Zum Erfolg von Rudolf Klingohr
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist etwas unglaublich Geiles. Es gibt den Erfolg, der einem in den Schoß fällt, aber auch jenen, den man sich hart erarbeiten muß. Je härter man für den Erfolg arbeiten muß, um so befriedigender ist es dann auch, wenn alles aufgeht. Von meinem Elternhaus habe ich mitbekommen, stets den geraden Weg zu gehen und möglichst nicht zu lügen. Manchmal läßt sich das aus taktischen Gründen zwar nicht vermeiden, aber ich bemühe mich. Den geraden Weg zu gehen, dauert zwar manchmal etwas länger, funktioniert aber am besten.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Gewisse Talente - man könnte auch sagen Charisma - hat man, oder nicht. Das ist genetisch bedingt und wird einem in die Wiege gelegt. Den Drang zum Ausbrechen im Sinne von Neues erforschen, habe ich seit meiner Kindheit als typisches Keller-Kind der Nachkriegszeit. Ich wurde schon mit fünf Jahren nach einer Entdeckungsreise schlafend in einer Telefonzelle gefunden. Ausschlaggebend für meinen Erfolg ist vor allem meine Neugier und der Wille, immer vorne mit dabei zu sein.Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein? Produzieren ist jedenfalls viel interessanter als Reproduzieren. Für mich persönlich gibt es nach wie vor unendlich viel Neues zu entdecken.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? So mancher Wegbegleiter, aber auch die Sahara zum Beispiel. Wenn dir dort der Sprit ausgeht, es tagsüber unerträglich heiß und nachts bitter kalt ist, du Kühlerwasser trinkst und nicht weißt, ob der Fährtensucher mit Hilfe zurückkommt, dann prägt das schon ein wenig. Durch solche Erfahrungen wird man klüger und vorsichtiger.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich bin ein sehr harmoniebedürftiger Mensch, deshalb bedeutet mir Anerkennung in meinem Familien- und Freundeskreis sehr viel. Ich freue mich, wenn ich als sympathischer Kerl wahrgenommen werde. Natürlich ist es auch schön, und ich fühle mich geehrt, wenn ich den Professortitel verliehen bekomme oder zum Feinschmecker des Jahres gewählt werde.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Gute, motivierte Mitarbeiter sind ein entscheidender Erfolgsfaktor.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Nach der persönlichen Basis die ich spüre. Ich möchte Mitarbeiter, die genau wie ich neugierig sind, etwas wissen wollen und geil auf den Erfolg sind. Es ist also nicht so entscheidend, was jemand kann, sondern was er bereit ist zu lernen. Dazu gehört auch Demut.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Eigenverantwortung und selbständiges Arbeiten sind sicher motivierend. Aber bei uns ist es ohnehin so, daß die tägliche Arbeit nicht einer ständigen Kontrolle bedarf, denn man sieht sofort, was gut gelaufen ist und was schlecht. Ich erwarte mir nur, daß jeder ehrlich ist, wenn ihm zum Beispiel ein Objektiv hinunterfällt. Das kostet zwar hunderttausend Euro, aber um weiteren Schaden zu vermeiden, muß ein Mitarbeiter derartige Mißgeschicke sofort melden.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir überlegen uns ständig, was wir machen könnten, das andere nicht machen. Es ist auch nicht jedermanns Sache, wochenlang in der tiefsten Wildnis zu drehen. Unsere größte Stärke ist die Neugier, im Sinne von Neues ersinnen und entwickeln.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Neutral und weitgehend uninteressiert.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mein Beruf ist mein Privatleben.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Jede Reise, jedes Projekt ist Fortbildung. Heutzutage ist es so, daß ich selbst keine Seminare oder Vorträge mehr besuche, sondern vielmehr eingeladen werde, über dieses und jenes zu referieren.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Meine beiden Söhne arbeiten in unserem Unternehmen, und ich versuche, ihnen das mitzugeben, was auch mir durch meine Eltern mitgegeben wurde: Nach vorne zu schauen und geradlinig seinen Weg zu gehen. Gas geben ist angesagt!
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Meine Ziele bzw. Prioritäten haben sich im Laufe meines Lebens natürlich verschoben. Als ich noch ein kleiner Komparse bei einem Film war, war es ein Ziel, es soweit wie der damalige Produzent zu bringen. Als Komparse bei einem Disney-Film war ich fasziniert von einem Schauspieler, dem man seinen Wohnwagen immer nachgeschoben hat. Da dachte ich, wenn ich als Produzent auch so einen Hollywoodschauspieler engagieren könnte, dann habe ich es geschafft. Ich habe den selben Schauspieler Jahre später engagiert. Heute ist es mein Ziel, meine Arbeit bei guter Gesundheit noch zwei, drei Jahre gut auszuüben und dann die Firma wohlbestallt meinen Söhnen zu übergeben. Danach stehe ich gerne noch als Berater zur Verfügung, möchte mich aber den Jungen nicht aufdrängen. Ich werde vermutlich viel reisen und überlege mir, ein kleines Häuschen in Indien zu bauen, wo ich den Sonnenuntergang genießen kann.
Ihr Lebensmotto?
Neugierig gerade nach vorn.