Zur Karriere von Brigitte Löw-Radeschnig
Wie war Ihr Werdegang?
Meine Kindheit verbrachte ich in Bayern und die Schul- und Jugendzeit in Salzburg. Schon in der Jugend beschäftigte ich mich mit Politik und die große Anti- Nixon- Demonstration in Salzburg war ein einschneidendes Erlebnis. Ich wollte völlig unabhängig sein, auch von den Zwängen des Elternhauses, was dazu führte, daß ich mit 16 Jahren auszog. Die persönliche Unabhängigkeit war aber auch mit der finanziellen gekoppelt, sodaß ich mir ab diesem Zeitpunkt meinen Lebensunterhalt selbst verdiente. Ich jobbte in den verschiedensten Branchen als Serviererin, Stubenmädchen, Kindermädchen und am Wochenende als Arbeiterin bei der Vertriebsfirma Morawa, während ich gleichzeitig das wirtschaftskundliche Bundesrealgymnasium besuchte. Diese Zeit war sehr hart, doch bei meiner Matura im Jahre 1975 konnte ich dadurch schon auf erste Erfahrungen im rauhen Arbeitsalltag zurückblicken. Um nach der Matura Jus studieren zu können, mußte ich noch im Rahmen einer zusätzlichen Externistenmatura das große Latinum am akademischen Gymnasium ablegen. Ich hatte das Ziel, Rechtsanwältin zu werden. Während der fünfjährigen Studienzeit an der Universität Salzburg war ich eine engagierte und erfolgreiche Studentenpolitikerin und aus heutiger Sicht weiß ich, daß ich für meine Managementaufgaben in dieser Zeit sehr viel gelernt habe: strategisches Denken und Handeln, öffentliches Auftreten, die eigene Person und politische Vorstellungen zu präsentieren etc. Während des Studiums bekam ich eine Studienassistentenstelle am Institut für Rechtssoziologie, an dem ich auch nach meiner Promotion 1981 als Vertragsassistentin weiterarbeitete. Fünf Semester lang lehrte ich an der Universität Salzburg Rechtssoziologie, und die Arbeit mit den Studenten machte mir sehr viel Spaß. Ich absolvierte das Gerichtsjahr noch in Salzburg und startete den ersten Versuch, Rechtsanwältin zu werden, was aber auf Grund eines Angebots einer großen Wiener Spedition von mir nicht weiter verfolgt wurde. Mein Mann, den ich im 15. Lebensjahr kennengelernt hatte, zog mit mir nach Wien, um dort die Anwaltslaufbahn einzuschlagen. In der Spedition war ich zuerst für Rechtsangelegenheiten zuständig, und nachdem die Stelle des Personalchefs frei wurde, wurde mir auch diese übertragen, sodaß ich mit der Rechts- und Personalabteilug die Verantwortung für 220 Mitarbeiter übernahm. 1986 bekam ich unsere Tochter Sara und auch während der Karenzzeit betreute ich meine Abteilung. Anfang 1990 kündigte ich, da die Routine überwog, und ich eine neue Herausforderung suchte. Auch mein zweiter Anlauf die Rechtsanwaltskarriere einzuschlagen wurde durch meine Beratertätigkeit für den damaligen Globus Verlag aufgeschoben. Auf Grund von gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen schlitterte der Verlag in wirtschaftliche Probleme. Ich erstellte ein Sanierungskonzept durch eine Neustrukturierung der Unternehmensbereiche. Nach der Präsentation dieses Konzeptes wurde ich ersucht, dieses umzusetzen. Ich nahm diese Herausforderung an und gründete die WB- Beteiligungsgesellschaft und in der Folge diverse Tochterunternehmen, da die Geschäftsbereiche vielfältiger wurden. Meine Geschäftsführertätigkeit erstreckte sich vom Bereich Buchhandlungen, in die Verwertung und Verwaltung von Immobilien bis zur Herausgabe von Lokalzeitungen, die in Niederösterreich-Süd auf Grund ihrer Stärke nunmehr Marktführer sind.Nach drei Jahren harter Sanierungsarbeit, konnten sich die Unternehmen am Markt erfolgreich behaupten und positiv bilanzieren. Für die niederösterreichen Lokalzeitungen konnte Ende 2000 ein neuer Eigentümer gefunden werden, der mit dem Zukauf dieses wichtigen Marktanteiles seine Gesamtposition am österreichischen Medienmarkt weiter stärken wird.