Zum Erfolg von Barbara Oppelmayer
Welche Gründe waren für den Schritt in die Selbständigkeit ausschlaggebend? Ich bekam ein tolles Jobangebot in Paris, aber als heimatverbundener Familienmensch verspürte ich das Verlangen nach einem Kind - so kam ich ins Burgenland und zu meiner ersten Tochter. Nachdem ich mit dem Kind nicht mehr die Reisetätigkeit durchführen konnte, machte ich mich selbständig. Natürlich auch, weil es in Österreich diese Ausbildungsmöglichkeit noch nicht gab.Was ist für Sie Erfolg? Im Laufe der Jahre hat sich der Begriff für mich gewandelt. Erst sah ich Erfolg darin, daß mein Name bekannt, ich in den Medien präsent war und ich einen Betrieb in einer Sparte gegründet hatte, die es vorher noch nicht gab. Damals arbeitete ich rund um die Uhr, wurde müde und Erfolg war zehn Minuten ausspannen zu dürfen. Heute ist Erfolg absolut zu dem Gefühl geworden, daß rundherum alles in Ordnung ist und ich mich beim Sitzen wohlfühle.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Als Frau sehe ich mich - gesamt gesehen - rundum als erfolgreich, weil ich im Berufsleben erfolgreich tätig war, mich rechtzeitig darauf besonnen habe, Kinder zu haben und drei gesunde Kinder zur Welt bringen durfte - das ist für mich ein ganz großer Erfolg - und den Mann gefunden zu haben, der akzeptiert, daß ich Arbeit, Kinder und meine Selbständigkeit unter einen Hut bringe, ohne daß dabei etwas zu kurz kommt. Das war die schwierigste Aufgabe meines Lebens. Seit kurzem habe ich das alles auf die Reihe gebracht und die goldene Mitte gefunden.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Daß ich trotz aller Unkenrufe mit weniger als 30 Jahren und als Frau die Erste Österreichische Visagistenschule gründete und mich im Burgenland selbständig machte. Ich war von Anfang an vom Erfolg 100-prozentig überzeugt. Wenn ich gewußt hätte, was alles auf mich zukommt, hätte ich mich möglicherweise nicht getraut, doch meine Begeisterung war so groß, daß es zum Erfolg führte.
Wie sieht Sie Ihr Umfeld - als erfolgreich?
Ja, meine Familie, weil ich nie jemanden brauchte, um zu überleben und gut zu leben. Auch meine beiden Geschwister sind sehr erfolgreich - vielleicht weil wir von unseren ungarischen Vorfahren so eine einnehmende Art geerbt haben. Für meine Freunde bin ich erfolgreich, weil ich Beruf, Familie und Kinder unter einen Hut bringen konnte, die männlichen Freunde sehen, daß ich als Frau keinen Mann für Erfolg benötige.Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Ich kann mich sehr zurücknehmen, der Mensch steht bei mir im Vordergrund. Persönlichkeiten fühlen sich bei mir Inkognito wohl - ich gebe nicht mit Berühmtheiten an. Gut zu schminken ist wie ein Facelifting. Ich habe immer selbst gearbeitet, nie von Assistenten arbeiten lassen und Kurse in kleinen Gruppen selbst geleitet. Immer selbst anwesend zu sein und im kleinen Kreis zu arbeiten ist mein Erfolgsgeheimnis.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Man kann sich das ins Gesicht malen, was man möchte. Das habe ich bei meinem Ägyptologiestudium gelernt. Wenn man sich als Frau um einen harten Job bewirbt, darf man sich nicht mit Puppengesicht und Kußmund schminken, dann wird man den Job nicht bekommen. In unseren Breiten muß man auch immer jünger aussehen. Ich habe in meinem Maturafach -darstellende Geometrie - gelernt, mit optischer Täuschung umzugehen So kann ich jemanden um bis zu zehn Jahre jünger erscheinen lassen, ohne daß man es merkt. Dieses Wissen kann ich auch weitergeben. Darstellende Geometrie und Zeichnen kann man lernen, aber man braucht auch das Gefühl dafür - man kann jemanden nicht nur herrichten, sondern auch hinrichten. Die beste Werbung ist für mich Mundpropaganda.