Zum Erfolg von Richard Hofmeister
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, mich ruhigen Gewissens in den Spiegel blicken zu können und persönlich anerkannt zu werden. Menschlichkeit ist mir in allen Belangen sehr wichtig, finanzielle Faktoren bedeuten mir eher wenig. Erfolg bedeutet also für mich persönlich, etwas zu schaffen und trotzdem gut leben bzw. eine gute Beziehung führen zu können. Für mich wäre der berufliche Erfolg ohne den privaten nicht möglich, und umgekehrt. Es ist Erfolg, ein Kind zu haben, das auch mit 24 Jahren noch gern nach Hause kommt, und mit insgesamt drei Generationen im Haus ein gutes Miteinander zu pflegen, wo jeder seinen Platz hat.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
In meinem Rahmen sehe ich mich als erfolgreich, weil ich mit der Entwicklung des Betriebes sehr zufrieden bin. Ich plane keine weitere Expansion mehr, weil ich das Unternehmen in einem überschaubaren Rahmen halten möchte; vor allem, weil kein geeigneter Nachfolger in Sicht ist. Niemals würde ich zugunsten des beruflichen Erfolges auf privaten Komfort, sprich: Lebensqualität, verzichten. Da diese ein sehr wesentlicher Aspekt des Erfolges ist, bleibt das Café an Sonntagen geschlossen, obwohl wir gerade an diesem Tag viel Geschäft machen könnten.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Es war schon in meiner Jugendzeit klar, daß ich den elterlichen Betrieb übernehmen würde. Als künftiger Nachfolger war ich daher schon früh daran gewöhnt, ein bißchen härter zu arbeiten, ein wenig mehr zu leisten und weniger Freizeit zu haben als meine Schulkollegen. Wesentlich für meinen Erfolg war auch die Tatsache, daß mich meine Eltern immer motivierten und ermutigten, diesen Weg zu gehen.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Es war eine erfolgreiche Entscheidung, den Geschäftsbereich von der Bäckerei zum Café zu verlagern. Da mir bewußt war, daß ich große Supermärkte nicht beliefern konnte, konzentrierte ich mich auf den Gastronomiebereich und produziere nur mehr für den eigenen Bedarf. Wesentlich war auch die Bereitschaft, auf Neuerungen zu reagieren und das Geschäft immer wieder an die neuen Anforderungen anzupassen, obwohl wir in einer sehr konservativen Region beheimatet sind. Manche Produkte, wie beispielsweise Biogebäck, werden zwar nicht oder kaum angenommen, aber wir versuchen trotzdem, Trends zu berücksichtigen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Für uns ist vor allem die Fähigkeit, sich in das Unternehmen zu integrieren, sehr wichtig. Wir haben eine sehr geringe Fluktuation und pflegen daher ein sehr familiäres Verhältnis zu unseren Mitarbeitern. Gerade im Servicebereich ist dies sehr wichtig, da sich die Zufriedenheit der Mitarbeiter auf die Gäste überträgt.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wenn es zu Schwierigkeiten oder Herausforderungen kommt, setzen wir uns mit den Mitarbeitern zusammen und üben heikle Situationen in Rollenspielen, beispielsweise vor der Euro-Umstellung. Ich motiviere meine Mitarbeiter mit Lob und Anerkennung, darüber hinaus mit einer schönen Weihnachtsfeier. Generell berücksichtige ich die Stärken und Schwächen jedes einzelnen Mitarbeiters und agiere mit sehr viel Fingerspitzengefühl, um niemanden zu benachteiligen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Da wir uns hinsichtlich der Preisgestaltung nicht vom Mitbewerb abheben können, konzentrieren wir uns auf unsere großen Stärken, das sind gutes Service und Freundlichkeit. Ich glaube, daß wir eine persönliche Atmosphäre geschaffen haben, in der sich unsere Gäste wirklich wohlfühlen. Nicht zuletzt legen wir großen Wert auf Qualität und kommen gern auch den individuellen und ausgefallenen Wünschen unserer Kunden nach, wobei uns unsere relativ geringe Größe zugute kommt. Bei uns ist jeder Gast willkommen, in meinem Unternehmen wird jeder gleich freundlich und zuvorkommend bedient, was besonders in einem so kleinen Ort wie diesem äußerst wichtig ist.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich denke, daß es meiner Familie und mir gut gelingt, Beruf und Privatleben zu vereinbaren. Ohne die Unterstützung und das Einverständnis meiner Frau wäre es allerdings unmöglich, einen Betrieb wie diesen zu führen. Wir ergänzen uns nicht nur privat, sondern auch im Unternehmen sehr gut, da meine Frau eher kommunikativ ist und ich mich in der Rolle des Mannes, der im Hintergrund die Fäden zieht, wohlfühle.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich halte es persönlich für sehr wichtig, zwar modern zu bleiben, sich aber dennoch gewisser Verpflichtungen der älteren Generation gegenüber bewußt zu sein. Gerade in dieser Zeit ist es sehr problematisch, daß die Spaßgesellschaft die Generation ihrer Eltern in Heime abschiebt, obwohl sich gerade bei der Betreuung der Enkel große Potentiale ergeben würden. Auch im geschäftlichen Umgang wäre es wichtig, den Egotrip, dem sich alle hingeben, zu überdenken und wieder wertebewußter zu handeln, ohne deshalb in alte Zeiten zurückzufallen. Davon könnten alle Generationen, vor allem aber die jüngere, profitieren.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ziele gibt es immer. Ich habe zwar nicht vor, das Unternehmen zu vergrößern, möchte aber Abläufe noch effizienter gestalten, weitere Nischen finden und den Betrieb immer wieder modernisieren. Vor allem in unserer Filiale in Petronell kreieren wir immer wieder ausgefallene Produkte, beispielsweise die „Legionärsweckerl“, die wir in Zusammenarbeit mit der AUA bis nach Pakistan exportierten, oder Speisen aus der Römerzeit nach überlieferten Rezepten – serviert von Mitarbeitern, die sich zu diesem Zweck auch gern einmal in eine Toga gewanden. Auch bieten wir belegte Brötchen für Feste; so konnten wir in diesem Jahr eine Veranstaltung mit 400 Personen beliefern. Es ist mein Ziel, solche Nischen weiter auszubauen.