Zum Erfolg von Hans Köstenbauer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, Gestaltungsmöglichkeiten zu besitzen, mit dem Ergebnis dieser Gestaltung das Unternehmen weiterzubringen und mich dabei auch selbst verwirklichen zu können.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja, ich war bei allen meinen beruflichen Tätigkeiten sehr erfolgreich. Der größte Erfolg ist mir im Unternehmen Wild gelungen, denn die Firma stand 1997 am Abgrund und war ein klassischer Sanierungsfall. Mittlerweile ist das Unternehmen nicht nur kerngesund, sondern wurde in Kärnten zu einem Vorzeigeunternehmen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich war immer für alle Dinge im Leben offen, vor allem für Neuerungen. Wesentlich waren auch meine Begeisterungsfähigkeit und deren Umsetzung in konkrete, harte Arbeit.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ab dem Zeitpunkt, als ich im zweiten Unternehmen, in dem ich tätig war, von der Niederlassung Graz in die Zentrale nach Wien geholt wurde.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Alle meine Entscheidungen, die Firmenwechsel betrafen, waren erfolgreich, da jeder Schritt für mich ein Schritt vorwärts war. Die neue Strategie, die ich 1997 für die Sanierung dieses Unternehmens entwickelte, ist voll aufgegangen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Der Geschäftsführer der Wiener Firma, die mich von Graz in die Zentrale holte, hat mich durch sein analytisches Denken und seinen kooperativen Führungsstil stark beeinflußt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Die meisten Unternehmensleitungen verhalten sich nicht menschengerecht. Man bekundet heute zwar ausnahmslos, daß das Humankapital das wichtigste ist, aber konkrete Handlungen werden dem nur in den seltensten Fällen gerecht. Vieles ist eher menschenverachtend.Welche Rolle spielen Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg? Sie waren ein starker Faktor bei der Sanierung des Unternehmens. Ich habe damals bewußt auf die Kräfte der Mitarbeiter gesetzt. Es ist mir gelungen, sie weiterzuentwickeln, und sie selbst konnten Kräfte freisetzen, die das erwartete Maß überschritten haben.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Wichtige Kriterien sind Kreativität und Leistungsbereitschaft. Zeugnisse sind zweitrangig, Referenzen spielen aber eine Rolle. Wichtig ist der persönliche Gesamteindruck, den ich von einem Bewerber oder einer Bewerberin habe.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich bin überzeugt, daß die Mitarbeiter verstanden haben, daß es mir im Unternehmen um eine Vertrauenskultur geht, und mir das Vertrauen entgegenbringen, daß ich es richtig machen werde.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Unsere Stärken sind das Potential, das in den Mitarbeitern steckt, Kreativität, Leistungsbereitschaft, Flexibilität, ein sehr hohes Qualitätsniveau und die Tatsache, daß wir in High tech-Branchen tätig sind.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, daß sich langfristig beide Bereiche im Gleichgewicht befinden müssen. Man kann kurze Zeit einen Bereich überstrapazieren, über einen längeren Zeitraum wird das aber nicht funktionieren, daher versuche ich, wenn aus beruflichen Gründen weniger Zeit für das Privatleben bleibt, danach wieder eine Phase anzuschließen, in der alles wieder ins Lot gebracht wird. In der Industrie wird die Trennung von Beruf und Privatleben aber zu streng gesehen. Das ist die Ursache für fehlende Motivation, Frustration und letztlich für Mißerfolg und Krankheiten.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich versuche in meinem Verhalten ein Vorbild für die Mitarbeiter zu sein, das sollte auch für die nächste Generation gelten. Die heutige Jugend soll Vertrauen zu sich selbst und zu ihren zweifellos vorhandenen Kräften haben und optimistisch in die Zukunft blicken.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich möchte in den nächsten drei Jahren eine wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangen, die mir ermöglicht, vielleicht auch andere Dinge tun zu können. Mir ist aber in erster Linie wichtig, die freie Wahl zu haben.
Ihr Lebensmotto?
Glücklich sein!