Zum Erfolg von Oliver Sonnbichler
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg hat für mich nur sehr bedingt etwas mit Geld zu tun. Finanzieller Erfolg ist mir nur insofern wichtig, als ich ihn benötige, um weiterzumachen und leben zu können. Im Moment treibt mich die Tatsache an, daß sich mein Unternehmen zu einer großen, sehr professionell agierenden Organisation entwickelt. Ich konnte mich in den letzten zehn Jahren vom Einzelkämpfer in eine Liga hocharbeiten, in der ich erstmals die reelle Chance habe, an große und bedeutende Projekte heranzukommen. Erfolg liegt für mich im wesentlichen darin, solche Projekte zu realisieren und geistig anspruchsvolle Volumina zu bewegen.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner persönlichen Definition sehe ich mich heute als erfolgreich, weil ich bisher viel erreicht habe und mit meiner Entwicklung zufrieden bin. Ich stamme aus bescheidenen Verhältnissen und konnte meine Visionen aus eigener Kraft umsetzen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Eine meiner persönlichen Stärken ist meine Vielseitigkeit, die sich auch in der Firmenphilosophie widerspiegelt. Ich habe mich aufgrund meiner Tätigkeit in Großbüros zur Selbständigkeit entschlossen, weil ich dort 70 Prozent meiner Zeit dafür verwendete, interne Grabenkämpfe auszufechten und mich mit belastenden Dingen beschäftigen mußte, während mir für die eigentliche Projektarbeit nur mehr 30 Prozent meiner Arbeitszeit blieben. Da ich das Gerangel irgendwann satt hatte und effizient arbeiten wollte, beschloß ich, mein eigenes Unternehmen zu gründen, in dem sich meine Geradlinigkeit und Ehrlichkeit nun bewähren. Ausschlaggebend für meinen Erfolg ist meine Selbstdisziplin, aber auch meine Fähigkeit, meine Stärken und Schwächen genau einschätzen zu können: Bereiche, in denen ich mich nicht besonders wohlfühle, wie zum Beispiel die Akquisition, delegiere ich an andere, um mir selbst einen Freiraum zu schaffen, innerhalb dessen ich gute Arbeit leisten kann.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Wenn es zu einem Problem kommt, gehe ich sehr direkt darauf zu und versuche es rasch zu lösen. Ich habe kaum Probleme mit Kunden und Partnern, weil ich mich jedem gegenüber fair und ehrlich verhalte. Wenn ich eine Entscheidung treffen muß, lasse ich mir dafür längstens einen Tag Zeit und gehe in der Lösungsfindung sehr analytisch vor. Sehr gern bespreche ich mich vor Entscheidungen mit dem Verantwortlichen für das jeweilige Fachgebiet, der Entschluß selbst liegt aber in jedem Fall bei mir.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ich achte bei Bewerbungsgesprächen nicht auf Referenzen oder Arbeiten, sondern beurteile den Kandidaten aufgrund seiner sozialen Kompetenz. Das wichtigste Kriterium ist für mich Teamfähigkeit, weil man sich fachliches Wissen relativ schnell aneignen kann, sofern man dazu gewillt ist. Da ich neuen Mitarbeitern einen sehr hohen Vertrauensvorschuß gewähre, erwarte ich von ihnen auch Loyalität und absolute Ehrlichkeit.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
In meinem Unternehmen gibt es sehr flache Hierarchien, und Leistungen werden nicht unter meinem Namen, sondern unter dem Namen des Teams verkauft. Auch können meine Mitarbeiter sehr eigenverantwortlich und eigenständig agieren und genießen zahlreiche Freiheiten.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Wir bieten unseren Kunden kompromißlose Dienstleistung, agieren völlig transparent und sind bemüht, durch hohe Ethik Grundvertrauen zu schaffen. Wichtig ist mir langfristige Zusammenarbeit mit meinen Kunden, die zum großen Teil immer wieder auf mich zukommen und mein Unternehmen weiterempfehlen.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich trenne die beiden Bereiche strikt: Wenn ich die Tür zum Büro hinter mir schließe, legt sich bei mir quasi ein Schalter um, ich bin dann nicht mehr Unternehmer, sondern Privatmensch.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich kann nur jedem jungen Menschen raten, jenen Beruf zu ergreifen, der ihn wirklich interessiert. Als ich Architektur studierte, riet mir mein Umfeld davon ab, weil ich damit angeblich keine Berufsaussichten hätte - eine Befürchtung, die sich nicht bewahrheitete. Ich halte es für völlig sinnlos, ein Studium nur zu absolvieren, weil man mit dem Abschluß glänzende Aussichten auf ein hohes Gehalt hat. Jemand, der seine Tätigkeit grundsätzlich gern ausübt, wird darin auch erfolgreich, wenngleich es auch nicht permanent Spaß machen kann. Wesentliche Erfolgsfaktoren sind Flexibilität und die Bereitschaft, Chancen anzunehmen, die sich einem bieten - und zwar mit aller Konsequenz. Ich selbst entschied mich binnen drei Tagen, Graz zu verlassen und nach Wien zu übersiedeln, weil ich hier ein interessantes Angebot hatte, obwohl ich eigentlich nie vorgehabt hatte, in Wien zu leben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich bin ein Mensch, der sich stets neue Ziele steckt und Visionen nachgeht, anstatt sich auf dem Erreichten auszuruhen. Permanente Bewegung und Weiterentwicklung ist für mich wesentlicher Bestandteil eines positiven Lebensgefühls.