Zum Erfolg von Ferdinand Kleppmann
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Etwas zu schaffen und zu bewegen, das heißt für mich, Erfolg zu haben.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ja.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bin sicher jemand, der sehr fleißig ist, besitze eine sehr schnelle Auffassungsgabe und ein sehr gutes Gedächtnis. Ich glaube aber, ganz entscheidend ist meine Fähigkeit, mich in andere hineinzuversetzen und Inhalte zu vermitteln, indem ich sie bildhaft darstelle.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich erledige das Unangenehme zuerst, das heißt, der Morgen beginnt mit der schwierigsten Sache. Die angenehmen Sachen folgen immer am Nachmittag, wie etwa Gespräche oder Verhandlungen. Der Tag ist viel schöner, wenn das Schwere weg ist. Für mich zählt der eiserne Grundsatz: was ein Mitarbeiter machen kann, mache ich nicht. Ich delegiere vieles, auch die volle Verantwortung. Ich will nicht, daß ein Mitarbeiter kommt und fragt, wie er etwas machen soll, ich will vielmehr einen Vorschlag und erziehe damit die Mitarbeiter zur Selbstverantwortung. Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? Meine Vorbilder waren in der Geschichte Martin Luther, wegen seines Glaubens, seines Mutes und weil er zeigte, wieviel ein einzelner erreichen kann. Und in der Gegenwart prägte mich mein ehemaliger Kollege, späterer Chef als Landrat und Verbandsvorsitzender, heute Präsident der Bayerischen Sparkassen, Dr. Siegfried Naser, weil er in seinem Landratsamt eine bürokratiefreie Zone schuf und seinen Beamten untersagte, unsinnige Gesetze zu vollziehen.Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus? Bei der Auswahl für die Geschäftsführerposten lege ich vor allem Wert auf die Bereitschaft zu Auslandsaufenthalten und Mehrsprachigkeit, die ich als wesentlicher betrachte als reines Fachwissen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Da wären zunächst mal die Arbeitsplatzgestaltung, wie gute Sessel und Computer. Ich muß auf die Wünsche meiner Mitarbeite eingehen, natürlich solange dies mit den Interessen des Betriebes im Einklang steht. Außerdem will ich ihnen das Gefühl geben, daß man mit dem Chef reden kann, und zwar über alles. Wenn meine Mitarbeiter Fehler machen, ist das völlig okay, es wird ihnen auch zugestanden, aber sie sollten darüber reden und nichts verheimlichen. Last not least achte ich darauf, daß Mitarbeiter nicht durch andere Mitarbeiter zusätzlich extrem belastet werden - durch Vernachlässigung der eigenen Aufgaben. Da ziehe ich strikte Konsequenzen.
Wie werden Sie von Ihren Mitarbeitern gesehen?
Ich werde schon als Chef gesehen, also mit gewissem Respekt. Man sagt, daß ich nicht gleichmäßig arbeite, aber auch nicht nachtragend bin und mich für meine Fehler entschuldige.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Erstens, nicht Probleme zu sehen, sondern Lösungen und Probleme als Herausforderungen zu verstehen. Zweitens, sowohl örtlich als auch geistig flexibel zu sein, das heißt Sprachen zu beherrschen und daher schon in der Schule möglichst viele Sprachen zu belegen. Drittens, keine Wissensvermittlung abzulehnen, man weiß nie, wann man es wieder brauchen kann. Es gibt kein Wissen, das man umsonst lernt.