Zum Erfolg von Rudolf Ertler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Eigene Ideen umzusetzen, Ziele zu erreichen und dafür auch Anerkennung zu erhalten. Erfolg beschränkt sich aber nicht nur auf den Beruf, sondern bezieht das Privatleben, die Familie und Freunde mit ein. Diese soziale Komponente, wie man sich als Mensch der Gesellschaft präsentiert, gehört ebenfalls zum Erfolg. Stellt man den beruflichen Erfolg über alles andere, kann er auch zu einer großen Belastung im familiären Bereich werden. Ich bin seit fast 40 Jahren mit meiner Frau Waltraude glücklich verheiratet, sie hat mich immer unterstützt und mir viel abgenommen. Sie gab mir die Chance vorne zu stehen, außerdem achtete sie auf das soziale Netz, die Pflege der Freundschaften. Traude stellt einen ruhenden Pol dar und personifiziert einen wesentlichen Teil meines Erfolges.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich glaube schon, daß ich relativ erfolgreich bin, auch wenn es sicher erfolgreichere Menschen als mich gibt. Ein wesentlicher Punkt ist, daß man niemanden um seinen Erfolg beneidet. Der Neid ist kein Antrieb, sondern eher hinderlich. Jeder hat für seinen Erfolg auch die entsprechenden Schattenseiten zu tragen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Das Streben nach Inhalten und nicht nach finanziellem Profit sowie die Liebe zur Tätigkeit. Wer dem Erfolg nur des Geldes wegen nachläuft, wird über kurz oder lang scheitern. Auch den Glücksfaktor darf man nicht verleugnen, manchmal muß man einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort die richtigen Menschen und die richtigen Entscheidungen treffen. Es war seit früher Jugend mein Ziel, eines Tages finanziell unabhängig zu sein. Das war auch der Grund, warum ich selbständig sein wollte. Als Angestellter kann man seine Ideen nur beschränkt verwirklichen und hat zusätzlichen Streß, wenn man mit der Meinung seiner Vorgesetzten nicht konform geht. Um in der Immobilienbranche erfolgreich zu sein, sind ein guter Ruf und die Weiterempfehlung durch Kunden extrem wichtig.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Nein, ich hatte nur meinen unbändigen Willen, frei und selbständig zu sein.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich suchte immer selbständige Mitarbeiter, die sich in meiner Firma wie freie Unternehmer fühlen und so handeln - bei gleichzeitig vollem sozialen Schutz als Arbeitnehmer.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Durch meine Söhne lernte ich modernes Management kennen, was ich heute als Experiment betrachte. Durch Erfahrung bin ich darauf gekommen, daß eine Mischung aus autoritärem und demokratischem Stil das Beste ist. So gewinnen die Mitarbeiter an Spielraum und werden sich ihrer Verantwortung bewußt. Im Maklerberuf ist natürlich die Verdienstmöglichkeit durch die Provisionen ein hoher Motivationsfaktor. Außerdem gab ich Anerkennung immer auch an die Mitarbeiter weiter.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Früher arbeitete ich mindestens 60 Wochenstunden, heute komme ich mit 35 bis 40 aus. Mehr will ich auch nicht mehr arbeiten. Inzwischen ist die Balance zwischen Beruf und Privatleben recht ausgeglichen, und ich frage mich, wie ich das früher alles geschafft habe.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Erfolgreich kann nur sein, wer an sich selbst glaubt und bereit ist, ohne Netz zu arbeiten. Erfolgreich ist, wer besser ist als 50 Prozent der Menschen. Man darf nicht immer das soziale Netz unseres Landes vor Augen haben, sondern muß eine Idee und ein Ziel haben, das man konsequent verfolgt. Auch durch Rückschläge darf man sich nicht entmutigen lassen - nicht nachtrauern und jammern, sondern sich sofort das nächste Ziel setzen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Hat man das entsprechende Alter erreicht, gibt es einen riesigen Unterschied zwischen arbeiten müssen und arbeiten dürfen. Ich arbeite nach wie vor gerne und mit großer Freude. Aber wenn ich einmal keine Lust habe, fliege ich für vier Wochen nach Südafrika auf Urlaub.
Ihr Lebensmotto?
Man soll andere nicht für dümmer halten, als man selbst ist. Sonst lautet mein Credo: Leben und leben lassen!