Zum Erfolg von Ingrid Gazzari
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, ein Ziel zu erreichen, das ich mir gesteckt habe.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja. Ich sehe mich heute als erfolgreich, weil ich bisher viel erreichen konnte.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich zeichne mich durch meine Fähigkeit aus, meine Mitarbeiter zu motivieren und zu fördern. Eine meiner Stärken ist zudem mein Vermögen, das Institut gut nach außen hin zu repräsentieren. Meine Arbeit macht mir große Freude, ich identifiziere mich – wie alle Mitarbeiter – mit dem Institut und setze mich selbstverständlich für unsere Ziele ein, auch wenn ich am Wochenende arbeiten muß.Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein? Nein, ganz im Gegenteil. Ich fühlte mich von Beginn meiner Tätigkeit eher privilegiert, weil ich allein aufgrund der Tatsache, daß ich oft die einzige Frau innerhalb eines Gremiums war, einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangte. Wenn ein Redner mit den Worten begann: „Sehr geehrte Dame, sehr geehrte Herren“, drehten sich alle herum, um die Dame im Saal zu finden. Nichtsdestotrotz bin ich der Überzeugung, daß man mindestens so gut oder kompetent sein muß wie ein Mann, um Erfolg haben zu können. Ich habe beispielsweise zwei Kinder großgezogen, dennoch aber nie gefehlt; so hatte ich in all den Jahren weniger Krankentage als die meisten männlichen Kollegen. Auch war es immer meine persönliche Philosophie, nie zu vermitteln, daß ich durch meine Mutterschaft gehandikapt wäre.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Ich habe einen Großteil der Mitarbeiter, die heute am Institut tätig sind, selbst eingestellt und denke, daß ich bei der Auswahl meiner Mitarbeiter gut daran tat, mich auch von meinem Gefühl leiten zu lassen. Fachliche Kompetenz einmal vorausgesetzt, zählt für mich vor allem Teamfähigkeit, weil wir fast alle Arbeiten in Teams abwickeln.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Wir befassen uns mit klassischer Wirtschaftsforschung und Consultingtätigkeiten in osteuropäischen Ländern, geben Publikationen heraus und können unseren Kunden als kleines, feines Institut Experten für das jeweilige Land zur Verfügung stellen. Als wirtschaftspolitisches Institut gehört das WIIW zum Finanz-, nicht etwa zum Bildungsministerium; als privater Verein werden wir zu einem bestimmten Teil vom Staat gefördert. In unseren Statuten ist festgehalten, daß es unsere Pflicht ist, die Öffentlichkeit objektiv zu informieren, vor allem über die Wirtschaftsentwicklung in Osteuropa in Zusammenhang mit den geplanten EU-Beitritten. Das WIIW ist hinsichtlich der Forschung unabhängig und international tätig, mehr als die Hälfte unseres Budgets verdienen wir uns am freien Markt – durch Expertisen, Studien, EU-Projekten, Aufträgen von der EU und Publikationsverkauf, wobei sämtliche Publikationen auf Englisch verfaßt sind. Eine Stärke ist unsere starke Medienpräsenz, die wir durch Prognosen für Osteuropa erreichen. Nach innen sind unsere Stärken hohe Motivation, Einsatzbereitschaft und hervorragende Qualität unserer wissenschaftlichen Arbeit.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Heute definiere ich mich sehr stark über meinen Beruf; meine Kinder sind bereits erwachsen. Aus diesem Grund gelingt es mir sehr gut, die beiden Bereiche zu vereinbaren. Ich habe zahlreiche Freunde, nehme viele ehrenamtliche Aufgaben im Kulturbereich wahr und führe insgesamt ein sehr glückliches Leben.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Man sollte sich vielseitig interessieren und offen für Möglichkeiten sein – ich kenne viele junge Leute, die ein ursprüngliches Hobby erfolgreich zum Beruf gemacht haben. Eine fundierte Ausbildung ist gerade in unserer Zeit grundsätzlich sehr wichtig, um Fuß fassen zu können. Als wichtig erachte ich die Fähigkeit, nach Niederlagen wieder aufzustehen.