Zum Erfolg von Dieter Schmutzer
Was verstehen Sie unter Erfolg? Innerer Erfolg ist, wenn ich etwas mache, von dem ich den Eindruck habe, etwas zu leisten, etwas zu bewegen, das mir und/oder anderen gut tut, etwas, das mich glücklicher und zufriedener macht. Diese Art von Erfolg ist schwer zu messen. Der meßbare, von außen bestimmte und nach außen sichtbare Erfolg zeigt sich in Publizität, öffentlicher Präsenz, Geld oder Orden.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Doch, in meiner Branche genieße ich als Experte einen ganz guten Ruf. Das sehe ich als persönlichen und als beruflichen Erfolg. Und ich gestehe, daß es mir durchaus schmeichelt, öffentlich präsent zu sein. Um nach außen erfolgreich zu sein, muß man vermutlich ein wenig eitel sein und einen Hang zur Selbstdarstellung haben.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Eine wesentliche Entscheidung war, von der Urania zugunsten der (von nicht langfristig planbaren Subventionen unabhängigen) AIDS-Hilfe wegzugehen. Dazu mußte ich bereit sein, relative Sicherheit aufzugeben, mich auf Abenteuer einzulassen und mich in dieser Richtung zu exponieren. Eine weitere wesentliche Entscheidung war dann, mich selbständig zu machen.
Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt?
Nun, ich bin nicht wirklich ehrgeizig und langfristiges Karrieredenken war und ist mir fremd. Andererseits bin ich exhibitionistisch genug, mich auch an exponierten Stellen zu positionieren, in die Auslage zu stellen. Erfolg hat für mich viel mit Lebensqualität zu tun, das heißt: wieweit kann man sein Leben selbst bestimmen. Das habe ich sehr wohl angestrebt und betrachte mich insofern als erfolgreich, als ich weitgehend jene Dinge tun kann, die ich auch machen will. Müßte ich mehr tun, um nach außen erfolgreich zu sein, ginge das sicher auf Kosten meiner Lebensqualität und meiner Zufriedenheit.
Was ist für Ihren Erfolg ausschlaggebend?
Neugierde im Sinn von Wißbegierde. Ich halte mich auch für offen und umgänglich und nicht allzu neurotisch. Offensichtlich besitze ich die Gabe, auch schwierige Dinge in einer etwas lockereren Form zu vermitteln. In meiner Arbeit nehme ich zwar die Menschen und ihre Probleme sehr ernst, dennoch meine ich, es muß nicht immer „bierernst“ zugehen - auch wenn's mich selber betrifft. Förderlich ist sicher Gelassenheit: mit etwas Distanz - auch zu sich selbst - ist man entspannter. Das mußte ich mir aber auch erst erarbeiten.
Was ist für den Erfolg hinderlich? Zuviel selbst auferlegter Streß und zu hoher Erfolgsdruck, alle Erwartungen erfüllen wollen, mit Verbissenheit etwas erreichen wollen. Erfolg sollte man nicht um jeden Preis anstreben, oft ist es besser, sich mit dem Mittelmaß zu begnügen. Wenn ich mir die Latte zu hoch lege oder zu weite bzw. falsche Ziele stecke, ist das Scheitern vorprogrammiert. Hinderlich ist sicher auch, die eigenen Talente - und jeder hat Talente - nicht zu erkennen und zu fördern und dadurch Ressourcen brachliegen zu lassen.
Wie wichtig ist Familie? Gute soziale Kontakte und Vernetzungen empfinde ich als ganz wesentlich für meine Ausgeglichenheit, und die ist ein wichtiger Parameter für meinen Erfolg.
Welche Rolle spielen Kollegen? Sich mit anderen austauschen und sich auf sie verlassen zu können, ist Teil des Erfolgs. Ich arbeite zwar gern allein, aber doch auch viel mit KollegInnen zusammen; dazu darf man jedoch weder krankhaft ehrgeizig noch besonders eifersüchtig sein - man muß Erfolg auch teilen können. Ein respektvoller Umgang miteinander ist für jede Zusammenarbeit sinnvoll und hilfreich.
Was bedeutet für Sie eine Niederlage? Da ich selten kämpfe, erlebe ich auch kaum Niederlagen. Es gibt aber natürlich immer wieder Enttäuschungen. Wirklich frustriert war ich zum Beispiel in der Zeit meiner Arbeitslosigkeit, als ich mir immer wieder anhören mußte, wie überqualifiziert ich wäre - und dutzende Jobs nicht bekam; da beginnen schon Selbstzweifel zu nagen. Andererseits ist mein Selbstwertgefühl doch ziemlich gut entwickelt. Solche Verletzungen - und natürlich war ich verletzt - oder kurzfristige Niederlagen stellen meinen Wert an sich nicht in Frage. Selbstverständlich kann man auch einmal vor Wut oder Enttäuschung heulen, solche Gefühle gehören ausgedrückt. Von dem Satz: Nur die Harten kommen durch, halte ich nämlich gar nichts - gerade die Harten zerbrechen, oder sie sind sehr einsam.
Ihre Ziele?
Flexibel bleiben, um auf neue Herausforderungen reagieren und meine (kalkulierbare) Risikofreude bewahren zu können. Neben genügend Arbeit will ich immer noch Zeit für mich selbst und meine Umgebung haben.
Ihr Lebensmotto?
Ein Sprichwort: Was du nicht willst, das man dir tue, das füg auch keinem andern zu - das heißt, respektvollen Umgang mit anderen, aber auch mit sich selbst, üben. Nicht immer alles allzu ernst betrachten.
Haben Sie Vorbilder?
Nein, aber es gibt eine Reihe von - sehr unterschiedlichen - Menschen, die ich in besonderem Maße schätze und respektiere, z.B. Bruno Kreisky, wegen seiner Weitsicht und seiner Visionen; Kardinal König, der für mich das Ideal von Gelassenheit verkörpert; Johanna Dohnal wegen ihrer emanzipatorischen Ziele und ihrer kämpferischen Qualitäten; Heide Schmidt, weil sie Gesinnung und Haltung bewahrt, selbst, wenn es gerade nicht populär ist; Menschen, die gegen Rassismus und Faschismus auftreten.
Anmerkungen zum Erfolg? Das Glücksgefühl, das sich z.B. einstellt, wenn ein geistig behinderter Klient nach vielen Stunden Beratung und Training einen (objektiv vielleicht) kleinen Fortschritt macht und sich darüber unbändig freut. Das ist wahrer Erfolg.