Zum Erfolg von Elisabeth Muschik
Was bedeutet für Sie Erfolg? Erfolg ist, wenn etwas gelingt. Es stellt sich immer erst im nachhinein heraus, wie erfolgreich man ist. Wenn ich sehe, wie meine Kinder ihr Leben und ihre Beziehungen zu meistern versuchen, dann erfüllt es mich mit Freude, da ich dann weiß, daß ich ihnen doch etwas auf ihren Weg mitgeben konnte. Wenn die Gemeinde sieht, daß wir ein verläßlicher Partner sind und in dieser Form mit Aufträgen belohnt werden, sehe ich es ebenfalls als Erfolg an. Erfolg kann nur in etwas lineares umgewandelt werden, wenn jeder Mensch für sich selbst seine Arbeit als Reflexion sieht. Unter Reflexion verstehe ich das kritische Hinterfragen meiner Tätigkeit, die Bereitschaft, sich auch selbst coachen zu lassen und die Fähigkeit, den Mitarbeitern die Zusammengehörigkeitsphilosophie als Unternehmensdarstellung glaubhaft präsentieren zu können.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
In dem Sinn, daß ich sehr viel Glück in meinem Leben erfahren durfte, ja. Erfolgreich sein kann man nur, indem man persönlich wächst.Wie treffen Sie Entscheidungen? Indem ich auf meinen Bauch, mein Herz und meinen Verstand höre. Wenn ich Lust auf etwas habe ist es eine Bauchentscheidung. Herzentscheidungen sind genau das, was der kleine Prinz bemerkte: Sie sind verantwortlich für das, was sie gezähmt und sich vertraut gemacht haben.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Es waren zwei Erfahrungen, welche den Ausschlag gaben. Auf der einen Seite war es unsere über 35 Jahre dauernde qualitativ hohe Einsatzbereitschaft, auf der anderen Seite wurde der Leidensdruck des Überlebenswollen, so groß, daß die Finanzierung der Projekte nur mehr über die kommunalen Ebenen erfolgen konnte. Wären die politischen und sozialen Mächte nicht bereit gewesen diese Finanzierung vorzunehmen, gäbe es Pro Mente nicht mehr. Nun ist es soweit, daß uns alle nicht nur anerkennen, sondern als gleichberechtigt und als notwendige Institution akzeptieren. Ich habe es mir immer gewünscht, als gleichberechtigter Partner bei Verhandlungen zu erscheinen und ich bin sehr glücklich dies geschafft zu haben.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mittlerweile sehr gut. In früheren Zeiten war ich vormittags als Referentin tätig und das Geld, das ich dabei verdient habe, ging fast zur Gänze für die Kinderbetreuung auf. Aber für meinen Mann und auch für meine Kinder war es wichtig, daß ich mich beruflich entfalten konnte, weil sich meine Zufriedenheit auf den Umgang in der Familie ausgewirkt hat.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Viele die heute hauptamtlich für uns arbeiten, wuchsen durch ihre langjährige ehrenamtliche Tätigkeit oder durch ihre Praktika so in unser Team hinein, daß sie heute die Positionen von Bereichsleitern ausüben. Neue Anträge zur Aufnahme werden von unserem Coach bearbeitet. Die Frage ist natürlich immer, für welchen Bereich ich jemanden benötige. Ein Kriterium ist sicher, das soziale Engagement des/der jeweiligen Stellenbewerbers/in. Wir arbeiten natürlich auch sehr eng mit dem Arbeitsmarktservice zusammen.Wie motivieren Sie die Mitarbeiter? Ich bin sehr dankbar mit einem so guten Team arbeiten zu können. Ich informiere die MitarbeiterInnen über unsere Zielsetzungen und wir feiern gemeinsam unsere Erfolge.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Wir haben unseren Fähigkeiten entsprechend, einen Begleitdienst für alle Außenstellen der Sozialämter Wiens angeboten und verwirklicht. Diesen Begleitdienst, auch in die Dienste der Obdachlosen zu stellen, würde unserer Philosophie Nachzugehen und Aufzusuchen gerecht werden. Wir werden die Modelle Köln und Kopenhagen in Wien installieren, indem wir mit der Gemeinde Wien gemeinsame Lösungen erarbeiten und verwirklichen.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Die Gefahr unserer Branche ist im Detail zu finden. Wir gehen motiviert und mit starkem Willen unsere Problemstellungen an, um diese Aufgaben bestmöglich zu lösen. Die Psychiatriereform in Wien hatte vor 20 Jahren Vorbildcharakter, jetzt wird es jedoch Zeit, diese Reform zu hinterfragen. Ich glaube an den großen Bedarf der Einbindung der Psychiatriepatienten in die Planung der Projekte. In Wien gibt es noch keine installierte Interessensvertretung der Psychiatrieerfahrenen. Die Entwicklung begann mit einer Interessensvertretung von sich berufend fühlenden Profis. Der zweite Schritt, war der Einbringung der Angehörigen gewidmet und jede dieser Stufen war wichtig, um die jetzt zu installierende Intressensvertretung Betroffene für Betroffene Wirklichkeit werden zu lassen. Vor ein paar Monaten begannen die Betroffenen sich selbst zu organisieren. Es fehlt jedoch noch die repräsentative Person, welche im Namen aller, die Stimme erhebt. Diese Vertretung am Markt einzuführen, ist das Ziel der nächsten Jahre.