Zum Erfolg von Haide Tenner
Was ist für Sie Erfolg?
Wenn jemand das erreicht, was er erreichen will. Dabei ist das je nach der eigenen Definition unterschiedlich. Für einen Schneider kann es der Auftrag für einen Maßanzug sein, für jemand anderen der Aufbau einer Supermarktkette.
Sehen Sie sich selbst als erfolgreich?
Ja, weil ich den schönsten Beruf ausübe, den ich haben kann.Wie sieht Sie Ihr Umfeld – als erfolgreich? Ja; Mitarbeiter sehen mich zwangsläufig so, da ich die Chefin bin. Erfolg ist nicht immer dazu angetan „everybodys darling“ zu sein. Eine führende Position innezuhaben ist nicht immer angenehm, weil man die Führung auch ausüben muß, das ist der Nachteil des Erfolges. Der Vorteil ist, daß man Dinge realisieren kann. Ich denke, daß diesen Punkt Frauen und Männer unterschiedlich sehen. Mein Erfolg vor 15 Jahren war die Sendereihe „Nahaufnahme“.
Wobei haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich habe nie Erfolg oder Karriere angestrebt, sondern Qualität.Welche Tätigkeit haben Sie angestrebt? Ich wollte schon zu Studienbeginn das werden, was ich heute bin, ohne diese Position zu kennen. Ich hatte eine vage Vorstellung Kultur - Programm im Fernsehen zu machen.Was war für Ihren Erfolg ausschlaggebend? Ein Mix aus gründlicher und vielseitiger Ausbildung und die Kombination von Theorie und Praxis in der Ausbildung. Meine Karriere war von der Pike auf und langsam, letztlich kam ein Angebot zu dem man nicht nein sagt.Warum wurden Sie für diese Position ausgewählt? Ich kannte das Medium TV und hatte eine fachliche Ausbildung. 1984 wurde ich von Gerd Bacher in die erste Reihe des Unternehmens geholt und zur ersten weiblichen Hauptabteilungsleiterin ernannt.Was ist für Erfolg hinderlich? Mangelnde oder falsche Ausbildung, unkommunikativ zu sein, da man ja mit anderen Menschen zusammenarbeiten muß um Karriere zu machen, und fehlendes Selbstvertrauen. Unsicherheit überträgt sich auf Mitarbeiter und Vorgesetzte.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld für Ihren Erfolg? Meine Familie (Vater Dirigent, Mutter Sängerin) hat mein ganzes Leben geprägt, das Interesse an Kultur wurde mir sozusagen schon in die Wiege gelegt. Menschen, die heute mein berufliches Umfeld sind, zählten schon früh zu meinem Bekanntenkreis, so wuchsen meine privaten und beruflichen Interessen bald zusammen.Und die Mitarbeiter? Netzwerke schafft man sich selbst. Wenn man schlechte Mitarbeiter hat, oder sie falsch einsetzt sind, ist man ein schlechter Chef.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Nach fachlicher Kompetenz und persönlichen Fähigkeiten. Meine Mitarbeiter müssen eine ähnliche Denkweise haben und dieselbe Sprache sprechen. Ich lege Wert auf Loyalität, gute Manieren, Ehrlichkeit und Begeisterungsfähigkeit.Und wie motivieren Sie diese? Indem ich versuche sie auf eine Sache neugierig zu machen und über die menschliche Komponente.
Woraus schöpfen Sie Kraft?
Aus der Neugierde an der Materie und der Lust an der Beschäftigung mit diesen Inhalten; außerdem bin ich ein Energiebündel. Kraft tanke ich auch aus meinem geborgenen Umfeld, einem lieben Ehemann und meinem Freundeskreis.
Ihre Ziele?
Mein inhaltliches Ziel ist, das Bewußtsein für die Notwendigkeit der Kultur in einem Massenmedium zu steigern, daß Kultur ankommt und ihr Stellenwert größer wird. Mein langfristiges Ziel ist, stets eine sinnvolle Art der Tätigkeit und ein ausgefülltes Privatleben zu haben. und daß ich auch nach meiner momentanen Position weiter kreativ arbeiten kann.Bekommen Sie ausreichend Anerkennung? Ja, auf zwei Arten: einerseits für die Sendungen in Form der öffentlichen Reaktion, von Kritiken, Briefen, Anrufen und aus Künstlerkreisen und zum zweiten von der Generalintendanz, von der ich zumeist verwöhnt wurde.
Ihr Lebensmotto?
Da bin ich inkonsequent, mein Motto wechselt öfter.
Haben Sie Vorbilder?
Da es in diesem Job noch nie eine Frau gab, kann ich darin auch kein Vorbild haben.
Anmerkung zum Erfolg?
Für Frauen stellt sich meist die Frage entweder Kinder oder Karriere. Ich traute mir nicht zu, beides zum Erfolg zu führen. Kinder erziehen ist ein kreativer Prozeß, der viel Zeit in Anspruch nimmt. Mein beruflicher Erfolg ist sicher auch darauf zurückzuführen, daß ich keine Kinder habe.