Zum Erfolg von Berndt May
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Beruflicher Erfolg, besonders in einem Finanzhaus und internationalen Konzern, hat viel mit Macht und Verdienst zu tun. Mein Onkel, ein Maler, wird das vermutlich anders sehen, daher muß man Erfolg auch im richtigen Kontext sehen. Für mich ist Erfolg, wenn man das machen kann, was einem Freude bereitet - so konnte ich mein Hobby zum Beruf machen, und betrachte das als Erfolg.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, weil ich schon früh in meinen Jobs viel Verantwortung übertragen bekam, und das vom Umfeld als erfolgreich angesehen und honoriert wird. Objektiv wird man auch als erfolgreich gesehen, wenn man häufig in den Medien präsent ist, und für ein großes Finanzhaus verantwortlich ist. Daß ich im Verdienst-Ranking vorne mit dabei bin, freut mich, ohne daß es das Wichtigste für mich ist. Ich habe zu vielen Dingen starke eigene Ideen und Meinungen, die ich in dieser leitenden Position umsetzen kann. Das gibt mir auch Genugtuung. Erfolg hat auch mit Glück zu tun und ist nicht nur strategisch geplant.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich hatte das Glück, daß ich von einem Vorgesetzten viel über ausländische Aktien lernen konnte und von einem Chef gefördert wurde, Es war aber nicht ein einzelner Schritt, der mich erfolgreich machte. Diese Schritte geschahen nicht zufällig, ich habe dazu durchaus überlegte Entscheidungen getroffen, z.B. in den Sales-Bereich zu wechseln.Haben Sie diese Tätigkeit angestrebt? Ja, zu 100 Prozent., ich versuchte stets in meinem Bereich viel Kompetenz zu haben. Bereits in der Schule handelte ich mit Briefmarken und brachte eine Schülerzeitung heraus, womit ich soviel Geld verdiente, daß man mir nahelegte, diese Aktivitäten zu unterlassen.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Fortbildung?
Früher waren es zwei bis drei Wochen pro Jahr, aufgrund meines Arbeitspensums wende ich passiv nur noch drei bis vier Tage dafür auf, halte aber selber pro Jahr 70 bis 80 Vorträge.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich wollte immer schon erfolgreich sein, bin in jeder Hinsicht ehrgeizig und wollte immer schon etwas erreichen, sei es als Klassensprecher oder Kapitän der Fußballmannschaft. Während meines Studium erkannte ich, wie wichtig Rhetorik, und Sprechen zu können, ist. Häufig ist es wichtiger, wie man etwas sagt, als was man sagt. Aufgrund dieser Erkenntnis zwang ich mich Vorträge zu halten, obwohl mir das zu Beginn nicht leicht fiel. Ich mag Menschen und gehe gern mit ihnen um. Als Führungskraft, die Teams leiten muß, ist Kommunikation ein wichtiger Punkt.Was ist für Erfolg hinderlich? Introvertiertheit und Inflexibilität. Man muß ständig damit rechnen, daß sich durch neue Technologien (Computer, Internet, neue Kommunikationsformen) Arbeitsgewohnheiten und -umfelder ändern. Hinderlich ist es, nicht kommunizieren zu wollen, Informationen nicht weiterzugeben und sich vor Neuem zu verschließen.Welche Rolle spielt Ihr Umfeld bei Ihrem Erfolg? Ich habe mir stets genau überlegt, für wen ich arbeiten will und mir immer gute Häuser, die auch eine Story zu verkaufen haben, ausgewählt. Obwohl man mir öfter tolle Positionen in kleinen Unternehmen angeboten hat, lehnte ich diese aus den genannten Gründen immer ab. JP Morgan Fleming gehört zu den führenden Häusern am Markt, deshalb komme ich auch immer wieder