Zum Erfolg von Rudolf Endlicher
Was ist für Sie Erfolg? Wenn ich mittels eines ehrlichen, gut kalkulierten Produktes und mit fairer Teamführung ein Produkt so placieren kann, daß es am Markt bestehen kann. Der zweite Aspekt ist jener, daß die Zusammenarbeit nicht nur mit dem Gast und dem Personal, auch mit den Lieferanten stimmt, davon läßt sich letztlich der Erfolg (auch im Finanziellen) ableiten.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, ohne Einschränkungen, da ich das voran Genannte in großen Bereichen erreichen konnte.Wie sieht Sie Ihr Umfeld – als erfolgreich? Das läßt sich nicht generell sagen, da es auf die dem Erfolg zugewiesenen Attribute ankommt.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
In meiner Kariere gab es einige wesentliche Entscheidungen, von denen die erste die Berufswahl war. Dabei war ich insofern familiär geprägt, als meine Eltern zwei Gastronomiebetriebe hatten. Eine kluge Entscheidung war es zu einem Wirtschaftstreuhänder zu gehen, weil ich dort alle wirtschaftlichen Aspekte von der Lohnverrechnung, Buchhaltung, Bilanz bis zur Steuererklärung lernte. Obwohl ich damals mit wenig auskommen mußte, hilft mir das heute sehr weiter. Die Rückkehr in die Gastronomie zu Wagon Lit war wieder mit finanziellen Einbußen verbunden, und die Entscheidung von Accor wegzugehen, da ich dort kein Weiterkommen sah war sicher die bisher wichtigste Entscheidung. Meine Erfahrung bei der Einführung des Radisson Airport Centers Salzburg und dessen Einbindung in die Verkehrsbüro-Struktur war eine ebenso wertvolle Erfahrung wie die Leitung des Hotel Favorita, das in einem anonymen Test trotz Nächtigungs-Einbrüche wegen des Kosovo-Krieges, zum besten Hotel gekürt wurde.Wann und wie erkannten Sie Ihre Fähigkeiten? Meine Stärken erkannte ich sukzessive aus der Arbeit heraus. Obwohl ich mein Leben als Spaß betrachte, nehme ich Verantwortung ernst.Was war für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Ich bin selbstkritisch, teamorientiert und kommunikativ. Da ich der Meinung bin, daß Kommunikation sehr wichtig ist, bin ich in diesem Bereich vielleicht sogar zu stark. Meine Mitarbeiter spüren, daß ich einer von ihnen bin, und ich bringe aus allen Bereichen der Hotellerie das nötige Fachwissen mit. Meinen Mitarbeitern ermögliche ich auch eigene Karrieren, da ich unter Erfolg auch verstehe, daß diese lernen, sich eigenes Fachwissen aneignen und weiterkommen können.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld für Ihren Erfolg? Das private Umfeld muß stimmen und Vorrang haben, da man aus dem Familienleben die Kraft schöpft. Mir ist das Private mindestens ebenso wichtig wie meine Einstellung dem Beruf gegenüber.Und die Mitarbeiter? Das Klima des Umfeldes ist entscheidend, in einem feindlichen Umfeld kann man keine Höchstleistungen erbringen.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Primär sollten die Bewerbungsunterlagen ein schlüssiges Berufsbild aufzeigen, wesentlich ist aber die menschliche Komponente und der Bewerber muß gefühlsmäßig ins Team passen, und von den einzelnen Abteilungsleitern akzeptiert werden. Um Wellness zu erzielen ist die Gefühlskomponente sehr wichtig, das Fachliche kann man jemandem, der unsere Philosophie versteht, leichter lernen.Und wie motivieren Sie diese? Durch Präsentation der Vorgaben, Einbinden der Mitarbeiter in die wirtschaftlichen Ziele und Feedback. Darüber hinaus haben wir ein eigenes Prämiensystem für Verkäufe und führen punktuell gemeinsame Aktionen, auch mit den Familien der Mitarbeiter, durch.Was bedeuten für Sie Niederlagen? Während meiner Zeit als Direktor des Hotel Favorita erlebte ich starke Einbrüche wegen des Kosovo-Krieges. Nun bin ich zwar nicht für den Krieg verantwortlich, wohl aber für die wirtschaftlichen Ziele des Hotels, also war es an mir, gegenzusteuern. In meinem Grundwesen bin ich Optimist und versuche stets durch sofortiges reagieren die beste Perspektive nach vorne zu finden.Woraus schöpfen Sie Kraft? Aus meiner Familie, Freizeit, Ehrlichkeit und einem hohen Verantwortungsgefühl, wobei ich trotzdem Spaß an der Arbeit habe.
Ihre Ziele?
Das Nahziel für die nächsten beiden Jahre ist es, das Hotel zu einem Nummer Eins Haus im Businessbereich zu etablieren. Mein nächstes Ziel, das bis zu meinem 45. Lebensjahr zu erreichen ist, ist es gleichzeitig zwei Häuser zu leiten (ein weiteres Hotel ist bereits geplant.). Ein Ziel, das ich jedoch nicht ganz ernsthaft anstrebe, da meine Bindung an Wien zu stark ist, wäre es, ein Hotel in San Francisco zu leiten.Bekommen Sie ausreichend Anerkennung? Ja, durch die Ergebnisse und den zahlenmäßigen Vergleich innerhalb der Gruppe. In meiner Position bekommt man außer durch die finanzielle Abgeltung kaum noch Anerkennung, wenn man sie sich nicht selbst gibt.
Ihr Lebensmotto?
Lockerheit, aber Ernsthaftigkeit und Ehrlichkeit.
Haben Sie Vorbilder?
Nicht direkt. Ich bewundere manche Menschen (z.B. Robin Williams, wobei das an den Rollen liegt, die er spielt), Vorbilder bergen aber die Gefahr in sich, daß man manipulierbar wird.
Anmerkung zum Erfolg?
Erfolg ist etwas sehr subjektives und geht weit über den Beruf hinaus. Je nach der aktuellen Lebensphase kann Erfolg im Beruf, im Privatleben, der Gesellschaft, im Sozialen, Kulturellen oder in der Anerkennung gesehen werden.