Zum Erfolg von Christian Wagner
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Das ist eine schwierige Frage. Nachdem ich mit 15 Jahren von zuhause auszog, weil sich meine Eltern getrennt hatten. Ich suchte mir Arbeit in der Gastronomie, bekam aber nicht sofort eine Lehrstelle. Man bot mir an, in der Küche zu beginnen und war scheinbar mit mir zufrieden; nach drei Monaten bekam ich die Lehrstelle. Da ich von meinen Eltern finanziell nicht unterstützt wurde, mußte ich mir alles selbst erarbeiten - ich mußte schon als Lehrling viel und hart arbeiten. Wirklicher Erfolg ist ein Widerschein von dem, was man tut.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ob man als erfolgreich gesehen wird, entscheiden andere. Ich arbeite permanent an mir und versuche mich zu verbessern, ich gehe jeden Tag zur Arbeit und hole das letzte aus mir heraus. Ich trage große Verantwortung für mein Geschäft und meine Mitarbeiter, grundsätzlich will ich mir Dinge selbst erarbeiten, um erfolgreich sein zu können.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Eigentlich bin ich das schwarze Schaf in der Familie, das in die Gastronomie gegangen ist. Ich bin ein Mensch, der selbst an negativen Dingen noch etwas Positives sieht. In den letzten fünfzehn Jahren mußte ich einige Tiefschläge einstecken, ich habe mich jedoch nie bemitleidet, sondern meine Probleme selbst aufgearbeitet, ich bin immer wieder aufgestanden und habe gesagt: jetzt geht es weiter.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Mich haben immer jene Herausforderungen gereizt, die ich eigentlich unmöglich schaffen konnte und von denen die anderen glaubten, daß sie nie gelingen könnten. Dabei habe ich aber nicht einfach gesagt, das wird schon irgendwie funktionieren, sondern sehr genau analysiert.
Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein?
Ich interessiere mich zwar dafür, wie andere arbeiten und versuche mir Ideen zu holen, aber ich kopiere nicht. Eine Kopie ohne Anpassung wäre ein vorprogrammierten Absturz; wenn ich ein Original kopiere, werde ich am Original gemessen. Wenn ich erfolgreich sein will, muß ich schon besser sein als das Original.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Vater hatte eine große Firma und wurde in der Gesellschaft anerkannt, nach seiner Scheidung dauerte es ein Jahr, bis er das Unternehmen heruntergewirtschaftet hatte. Daraus kann man die Lehre ziehen, daß hinter einem erfolgreichen Mann eine noch erfolgreichere Frau steht, diese Erkenntnis war eines meiner einschneidensten Erlebnisse zum Thema Erfolg. Man darf die Menschlichkeit nie vergessen.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Man kann es nicht jedem rechtmachen. Es gibt sicherlich Leute, die mich gern haben und solche, die mich nicht mögen. Ich bin ein umgänglicher Mensch und vertrage sicherlich sogar mehr, als manch anderer; aber wenn es über einen gewissen Punkt hinausgeht, reicht es mir.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Jeder Mitarbeiter ist am Erfolg des Betriebes maßgeblich beteiligt. Es hilft der beste Chef nichts, wenn ich nicht die richtigen Leute habe, die mit mir an einem Strang ziehen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Wenn mich jemand beim Einstellungsgespräch mit seiner positiven Art überzeugen kann, nehme ich ihn auch in unser Team auf. Für mich zählen positive Einstellung und der Wille, freundlich mit den Gästen umzugehen. Zum Schluß entscheiden aber seine Arbeitskollegen mit, ob sie mit ihm arbeiten wollen und können. Das Fachliche kann er bei mir lernen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir sind wie eine Familie und nur wenn die Arbeit auch Spaß macht, kann man gut mit Gästen umgehen.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Wir sind ein Team. Ich habe weder einen Küchenchef noch einen Oberkellner. Alle Köche und Kellner sind gleichgestellt.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Das ist in unserem Beruf immer schwierig. Gesundheit ist das wichtigste und ich habe sie in den letzten Jahren etwas vernachlässigt, deshalb möchte ich mich im Betrieb etwas freispielen, um wieder sportlich aktiv sein zu können. Einen richtigen Freundeskreis außerhalb des Geschäftes kann man kaum haben, weil man einfach zu wenig Zeit hat; auch in Partnerschaften gibt es für Gastronomen große Probleme.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich habe meine Schulpflicht erfüllt und lerne lieber aus dem Leben. Gesetzblätter oder neue Verordnungen muß man natürlich lernen aber ich bin nicht derjenige, der zu irgendwelchen Motivationsseminaren läuft, wo jemand vorne steht und schreit ich will, ich will, ich will. Ich habe vor, meine Fremdsprachenkenntnisse wieder vermehrt aufzufrischen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Das Problem in unserer Gesellschaft ist wohl, daß die Eltern immer wollen, daß es den Kindern besser geht. Meine Mutter hat ganz verzweifelt versucht, daß irgendeines ihrer Kinder die Matura macht aber keiner hat es getan. Ich habe noch keine Sekunde bereut, daß ich die Matura nicht gemacht habe. Jeder soll das machen, wobei er Spaß hat. Oft werden den Kindern die Wege zu sehr geebnet und man versucht, ihnen alles so leicht wie möglich zu machen. Ich glaube, daß ist manchmal genau das falsche, weil sie es dann nicht selbst schaffen können. Wenn immer alles da ist und man gar nicht weiß, woher es kommt, kann man später selbst nichts erreichen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe natürlich immer noch meine Träume. Das kleine Haus zum Beispiel, mit allem was dazugehört. Irgendwann wird auch die richtige Partnerin da sein, die muß mich dann so akzeptieren, wie ich bin.
Ihr Lebensmotto?
Jeder ist seines Glückes Schmied.