Zum Erfolg von Friedrich Wieninger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Anerkennung meiner Leistung.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, betrachte ich den Mitbewerb, sehe ich mich auf der Butterseite. Meine Neider meinen, ich hätte entweder nur Glück oder würde Journalisten bestechen. Aber wer keine Neider hat, ist auch nicht erfolgreich.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Meine Stärke ist der Auftritt nach außen und gegenüber den Mitarbeitern. Ich kann jeden begeistern und motivieren. Zu jedem Wein erzähle ich auch dessen Geschichte mit ehrlicher Überzeugung und kann fast bildlich erklären, wie ich etwas mache und warum der Wein dann so schmeckt. Da ich meinen Traumberuf ergriffen habe und jeden Wein von seinem ersten Tag an bis zur Flaschenabfüllung persönlich betreue, kann ich auch mit Begeisterung darüber sprechen. Von Anfang an legte ich Wert darauf, meinen Wein nur auf die besten Tischen zu stellen, denn ich wollte nie Massenware bieten. Dieses Image macht sich bezahlt. Einen Wieninger-Wein zu bekommen ist etwas besonderes. Vor Weinkritikern wie Robert Parker jr. darf man sich auch nicht fürchten, man muß mit ihnen aber auch behutsam umgehen. Ich teste wochenlang den Verschnitt, die Temperatur, etc., ehe ich mit dem Ergebnis restlos zufrieden bin, dann kann ich auch beruhigt Stimmung für das Resultat machen. Auch nach dem Verkauf kümmere ich mich noch um meinen Wein (ständige Präsentationen für Restaurants und Journalisten auf der ganzen Welt), solange bis alle restlos von meinem Produkt überzeugt, zufrieden und glücklich sind. Wesentlich ist aber, daß man bei aller Selbstüberzeugung nicht unkritisch ist.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Als positiver Mensch kann ich Niederlagen gut einstecken, nehme sie aber durchaus persönlich. Unter Mißerfolg verstehe ich, wenn man sich maximal für etwas einsetzt, das Ergebnis aber trotzdem nur durchschnittlich wird. Meinen Beruf betrachte ich technisch wie ein Schachspieler, der auch zehn Züge vorausdenken und rechtzeitig Gegenmaßnahmen einleiten muß.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Den steinigen Weg zu den Spitzenweinen zu gehen war sicher richtig. 1989 rüstete ich den Kellerbau mit den modernsten Maschinen aus, um bessere Qualität zu erwirtschaften. Dazu kamen auch einige Glücksfälle, als ich beispielsweise erfuhr, daß ein vier Hektar großes Grundstück am Bisamberg zu verkaufen war, das ich dann erwerben konnte.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? In erster Linie mein Vater. Sein gesunder Hausverstand und die Art, wie er komplizierte Dinge einfach erklären konnte, prägten mich auch beruflich. In die hohe Schule des großen Weines führten mich Herr Waber, ein deutscher Importeur, und Herr Künzli, ein Schweizer Importeur, ein. Sie beeinflußten mich wesentlich.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich erfahre laufend Anerkennung durch gute Plätze und Verkostungssiege meiner Weine, aber auch durch die Medien.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Zwiespältig. Während mich die einen als wichtig und erfolgreich betrachten, verstehen andere überhaupt nicht, was ich mache. In Wien herrscht die Auffassung, daß man als Winzer nur dann erfolgreich sein kann, wenn man auch eine Heurigenschank hat. Ich bin das lebende Beispiel, daß es auch anders geht. Weingut und Heuriger sind bei uns wirtschaftlich völlig getrennte Einheiten. Man merkt, daß ich ständig in den Medien erwähnt werde. Für den Marktauftritt ist die Öffentlichkeitsarbeit eine ganz wichtige Sache.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie sind meine verlängerten Arme.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich mache bei allen Arbeiten mit, und meine Leute wissen, daß ich alles kann. Mitarbeiter dürfen nicht das Gefühl haben, entmündigt zu sein. Ich lasse sie daher eigenverantwortlich und selbständig arbeiten.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Die Trennung von Beruf und Privatleben fällt mir schwer. Ich kann nur gut sein, wenn ich das mache, was ich will, und ein rundes und zufriedenes Leben führe.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Der größte Fehler in meiner Branche ist, zu sehr von dem, was man macht, überzeugt und zu wenig kritisch zu sein. Am Beginn muß die Überlegung stehen, was kann ich und was will ich. Um das herauszufinden, muß man die Weine der ganzen Welt, vom Tetrapack bis zum Qualitätswein, kennen. Dadurch wird man automatisch selbstkritisch.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein erstes Ziel, das Weingut zu einer rationellen Größe aufzubauen, habe ich erreicht. Die weiteren Ziele sind nicht so klar definiert. Ich bin vorsichtig und will nicht zu groß werden, damit mir die Arbeit nicht über den Kopf wächst. Nachdem ich keine 20 mehr bin, will ich das Leben auch genießen. Meinem Wein möchte ich auf der Welt einen Stellenwert geben, ich genieße es, mit Robert Parker essen zu gehen, zu einer Verkostung nach Amerika zu fahren, international mitzumischen und im oberen Kreis anerkannt zu werden. Es ist nun ein guter Zeitpunkt, um an der Internationalität zu arbeiten, denn österreichische Weine haben in den USA derzeit einen extrem hohen Stellenwert.
Ihr Lebensmotto?
Das Leben ist schön. Ich bin ein Genußmensch (das ist in meinem Beruf auch nötig), mich freut guter Wein, schlechte Weine und schlechtes Essen ärgern mich.