Zum Erfolg von Mathias Van der Kemp
Was bedeutet für Sie persönlicher Erfolg? Meine eigene Zufriedenheit. Daß ich mit dem, was ich tue zufrieden bin. Egal, ob privat oder geschäftlich.Das ist nicht nur eine Frage des Geldes. In diesem Zusammenhang ist Geld für mich nebensächlich. Geld ist natürlich auch wichtig - ohne Geld geht es nicht. Aber Erfolg bedeutet für mich, die innere Zufriedenheit zu haben. Oder daß ich mir einige Sachen leisten kann. Ich gehe zum Beispiel gerne in die Oper oder unternehme etwas mit Freunden.
Was macht Ihren spezifischen Erfolg aus?
Meine Mitarbeiter und das gute Klima in unserem Haus. Das ist einfach meine Philosophie. Die Zusammenarbeit von Mitarbeitern und Chef. Sich nicht als hierarchischer Chef irgendwo zu bewegen, sondern mit zum Team zugehören und sich auch mal an die Rezeption oder in die Spülküche zu stellen, wenn jemand fehlt. Ich glaube, hierarchische Chefs sind einfach out. Heute ist der Chef gefragt, der auch gleichzeitig Mitarbeiter ist und sich zum Team dazugehörig fühlt. Leute, die mit dieser Großzügigkeit nicht umgehen können, gehören nicht in unser Team, sie passen nicht hinein. Wir sind ein sehr gutes Team und unsere Zusammenarbeit läuft auf familiärer Basis ab. Aber jeder kennt seine Grenzen. Jeder hat das Gefühl, hier zu Hause zu sein. Und das wirkt sich natürlich auch auf die Gäste aus. Auch die Gäste - wir haben sehr viele Stammgäste - haben das Gefühl, zu Hause zu sein. Was sicherlich auch zu meinem persönlichen Erfolg beigetragen hat, ist, daß ich eigentlich immer nach Gefühl entscheide. Ich mache mir meine Gedanken, habe meine Vorsätze, aber ich entscheide eigentlich immer erst in dem Moment, wenn die Situation da ist. Das hat mich noch nie in die Irre geleitet. Wenn ich auf meine innere Stimme höre, liege ich immer richtig. Früher habe ich oft gegen diese innere Stimme, gegen mein Gefühl gehandelt und bin dann auf die Nase gefallen. Natürlich mache ich mir auch meine Gedanken über Probleme, aber die Entscheidung treffe ich dann letztlich aus dem Gefühl heraus.Wie gehen Sie mit Niederlagen oder Rückschlägen um? Ich bin nicht nachtragend, kenne keinen Haß, und kann sehr gut loslassen. Das ist meine große Stärke. Wenn eine Sache für mich ein Mißerfolg war, dann ist es für mich passiert, es ist vorbei. Ich versuche, das Beste daraus zu machen und lasse einfach los und greife die nächste Sache an. Es gibt keinen Tagesablauf, der nur positiv ist. Ich versuche auf jeden Fall, mich davon nicht nach unten ziehen zu lassen.Welche Rolle spielt die Familie für den Erfolg? Mein Hotel ist meine Familie. Mein soziales Umfeld, meine Freunde sind wichtig. Ich komme aus einer ganz tollen Familie. Die Atmosphäre, die bei uns zu Hause herrschte war einfach phantastisch. Ich habe mich geborgen gefühlt und es wurde mir sehr viel mitgegeben. Meine Eltern waren mir immer Vorbilder für mich. Das Umfeld finde ich sehr wichtig, die Harmonie, die sich daraus ergeben kann.Sollte im Umfeld etwas negatives passieren, wird sich das immer auf das Geschäft übertragen. Es wird die Motivation beeinflussen und man bringt nicht so viel Leistung, wie sonst.
Woraus schöpfen Sie Kraft?
Bei mir ist das hauptsächlich die Musik. Musik ist ganz wichtig für mich. Ich liebe Wagner, mag aber genauso gerne Techno oder House-Musik. Ich liebe jede Art von Musik, außer Volksmusik. Ich gehe ins Museum, ich reise gerne, beschäftige mich mit kulturellen Dingen. Auch meine Freunde geben mir Kraft. Ich habe sehr viele Freunde im Ausland, mit denen ich regelmäßig korrespondiere. Eine gute Freundin von mir ist Jüdin und lebt in New York, wird nächstes Jahr 90 Jahre alt. Wir haben uns über Richard Wagner kennengelernt - sie ist ein großer Opernfan. Wir schreiben uns regelmäßig und ich habe sie inzwischen auch schon einige Male in New York besucht. Sie sagt immer, daß ich der Sohn bin, den sie nie gehabt hat. Aber ich habe auch einen sehr guten Kontakt zu meiner Familie. Ich telefoniere zum Beispiel jeden Abend mit meinem Vater. Das ist mir einfach wichtig. Meine Eltern haben früher viel für mich getan und heute ist es meine Verantwortung, auch für sie dazusein. Und wenn ich ihm nur fünf Minuten meiner Zeit schenke.Was ist Ihre Zielsetzung? Ich möchte sukzessive weitere Hotelräume nach unserem besonderen innenarchitektonischen Konzept renovieren lassen. Wir wollen versuchen, die Atmosphäre der Freundlichkeit, die in unserem Hotel herrscht, über die Ausgestaltung der Zimmer umzusetzen. Außerdem suche ich nach einer neuen Aufgabe. Jetzt, nach dem dieses Hotel hier gut läuft, suche ich eigentlich das nächste Hotel. Ich möchte noch ein zweites oder auch ein drittes Hotel dazunehmen. Das darf natürlich nicht irgendetwas sein, sondern es muß auch dem Stil dieses Hauses entsprechen. Es muß zu mir passen. Es soll in München sein und muß einen guten Namen haben. Außerdem helfe ich jungen Menschen, die aus problematischen Verhältnissen kommen, ihren Weg zu finden.Haben Sie einen Ratschlag für den Erfolg? Man muß an sich selbst glauben. Das ist das allerwichtigste. Wenn ich nicht an mich selbst glaube, kann ich niemanden überzeugen. Ganz egal, welchen Weg ich gehe, welchen Beruf ich ausübe. Wenn ich nicht an mich selbst glaube, kann ich doch keine Kinder großziehen. Ich bin zum Beispiel total behütet aufgewachsen. Es hat Spaß gemacht, in meiner Familie groß zu werden. Bei uns war immer alles offen, es wurde immer über alle Probleme gesprochen. Das ging besonders von meinem Vater aus. Um Erfolg zu haben, muß man an sich selbst glauben und seine Chancen wahrnehmen. Man braucht Mut und Risikobereitschaft. Und man muß seinen eigenen Weg gehen. Ich denke, der Weg ist das Ziel.