Zum Erfolg von Susanne Kadanka
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Das ist eine Frage, die ich mir zur Zeit manchmal selbst stelle. Ich bin nun 68 Jahre alt und habe nach wie vor das Gefühl, daß ich Bäume ausreißen könnte. Wir haben unsere Schäfchen im Trockenen und sind nicht mehr gezwungen, Geld zu verdienen, daher bin ich neugierig, was noch alles auf mich zukommen wird. Erfolg war in der Vergangenheit sehr eng mit dem Unternehmen verbunden und ich befinde mich gerade in einer Phase der Neuorientierung, in der ich herausfinden möchte, welche Aufgabe ich ergreifen kann, die mich zum Erfolg abseits finanzieller Aspekte führen wird.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin momentan zufrieden und sehe mich als erfolgreich. Ich möchte aber auch in Zukunft noch einiges bewegen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich zeichne mich durch das Talent aus, auf Menschen zuzugehen, das mir von außen immer wieder bestätigt wird. Ich liebe den Umgang mit Menschen und kommuniziere gern, daher haben alle meine Gäste das Gefühl, meine persönlichen Freunde zu sein. Eine meiner Stärken ist mein Durchhaltevermögen in allen Belangen. Mein Erfolg beruht sicher auch auf der Tatsache, daß ich ein Team um mich habe, das mich schon sehr lange begleitet und dem Gast eine familiäre Atmosphäre des Wohlfühlens bieten möchte, die uns von anonymen Hotels abhebt. Ein sehr wesentlicher Faktor ist meine Freude an dieser Tätigkeit, die eigentlich die Verwirklichung eines Hobbys darstellt. Ich liebe Reisen und internationales Flair.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Man muß als Frau deutlich mehr leisten als ein Mann, mitunter sogar eine ausgeprägte Penetranz entwickeln, um Barrieren zu überwinden; und zwar unabhängig davon, daß man – so wie ich – vielleicht einen starken Ehemann oder Partner an seiner Seite hat. Ich habe meinen Töchtern aus diesem Grund sehr eindringlich vermittelt, wie wichtig es ist, als Frau finanzielle Unabhängigkeit zu entwickeln, die ich als Kernfrage des weiblichen Daseins betrachte. Es geht darum, bleiben zu können, aber nicht zu müssen: wenn man bleiben muß, befindet man sich in einer subalternen Situation, die sich zerstörerisch auf das gesamte Leben auswirkt. Ich denke im übrigen, daß der jungen Generation dies nicht so bewußt ist wie meiner eigenen; hier scheint es einen Backlash zu geben, den ich mit gewisser Sorge beobachte.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
An Mitarbeitern sind mir insbesondere Teamfähigkeit und die Bereitschaft, die selben Ziele wie ich zu verfolgen, wichtig. Wir pflegen eine sehr familiäre Atmosphäre und ziehen an einem Strang, persönliche Fehlerzuweisungen gibt es in unserem Haus nicht. Wenn ein Fehler geschieht, ist es meine Aufgabe, ihn zu korrigieren und auszubessern, wobei ich mich als Teil des Kollektivs betrachte.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Das Hotel Mondial wendet sich vor allem an Berufstätige, die aufgrund der gestiegenen Mobilität und der Globalisierung längere Zeit in Wien verbringen. Obwohl ich es nicht geplant hatte, ergab sich die Tatsache, daß wir heute nicht den üblichen Touristen, sondern Teilnehmer an verschiedenen Kongressen, Journalisten, Künstler, Botschafter und Vortragende an Universitäten ansprechen, die einige Monate bis zu mehreren Jahren in Wien verbringen und die Sicherheit und Annehmlichkeiten eines privat geführten Hotels schätzen. Das Haus fungierte beispielsweise einige Zeit lang als Botschaft von Guatemala. Wir bieten unseren Gästen eine heimelige Atmosphäre, die diese sehr schätzen, wenn sie länger auf Reisen sind.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich bin, was ich bin und mein Beruf ist Teil meiner selbst. Ich trenne Beruf und Privatleben nicht, weil ich meine Arbeit nicht als solche empfinde. Ich betrachte mich als Gastgeberin und habe diese Rolle sehr gern inne. Wenn meine Töchter die Geschäftsführung des Hotels übernommen haben, werde ich mich schrittweise zurückziehen, um mehr Zeit für meinen Mann und mich zu haben.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich rate vor allem jungen Frauen zu Selbstsicherheit und Eigenständigkeit. Durchhaltevermögen ist eine der wesentlichsten Eigenschaften, die man braucht, um erfolgreich zu werden: was man anpackt, soll man konsequent und kontinuierlich zu Ende bringen. Erfolg hat nur, wer nicht sprunghaft ist, sondern an seinen Zielen festhält und sein Potential nutzt. Nicht zuletzt zählt im Leben eine positive Einstellung. Wer angesichts von Schicksalsschlägen, die es zweifellos gibt, nicht das Negative fokussiert, sondern sich fragt, wie er damit am besten umgehen kann, ist am richtigen Weg. Man muß sich speziell als Frau sagen: „mich gibt’s!“ und darf sich nicht auf Seilschaften verlassen. Es gibt niemanden, der einem abnimmt, den eigenen Weg zu gehen, es gibt keine Hilfe von außen. Erfolg wurzelt ausschließlich in einem selbst.