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Ja, ich wußte, ich mache etwas Unübliches, etwas, das noch nie da war (auch, um keine Konkurrenz scheuen zu müssen) und etwas mit Farben - was genau wußte ich aber nicht. Zuerst war Visagismus da, dann kam Farbanalytik dazu. Ich war konkurrenzlos und konnte auch zusehen, wie das Kind, das ich in die Welt gesetzt hatte, groß wurde. Nach mir gab es einige Visagistenschulen, die aber schnell wieder in Konkurs gingen. Materiell habe ich mir keine Gedanken gemacht, war aber nicht abgesichert. Für die Schule kaufte ich ein Haus und hoffte, daß ich es bezahlen können werde. Zuerst fuhr ich mit Guerlain noch zweigleisig. Ich gab monatlich zwei Kurse, die andere Hälfte arbeitete ich noch bei Guerlain - die haben mir sehr geholfen.Welche Rolle spielte der Standort im Burgenland? Die Menschen hier sind so offen, wie die Ebene. In Neusiedl begann ich, weil es mein Geburtsort ist und mich jeder mochte, auch wenn die Leute Visagistin lange nicht aussprechen konnten. Jeder - von 14 bis 80 - stand mir gern Modell und die Akzeptanz war immer da.Nach welchen Kriterien stellen Sie Mitarbeiter ein? Wenn ich das Gefühl habe, per Du zu sein, ohne daß das ausgenützt wird, ist das in Ordnung. Ich bin gut in Physiognomie und nonverbaler Kommunikation ausgebildet. Man sieht, wenn jemand ja sagt und nein meint, daher kann ich schon im Erstgespräch gut entscheiden. Meine Mitarbeiter sehen mich als Freund.
Kennen Sie Niederlagen?
Eine große Niederlage hatte ich mit zwei Boutiquen, die ich mit einer Freundin hatte. Das ging komplett daneben, aber meine Familie hat mir damals sehr geholfen. Ich habe damit nicht gehadert, bin ein neugieriger Mensch und habe gelernt, auf das Leben neugierig zu sein - zur rechten Zeit am rechten Platz zu sein und auch in einer Niederlage war nie mehr Verzweiflung als Neugierde. Dann habe ich die Zähne zusammengebissen und geschaut, wie es weitergeht.Wie bringen Sie Kinder und Beruf unter einen Hut? Heute kann ich mir meine Zeit einteilen, bei meinem ersten Kind war das noch nicht so, und meine Eltern waren dabei sehr hilfreich.Woher schöpfen Sie Ihre Kraft? Ich habe eine energiegeladene Großmutter und eine ebensolche Mutter; von ihnen habe ich viel geerbt. Auch habe ich eine tolle Partnerschaft.
Ihre Ziele?
Eher Gefühle, die ich nicht beeinflussen kann. Ich hoffe, daß es den Kindern gut geht, habe aber keine Existenzängste, weil ich in einen großen Bauernhof eingeheiratet habe. Betrieblich will ich mehr in die Einzelberatung gehen, arbeite schon in der Wiederherstellenden Chirurgie (Tätowierungen nach drastischen Eingriffen) und werde mich auf Bücherschreiben konzentrieren, weil ich viel zu sagen habe. Welche Rolle spielt Anerkennung? Anerkennung spielte eine viel zu große Rolle, deswegen mußte ich zwischendurch auch eine Niederlage einstecken, die sechs Jahre dauerte. Mittlerweile kann ich mich wieder selbst anerkennen.
Ihr Lebensmotto?
Neugierde.
Haben Sie Vorbilder?
Mahatma Ghandi, Dalai Lama, Mutter Teresa und viele Indianer.Welche Laufbahnen gab es von Ihren Kursabgängern? Ein Zuckerbäckerlehrling (der zu mir kam, weil er dachte, gut Torten verzieren zu können) kam nach meinem Kurs zu Esteé Lauder nach New York. Der zweite - ein Holländer, der mein Assistent bei Guerlain war und meinen gesamten Kurs absolvierte - ist heute im gesamten Ostmarkt für Yves Saint Laurent tätig. Viele machen den Job auch als Zweitberuf. Der Kurs besteht aus mehreren Seminaren, jedes Seminar dauert eine Woche und endet mit einem Zertifikat. Zwischen erstem und zweitem Kurs müssen einige Monate liegen, in der viel geübt werden muß. Nach Grund- und Aufbaukurs gibt es bei mir die unterschiedlichsten Seminare, z.B. für Bühne, Fotografie, Video oder die plastische Chirurgie. Ich bin auch in Deutschland mit ambulanten Kursen vertreten.