Zum Erfolg von Donato Squicciarini
Was ist für Sie Erfolg?
Daß sich jeder bemüht, die eigenen Talente für sich und die Gesellschaft, in der er lebt, zu entfalten. Der Mensch ist ein Wesen, das Türen und Fenster haben sollte - mit diesem Gedanken kann man verstehen, daß die beste Methode, um eigene Gedanken zu entwickeln, der Dialog ist. Dialog bietet die Möglichkeit alle Aspekte der Realität zu betrachten, zu prüfen und danach den besten Weg zu wählen. Die besten Kriterien für diese Wahl sind Wahrheit und Liebe.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, ich habe jede Situation für mich interessant gefunden, habe die Länder, in denen ich tätig war, ebenso wie die dort lebenden Menschen geliebt und fand auch Menschen, die meine Tätigkeit geschätzt haben. Für mich persönlich ging somit alles gut, und meine Tätigkeit war fruchtbar.
Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Dialogfähigkeit. Schon in der Familie habe ich den Dialog gelernt, da ich die Gnade hatte, daß unser Vater seine Kinder dazu ermutigte. Wichtig war auch meine Ausbildung - besonders in Rom - und meine Fähigkeit, in Gesprächen nicht nur die eigene Meinung einzubringen, sondern auch von anderen lernen zu können. Gespräche sind gegenseitige Bereicherung, damit kommt auch Freundschaft zu den Menschen. Freude und Erfolg sind für mich untrennbar miteinander verbunden.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Meine Gelassenheit, meine ruhige Art und die Fähigkeit zur sachlichen Prüfung einer Situation ohne Emotionen. Man muß - besonders als Diplomat - in den Wechselfällen des Lebens alles gelassen betrachten und prüfen. Man darf sich also von den Wellen der Ereignisse nicht verschlingen lassen, sondern muß versuchen, wie ein Schwimmer oben zu bleiben, über den Dingen stehen, und auf diese Weise mithelfen, weder zu dramatisieren noch zu bagatellisieren.
Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt?
Ich dachte mehr an einen Lehrstuhl, nicht an den diplomatischen Dienst, in den ich von anderen gewählt wurde. Ich hatte aber auch keine Bedenken, dieses Talent zu entfalten.
Kennen Sie Niederlagen?
Niederlagen kann man ständig haben - zum Teil hängen sie auch von anderen ab. Niederlagen muß man sportlich betrachten. Das Leben ist ein Auf und Ab, wenn man es sportlich sieht, nimmt man es leichter und bleibt dabei lebendig und rege.
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Aus den Talenten, die mir Gott gab, dem Gebet, dem Gespräch mit Gott und aus der heiligen Schrift, die viele Wege aufzeigt, wie man Schwierigkeiten meistern kann.
Ihre Ziele?
Was ich erreichen konnte, habe ich erreicht. Das ist eine Gnade, denn viele andere sind entmutigt, enttäuscht und sehen ihr Leben nicht als erfüllt. Gottseidank ging bei mir alles gut, und ich konnte Schwierigkeiten mit meiner Kraft überwinden.
Haben Sie Anerkennung erfahren?
Ja, von den Staaten, in denen ich tätig war, auf europäischer Ebene und vom Heiligen Stuhl (Ernennung zum Nuntius).
Ihr Lebensmotto?
Mein Wahlspruch anläßlich meiner Ernennung zum Erzbischof war: Wahrheit und Liebe - dieses Motto Veritas et Caritas ist auch in meinem Wappen enthalten.
Ihr Erfolgsrezept?
Spiegelt sich in meinem Buch Dialog in Wahrheit und Liebe wider, das mit einem Vorwort von Bischof Kapellari und dem ehemaligen Präsidenten des Bundesrates Prof. Schambeck nun schon in der zweiten Auflage erscheint.
Haben Sie Vorbilder?
Geprägt wurde ich von meinem Vater. Vorbilder sind für mich Kardinal Bafile (Nuntius in der BRD von 1960-75) wegen seiner Ruhe und Gelassenheit und Agostino Casaroli wegen seines Bemühens um die Ostpolitik des Heiligen Stuhles.
Anmerkung zum Erfolg?
Die Kriterien, um über Erfolg zu sprechen, sind bei einem Geistlichen natürlich mehr in Verbindung mit der Kirche zu sehen. Sie sind im Bezug auf Kirche und Staat sind wohl unterschiedlich, aber auch nicht gänzlich getrennt zu sehen. Die Gestaltung der Gesellschaft braucht nicht nur irdische, vergängliche Werte, sondern auch ethische, moralische und religiöse Werte. In jedem Menschen steckt Sehnsucht nach Religion. Dazu gibt die Geschichte viele Beispiele. Wo Staaten diese religiöse Sehnsucht nicht zuließen, gab es Unzufriedenheit und Unruhen - wie z.B. die Situation in Mittel- und Osteuropa zeigte.