Zum Erfolg von Berthold Kren
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Als CEO habe ich den Eigentümern bzw. Investoren gegenüber eine Verpflichtung, die es gilt, zu erfüllen. Dies ist ein definierter Teil des Erfolges, oder Misserfolges. Für mich selbst sehe ich Erfolg auch darin, für meine Mitarbeiter ein Umfeld zu schaffen, indem wir die Erreichung der Ziele nachhaltig und langfristig sicherstellen können. So etwas im Team zu erreichen, bedeutet mir mehr als die Erreichung eines persönlichen Ziels.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Auf Grund meiner bisherigen Karriere sehe ich mich durchaus als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Im Laufe der Jahre habe ich mich von einem Experten zu einem Geschäftsführer eines Industrieunternehmens entwickelt. Meine fachlichen Kompetenzen waren auf diesem Weg sehr hilfreich und haben sich in verschiedenste Richtungen entwickelt. Meine Hauptaufgabe als CEO ist es, eine Struktur zu schaffen, mit der das Unternehmen sich organisatorisch und unternehmensspezifisch so entwickeln kann, dass unternehmerische Ziele auch erreicht werden können. Daraus ziehe ich meine persönliche Erfolgsdefinition. Die fachliche Kompetenz hilft mir nach wie vor, aber ein wesentlicher Erfolgsgarant ist vor allem, dass ich mich auf mein herausragendes Führungsteam verlassen kann.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Meiner Ansicht nach, zählt Originalität und damit meine ich Authentizität. Ich bin mir nicht sicher, ob man Imitation dauerhaft durchhalten kann. Natürlich musste ich im Laufe meines bisherigen Werdeganges bei manchen Aufgaben in eine Rolle schlüpfen, weil es eine gewisse Erwartungshaltung gab, aber ich versuche immer authentisch zu bleiben.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Es ist schwierig, im Alleingang den/die „richtigen Mitarbeiter*in“ mit den „passenden charakteristischen Eigenschaften“ zu finden. Ich berate mich diesbezüglich im Rahmen des Bewerbungsprozesses mit meinem Team und wir entscheiden gemeinsam.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Auch bei der Motivation und Führung der Mitarbeiter*innen zählt für mich Authentizität. Ich bin schon seit 2005 in diesem Konzern tätig. Wenn ich z.B. unser Produktionswerk besuche, kennen mich viele Mitarbeiter noch aus jungen Tagen. Auch hier gilt es authentisch zu bleiben und als CEO im Umgang mit Mitarbeitenden keine wesentlich anderen Verhaltensnormen an den Tag zu legen. Ich glaube es ist wesentlich, die Mitarbeitenden thematisch abzuholen, das vorzuleben, wofür ich brenne und die Begeisterung zu teilen, mit der ich meinen Job mache.
Wie verhalten Sie sich dem Mitbewerb gegenüber?
In meiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Österreichischen Zementverbandes stellte ich fest, dass unsere Industrie erkannt hat, dass wir uns in einem Veränderungsprozess befinden. Alle Marktteilnehmenden haben erkannt, dass wir im Sinne des Umweltschutzes etwas tun müssen und an umweltfreundlicheren Produkten arbeiten müssen. Als Marktführer haben wir natürlich auch hier eine gewisse Verantwortung, die wir unter Beweis stellen müssen. Als solcher werden wir aber, sowohl von den Marktteilnehmenden, als auch von unseren Kunden gesehen: Als verantwortungsvolle und innovative Produzenten.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Die Welt entwickelt sich weiter – und wir auch. Es gilt Städte grüner zu machen, eine intelligentere Infrastruktur aufzubauen und den Lebensstandard zu verbessern. Zudem arbeiten wir an der Dekarbonisierung unserer Werke und sind auf dem Weg ein „Net-Zero“-Unternehmen zu werden. Lafarge ist in Österreich mit der Lafarge Perlmooser GmbH und der Lafarge Zementwerke GmbH und der Lafarge Zementwerke repräsentiert. Während die Lafarge Perlmooser GmbH zu 100% zu Holcim zählt, ist die Lafarge Zementwerke GmbH ein Joint Venture mit dem Baustoffkonzern Strabag. In Österreich verfügt das Unternehmen über zwei Zementwerke in Mannersdorf und in Retznei/Steiermark mit einer jährlichen Produktionskapazität von rund 1,6 Millionen Tonnen Zement. Beton, Schotter und die mineralische Dämmung Airium wird von der Perlmooser Beton, österreichweit vertrieben. Die Perlmooser Beton GmbH ist ebenso ein Unternehmen von Holcim. Die Lafarge Perlmooser GmbH hält Anteile an der Perlmooser Beton, die in Ostösterreich mit acht Transportbetonwerken präsent ist. Auch die mineralische Dämmung Airium wird von der Perlmooser Beton österreichweit vertrieben. Wir beschäftigen uns sehr intensiv mit dem Thema der „Co2 – Emissionen“; schließlich gilt es neue Wege zu finden um Co2-freien Zement herzustellen. Innovation und Kompetenz sind sicher unsere größten Stärken.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Es ist nicht einfach, beide Bereiche zu vereinbaren. Wenn ich eine Führungsrolle übernehme, dann gilt es diese auch zu leben. Als CEO kann man nicht einfach das Mobiltelefon abschalten, wenn man das Büro verlässt. Die Mitarbeitenden wissen, dass sie mich jederzeit anrufen können, wenn sie es für nötig halten. Außerdem gilt es noch gesellschaftliche Verpflichtungen wahrzunehmen. Ich habe zehn Jahre mit meiner Familie im Ausland verbracht und das familiäre Umfeld und unser Privatleben war und ist für mich die kraftspendende Quelle, die durch nichts zu ersetzen ist. Ich versuche zurückzugeben, wo es möglich ist. Meine Familie nimmt teil, woran sie Lust und Laune hat.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Von der nächsten Generation erwarte ich nicht, dass er oder sie genau weiß, was sie möchten. Die nächste Generation an Mitarbeitenden sollte ihre Stärken und Schwächen kennen, die eigene Leistung einschätzen und ihre Interessen artikulieren können, sowie den Willen haben, sich zu verbessern. Eine abgeschlossene Ausbildung ist eine Eintrittskarte, aber die Befähigung muss erst einmal unter Beweis gestellt werden, bevor wir über Erwartungen diskutieren können. Leistung und Qualität setzt sich immer durch.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Unsere Vision ist es, die „grünsten“ Baustoffe herzustellen. Dies bedeutet, dass wir in Österreich die entsprechenden Klimaziele erreichen und wirtschaftlich nachhaltige Co2-neutrale Baustoffe herstellen müssen. Wenn wir diese Ziele erreichen, dann haben wir unsere Visionen realisiert.