Zur Karriere von Stefan Fellinger
Was war für Ihren Werdegang wesentlich? Meine Eltern wurden 1945 aus dem Sudetenland ausgewiesen und standen mit vier Kindern vor dem Nichts. Im Waldviertel besuchte ich Schulen und machte die Tischlerlehre. Da die Berufsaussichten trostlos waren, ging ich nach Wien, wo ich eine Unterkunft im Kolping - Haus fand. Dort war ich mit einer Clique umgeben, die eine Abendschule besuchte, und so machte ich auch die Meisterschule, die ich mit der Meisterprüfung abschloß. Bei der Firma, wo ich beschäftigt war, wurde die Stelle des Werkmeisters frei, die für mich begehrenswert war. Ich bekam sie aber nicht, weil der Chef sich für einen älteren Mitarbeiter entschied. Ich war 22 Jahre und sehr gekränkt, obwohl ich später verstand, daß ich an seiner Stelle die gleiche Entscheidung treffen würde. In dieser Situationen wählte ich die Selbständigkeit mit Dispence, weil es in Österreich in meinem Gewerbe erst ab dem vollendeten 24. Lebensjahr erlaubt ist selbständig zu sein.Benötigten Sie Fremdkapital? Ich sparte mit einem Bausparvertrag und für den Kredit bei der Bank ist mein Vater mir gut gestanden. Ich richtete eine Werkstatt in einem Hinterhof ein und arbeitete dort ein halbes Jahr mit Hilfe meiner damaligen Freundin, die ich dann heiratete. Sie arbeitete als Kindergärtnerin und kam nach Dienstschluß zu mir, um mir zu helfen, Platten zu zerlegen. Nach einem Jahr kaufte ich (wieder mit Fremdkapital) eine größere Werkstatt im 16. Bezirk. Ich war schon verheiratet (1963), wir hatten bereits drei Kinder und mieteten eine 34m Wohnung. Es war sehr mühsam zu fünft auf so geringem Wohnraum, aber wir hatten unser Ziel und das erleichterte vieles. 1967 kauften wir ein Haus in der Mollardgasse und bauten dieses zwei Jahre um (Werkstatt und Wohnung). In dieser Zeit war meine Frau sehr oft alleine mit den Kindern, was sicher nicht leicht war und ich möchte betonen, daß die Vorgangsweise, die ich hatte, nur durch das Mitwirken meiner Frau möglich war. Ohne meine Frau wäre mein Erfolg gar nicht möglich gewesen. 1975 beschäftigten wir bereits 25 Mitarbeiter in unserer Tischlerei und standen vor der Alternative, entweder unsere Werkstatt auf die grüne Wiese zu verlegen, weil wir so viel Lärm produzierten, oder den Schwerpunkt der Tätigkeit zu ändern. 1973 eröffneten wir ein Geschäft, es war uns bewußt daß wir uns von den Großanbietern unterscheiden mußten. Unser Konzept war ein Fachgeschäft mit Service und individueller Beratung, wobei wir Produkte für die gehobene Mittelschicht anboten. In der ersten Zeit investierten wir den Gewinn der Tischlerei in den Fachhandel, jetzt betrachte ich die Tischlerei als Hobby. So ändern sich die Zeiten. Wir beschäftigen derzeit 17 Mitarbeiter, davon arbeiten fünf in der Tischlerei.Was Besonderes bieten Sie an? Bei Wohnungssanierung zum Beispiel übernehmen wir die Koordination mit den Handwerkern und machen die Gesamteinrichtung (inklusive Beleuchtung und Vorhänge). Oft empfehlen wir den Kunden Urlaub zu machen, um dann in eine komplett eingerichtete Wohnung zurückzukommen. Seit 24 Jahren sind wir der stärkste Partner der deutschen Firma Interlübke - Möbel, eine der federführenden Firmen im modernen Design.Beschränkt sich Ihre Tätigkeit nur auf das Geschäft, oder haben Sie politische Funktionen? Ich bin Leiter der Gruppe Kolping in der Gumpendorfer Straße, wo ich zusammen mit meinen Freunden und Bekannten aus der Jugendzeit tätig bin.