Zum Erfolg von Klaus Bruckberger
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist immer eine Momentaufnahme – ich kann in einem Moment Erfolg haben, im nächsten Moment kann dieser Erfolg aber auch schon wieder getrübt sein; Erfolg kommt auch nie von heute auf morgen. Oft verfolgt man ein Ziel mit aller Kraft und muß, wenn man angekommen ist, feststellen, daß der Erfolg nur halb soviel wert ist, als man gedacht hätte; dies gilt für den beruflichen wie auch für den privaten Bereich. Erfolg bedeutet für mich als Manager, meinen Mitarbeitern ihren Arbeitsplatz garantieren zu können und sie auszulasten.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition sehe ich mich als erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich habe viele Ideen, bin mir aber darüber bewußt, daß 95 Prozent davon unbrauchbar sind. Jene fünf Prozent, die ich auch umsetze, müssen aber noch lange nicht erfolgreich werden. Ich bin ein sehr weltoffener und liberaler Mensch, ich nehme sehr viel an Information auf und kann es später, wenn auch nicht eins zu eins, auch umsetzen. Wesentlich ist es, keine vorgefaßte Meinung zu haben und sich auf andere Denkweisen einstellen zu können.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich bin kein Anhänger des „Was wäre wenn“-Denkens; deshalb kann ich heute auch keine Situation nennen, die meinen Erfolg bedingt. Es war zwar eine gute Entscheidung, im Marriott tätig zu werden – aber ich wäre wahrscheinlich genauso erfolgreich geworden, wenn ich im Four Seasons begonnen hätte.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung ist etwas sehr wichtiges; ich behaupte, für jeden Menschen.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich denke, daß hinter jedem erfolgreichen Menschen ein Team steht, das kooperiert – selbst Hermann Maier wäre ohne seinen Stab an Mitarbeitern chancenlos. Dieses Team kann jedoch nur gut für mich arbeiten, wenn ich es gut behandle, ich bin mir dessen bewußt, daß ich an der Spitze einer Pyramide stehe und möchte nicht, daß auch nur ein Mitarbeiter Angst vor mir hat, wenn ich den Raum betrete. Ich kann Fehler meiner Mitarbeiter akzeptieren. Wie in jedem Unternehmen passieren auch bei uns Fehler; meine Aufgabe ist es, nach einer Lösung zu suchen und mir dabei die Vorschläge meiner Mitarbeiter anzuhören. Ich denke, mit dieser Basis ist es möglich, etwas zu bewegen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich motiviere meine Mitarbeiter nicht, weil der Begriff Motivation für mich bedeutet, daß jemand anderer das tut, was ich will. Ich möchte, daß meine Mitarbeiter sich eigendynamisch entwickeln und selbständig agieren. Ich lege großen Wert darauf, daß die Mitarbeiter sich hier im Unternehmen wohlfühlen und suche das Gespräch mit Mitarbeitern aus allen Abteilungen, weil ich der Meinung bin, daß auch ein Bäcker gute Ideen zum Gesamterfolg des Unternehmens beisteuern kann.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich war schon einmal verheiratet und habe einen sechsjährigen Sohn. Meine Ehe scheiterte, weil meine Partnerin und ich uns auseinander entwickelten, sie endete friedlich. Ich nehme mir sehr viel Zeit für meinen Sohn, es ist mir wichtig, viel mit ihm zu unternehmen. Dabei bin ich der festen Überzeugung, daß Qualität vor Quantität geht – auch hinsichtlich der Zeit, die ich mit ihm verbringe.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man soll nicht verbohrt sein, nicht immer sprechen, sondern zuhören. Ich rate jedem, offen und liberal zu bleiben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich fühle mich so wohl, daß mir das Motiv fehlt, mir konkrete Ziele zu stecken. Das Ziel meines Lebens ist, weiterzukommen und Bewegung zu schaffen, zufrieden zu sein: das heißt für mich aber nicht, daß ich eine Position als Konzerndirektor anstrebe. Ich denke, daß man Ziele eher erreicht, wenn man ihnen nicht wie ein kranker Esel hinterherläuft. Es ist mir wesentlich, die Orientierung nicht zu verlieren, und wenn man auf ein Ziel fixiert ist, läuft man Gefahr, so darauf konzentriert zu sein, daß man sein Umfeld nicht mehr wahrnimmt.
Ihr Lebensmotto?
Ich halte es ironisch mit Billy Wilder, der gesagt hat: „Überhäuft mich mit Luxus, den Rest könnt Ihr behalten.“ Ich lasse es mir gutgehen, kaufe meine Anzüge nur bei Armani und lasse meine Hemden schneidern – aber nicht, um es nach außen zu tragen, sondern ausschließlich für mich selbst.