Zum Erfolg von Sabine Lea Christian
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich das Nebenprodukt eines unstillbaren Dranges, perfekt zu sein.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Nein, ich sehe mich nicht als erfolgreich. Ich war immer risikobereit und hatte immer Glück, daher ist mir bisher alles gelungen. Andere mögen das Erfolg nennen, für mich wäre Erfolg erst dann gegeben, wenn es mir gelingen würde, etwas zu erreichen, für das ich extrem hart arbeiten mußte.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend für meinen beruflichen Werdegang war mein Fleiß. Ich konzentriere mich eigentlich nicht auf Ziele. Vielmehr arbeite ich hart, und daraus ergeben sich schließlich Möglichkeiten. So etwas wie Lebensplanung hat es für mich nie gegeben, meine Karriere beruht auf meiner Leistung. Darüber hinaus liegt meine Stärke in meiner Kommunikationsfähigkeit, die mir Zugang zu allen gesellschaftlichen Gruppen verschafft. Dementsprechend gelingt es mir, andere für meine Anliegen zu begeistern. Wesentlich war eine gewisse Härte mir selbst gegenüber. Ich bin überdies flexibel und besitze die Eigenschaft, mich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Meine wesentlichsten drei Erfolgsfaktoren bestehen darin, daß ich stark, unabhängig und nicht dumm bin – was immer man darunter auch verstehen mag.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Nein. Weil es das Problem der anderen ist, daß ich eine Frau bin – nicht meines.Ist Originalität oder Imitation besser um erfolgreich zu sein? Es geht immer darum, seine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Ob das nun originell ist, oder nicht, hängt vom Grad der Authentizität ab. Ich glaube, daß man sich nicht alles (Positive) antrainieren kann und bin daher der Überzeugung, daß es wichtig ist, auch seine negativen Seiten zu zeigen.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Im Architekturbüro Lechner hatte ich die Möglichkeit, viel über meinen Beruf zu lernen. In meiner Persönlichkeit wurde ich sehr stark durch meine Mutter, meinen Vater und einige Kollegen sowie Lehrende an der Universität, durch gute Freunde und schließlich durch meinen Mann geprägt.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich habe wenig Anerkennung erfahren und das war eine sehr wichtige Triebfeder.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Ich nehme eine Zwitterstellung zwischen der Bau- und Beamtenbranche ein. Aus den Zwängen, denen ich als Beamtin innerhalb des Verwaltungsapparates unterworfen bin, ergeben sich genügend ungelöste Probleme. Ein ungelöstes Problem der Baubranche ist das nach wie vor mangelnde Verständnis für Architektur und Bauen. Die Leute haben keinen Bezug mehr dazu, daß Bauen ein physischer Prozeß, daher also gewissen Zeiteinheiten unterworfen ist. Das große Problem in der Verwaltung besteht darin, daß ich einen Weg zwischen Bürgernähe und Politik finden muß, der letztlich eine schwierige Gratwanderung darstellt. Würde es mir nicht gelingen, eine klare Gangart zu finden, wäre ich ununterbrochen auf der Flucht.Welche Rolle spielen die Mitarbeiter/Innen bei Ihrem Erfolg? Die Mitarbeiter/Innen spielen eine wesentliche Rolle bei meinem Erfolg. Ohne Sie geht gar nichts. Sie setzten das um, was andere z.B. ich für richtig und notwendig halten.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter/Innen aus? Neben fachlicher Qualifikation, die ich voraussetze, erwarte ich von meinen Mitarbeitern Leistungsbereitschaft, Motivation und Ehrlichkeit. Ich schätze ambitionierte Menschen, denen ich nicht sagen muß, was sie zu tun haben.Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter/Innen? ich motiviere meine Mitarbeiter/Innen, indem ich Verantwortung übertrage und sie auch zur Verantwortung ziehe, wenn sie einen Fehler gemacht haben. Unmittelbare Motivation besteht in direkter und offener Kommunikation, darunter fällt beispielsweise ehrliches Feedback.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Es fällt mir nicht schwer, die beiden Bereiche zu vereinbaren, weil ich meinen Mann kurz vorher kennenlernte, als ich diese Position übernahm. Da wir geographisch getrennt leben, nutzen wir unsere gemeinsame Zeit sehr effizient und ich denke, daß das unserer Beziehung sehr gut tut.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Allgemein rate ich der jungen Generation, mehr Lebensmut aufzubringen. Speziell an Frauen richtet sich mein Ratschlag, sich von niemandem von etwas abbringen zu lassen, das Frau sich vorgenommen hat und fällt es noch so aus der Rolle.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist es, noch höhere Lebensqualität zu erreichen.