in den Medien vor. Das forciere ich auch ganz bewußt.Nach welchen Kriterien wählen Sie Geschäftspartner und Mitarbeiter aus? Bei Geschäftspartnern steht Seriosität an oberster Stelle, bei Mitarbeitern muß in erster Linie die Chemie stimmen, er/sie muß mir gefallen, wofür auch der optische Eindruck wichtig ist, und er muß dieselben Vorstellungen vom Job haben (geht nicht, gibts nicht, der Kunde ist König, Als Banker tragen wir auch im Sommer lange Ärmel und kommen nicht im Sportsakko zu Kunden Wir sind Dienstleister). Meine Mitarbeiter müssen Freude an der Arbeit haben. Fachliches kommt erst an zweiter Stelle, das kann man in Fachseminaren nachholen.Wie motivieren Sie Mitarbeiter? Es gibt nichts Wichtigeres als die Motivation der Mitarbeiter, für teambildende Maßnahmen wende ich dramatisch viel Zeit auf. Motivation entsteht durch unsere flache Hierarchie, ich gebe viel Information an die Mitarbeiter weiter, übertrage ihnen viel Verantwortung, und unternehme zahlreiche Aktivitäten gemeinsam mit meinen Mitarbeitern und auch Kunden. So unternehmen wir z.B. gemeinsame Nacht- oder Bergwanderungen, wo wir ein Seminar in einer Almhütte haben. Solche gemeinsamen Aktionen schweißen weit mehr zusammen als ein Mittagessen im Imperial. So versuche ich auch die private Seite in die Beziehungen zu Kunden und Mitarbeitern hineinzubringen.Was bedeuten für Sie Niederlagen? Mir wurde glücklicherweise der Sinn all meiner Niederlagen, die ich erlebte, im Nachhinein klar. So wurde ich nach einer zehnjährigen Beziehung von meiner Partnerin verlassen (zum Glück hatten wir keine Kinder), und ich verlor auch schon sehr viel Geld, zum Glück aber in einer Zeit als ich viel Geld verdiente, und es mir nicht allzu weh tat. Hätte ich dieses Geld früher verloren, wäre es weit schmerzhafter gewesen. Die Dinge, die mir weh taten und die ich nicht so wollte wie sie kamen, waren stets Anstoß für Neues, daher weiß ich auch, daß es so, wie es gekommen ist, gut war. Wenn man sich in diesem Beruf als Superstar fühlt, ist ein Crash ein Regulativ, der einen wieder auf den Boden holt. Wichtig ist, daß so etwas zu einem Zeitpunkt passiert, da man sich den Mißerfolg leisten kann. Insgesamt habe ich das Gefühl, daß ich auf der „Sunny Side of Life“ lebe, und kann das Wichtige im Leben durchsetzen. Trotz aller Sachzwänge habe ich meine Eigenständigkeit erreicht.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Spaß und Freude am Leben zu haben. Dazu gehört auch viel zu verdienen, da ich in meiner Freizeit gerne etwas unternehme und Geld für mich das Medium ist, um sich Wünsche zu erfüllen.Bekommen Sie ausreichend Anerkennung? Ja, in der Form, daß mich die Kollegen mögen, ich zu meiner Person aus der Branche ein positives Feedback bekomme, meine Abteilungen die ich leitete, stets erfolgreich waren, und ich auch von den Medien Beachtung finde. Anerkennung bekomme ich auch von mir selbst, da ich das Gefühl habe, alles läuft gut, und ich mit mir selbst zufrieden bin.
Ihr Lebensmotto?
Spaß und Freude am Leben zu haben.
Haben Sie Vorbilder?
Ich hatte bewußt nie Vorbilder, ich sehe mir wohl an was Andere tun und übernehme erfolgreiche Verhaltensmuster, habe aber keine Idole. Anmerkung zum Erfolg: Man sollte hinterfragen, wie sehr der Faktor Glück den Erfolg beeinflußt. Unter Glück verstehe ich günstige, sich positiv auswirkende Zufälle im Beruf. Ich selbst arbeite auch daran, daß Zufälle passieren können