeit darstellen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
In meiner Wahrnehmung haben sich Motivationen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr stark verändert. Wir sind als Arbeitgeber gefragt und nicht umgekehrt. Wie bereits angesprochen, hat sich auch unser Berufsbild komplett geändert. Früher war es zum Beispiel für unseren Berufsstand verboten zu werben; dies hat sich schnell geändert. Heute können wir sowohl um Kundinnen und Kunden als auch um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werben. Beide Gruppen haben für uns einen sehr hohen Stellenwert. Als eine der führenden Steuerberatungskanzleien Österreichs, bieten wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erstklassige Aus- und Weiterbildungs-möglichkeiten an. Natürlich hat auch die Digitalisierung bei uns Einzug gehalten, was meiner Ansicht nach, ein sehr spannendes Thema ist. Ich freue mich und bin stolz auf mein Team, wobei jeder Einzelne mit Begeisterung seinen Beitrag zu unserem unternehmerischen Erfolg liefert. Somit würde ich meinen Führungsstil als „Führen mit Begeisterung“ titulieren. Dafür braucht es ein sehr gutes Betriebsklima, auf das ich besonders achte.
Wie verhalten Sie sich dem Mitbewerb gegenüber?
Der Mitbewerber ist für uns kein wirkliches Thema. Wir pflegen eine sehr intensive Kundenbeziehung, die für uns mehr als nur ein Schlagwort ist. Denn Beziehungen muss man leben und dies schätzen unsere Kundinnen und Kunden. In diesem Sinn spüre ich keine Konkurrenz.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Persönliches Service, aktuelles Know-how unserer Expertinnen und Experten und höchste Qualität sind die Leitlinien für unsere tägliche Arbeit. Eine unserer Stärken sehe ich in der „face to face – Kommunikation“, die wir tagtäglich leben. Unsere Kundinnen und Kunden wissen, dass wir immer für sie da sind und wir uns ihrer Probleme annehmen. TPA ist auch international tätig, aktuell sind wir in zwölf Ländern Mittel und Südosteuropas sehr erfolgreich vertreten.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich muss gestehen, dass es nicht immer einfach war, Beruf und Privatleben unter einen Hut zu bringen. Dank meines Ehemannes, welcher zeitlich flexibel war, konnten wir rasch auf unvorhergesehene Situationen reagieren. Organisation und Flexibilität sollten, meiner Meinung nach, nicht nur im Berufsleben vorherrschen, sondern auch im familiären Umfeld. Viele meiner Kolleginnen befinden sich momentan in Karenz und es bedarf hoher Flexibilität aller Beteiligten. Wir wollen die Mitarbeiterinnen am Laufenden halten und den Kontakt zu ihnen nicht verlieren. Klar ist, dass die Frauen nach Beendigung der Karenzzeit vor großen Herausforderungen stehen. Bei TPA möchten wir ihnen den Wiedereinstieg erleichtern.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wichtig für eine erfolgreiche Karriere in der Steuerberatung sind: Neugierde, die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen, Freude und Spaß an der Arbeit und daran, Probleme zu lösen. Nach der Matura wissen junge Menschen nicht genau, was sie als nächstes in Angriff nehmen möchten. Wir bieten verschiedenste Praktika an, um unser Metier dem Interessenten, oder der Interessentin näher zu bringen. Außerdem gibt es die Möglichkeit neben dem Studium bei uns zu arbeiten. Kommunikation ist in unserem Beruf von ebenso großer Bedeutung: Um sich auf sein Gegenüber einzustellen, wären psychologische Grundkenntnisse von Vorteil. Leider ist es eine Tatsache, dass es zu wenig Nachwuchs gibt und der Bedarf immer größer wird. Trotz Digitalisierung wird auch in Zukunft unser Beruf seinen Stellenwert haben. Meiner Einschätzung nach werden die Steuerberatungskanzleien weiterwachsen. Die Materie wird immer komplexer und es ist unmöglich, dass eine Person alles wissen kann. Das könnte dazu führen, dass kleinere Kanzleien im Laufe der Zeit von der Bildfläche verschwinden werden. Die Unternehmenskultur bei TPA bietet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Freiraum und wenn man sich für ein Fachgebiet begeistert, kann man sehr schnell die Karriereleiter erklimmen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, den bisher erfolgreich eingeschlagenen Weg weiter zu beschreiten. Wenn ich diesen auch in Zukunft fortführen kann, bin ich sehr dankbar. Oder anders ausgedrückt: Es ist für mich eine besondere Herausforderung und eine noch größere Freude einen kleinen positiven Beitrag zum Transformationsprozess in unserer Branche beitragen zu dürfen. Davon sollen sowohl Kunden als auch Mitarbeiter profitieren.