Zum Erfolg von Thomas Peter Kraus
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, eine Tätigkeit auszuüben, die meinen persönlichen Stärken entspricht und mich erfüllt. Dieser Faktor ist einerseits als Erfolg anzusehen und führt andererseits zum Erfolg, weil man gut macht, was man gerne macht.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition sehe ich mich im Moment durchaus als erfolgreich, obwohl der Begriff Erfolg für mich keinen allzu hohen Stellenwert einnimmt. Vor allem ist Erfolg immer eine Frage des Maßstabes und hängt auch damit zusammen, mit wem man sich vergleicht.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ausschlaggebend für meinen Erfolg waren meine solide Ausbildung und meine berufliche Erfahrung. Ich bin ein Mensch, der sich Ziele steckt und diese sehr konsequent verfolgt, ohne sich von Schwierigkeiten abschrecken zu lassen - meine Ausbildung zum CFA war, bei einer Drop-out-Rate von über 50 Prozent, hart, aber ich wollte sie in jedem Fall abschließen und arbeitete dementsprechend intensiv daran, dieses Ziel zu erreichen. Für mich persönlich war auch meine Auslandstätigkeit in London sehr wichtig, weil ich in diesem Rahmen lernte, mich selbst zu organisieren und mich abzunabeln. Von großer Bedeutung ist schließlich auch die Freude an meiner Tätigkeit. Ich fühle mich in meinem beruflichen Umfeld wohl und bin meiner Fähigkeiten gemäß an der richtigen Stelle eingesetzt, daher macht mir meine Arbeit tatsächlich Spaß.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Ich habe mich nie an einer Person orientiert, obwohl mich einzelne Eigenschaften und Fähigkeiten mancher Menschen so beeindruckten, daß ich versuchte, sie für mich umzusetzen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Mitarbeiter, die innerhalb des Unternehmens strategisch handeln und stets auf ihre Positionierung gegenüber den Kollegen bedacht sind, halte ich für wenig erfolgversprechend, wobei es in österreichischen Großbanken durchaus Usus ist, sich Möglichkeiten offenzulassen und achtgeben zu müssen, wem man was sagt. Ich will mit keinen Mitarbeitern zusammenarbeiten, die gezielt nach Schwächen anderer suchen, um sich selbst als Alternative zu präsentieren, sondern mit einem Team, das sich in den Dienst des Unternehmens stellt. Der Erfolg des gesamten Unternehmens steht und fällt mit dem Einzelnen, der seine Interessen möglicherweise zurückstellen muß, dafür aber langfristig belohnt wird.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Wir unterscheiden uns von sehr vielen Mitbewerbern durch die Beschränkung auf ein einziges Geschäftsfeld, nämlich die Verwaltung von Vermögen, also Investmentmanagement. Durch diese Konzentration auf einen Bereich entstehen einerseits keine Interessenskonflikte, andererseits sind wir in unserem Bereich höchst kompetent. INVESCO beschäftigt insgesamt 7.000 Mitarbeiter, die als Spezialisten dieses eine Geschäftsmodell umsetzen. Unsere Kunden können sich nicht nur auf höchstes Fachwissen, sondern auch auf Unabhängigkeit verlassen, da wir keine strategischen Beteiligungen mit anderen Banken eingehen. INVESCO ist der größte börsenotierte Vermögensverwalter, der sich ausschließlich mit Investmentmanagement befaßt, die Aktien sind breit gestreut und befinden sich zu 30 Prozent im Besitz von Management und Angestellten, kein anderer Aktionär hält mehr als fünf Prozent des Unternehmens.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich übe keinen Job von neun bis fünf aus, der mich nicht mehr beschäftigt, sobald ich die Tür hinter mir geschlossen habe, und daher ist es wichtig, das Einverständnis meiner Familie zu erhalten. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder, meine Familie ist aber mit meinem beruflichen Engagement vertraut, da ich meine Frau während des Studiums geheiratet habe. Generell kann ich die beiden Bereiche nicht trennen, weil ich mich weder ausschließlich über mein Privatleben, noch über meinen Beruf definiere. Eine zeitliche Trennung ist aber selbstverständlich notwendig, obwohl die Grenzen fließend sind.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Um erfolgreich zu sein, benötigt man eine umfassende und gute Ausbildung, die auch durch jahrelange Praxis nicht ersetzt werden kann, denn das so erworbene theoretische Wissen ist Grundlage für alle weiteren Schritte im Berufsleben. Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, daß man alles lernen kann, was man will - mit Ausnahme des künstlerischen und sportlichen Bereiches, in dem man, ohne über das nötige Talent zu verfügen, irgendwann an seine Grenzen stößt. Im wirtschaftlichen und sozialen Bereich jedoch kann man mit Ausdauer und Konsequenz allerdings vieles Erreichen. Wesentlich ist dabei der persönliche Einsatz, denn wer nur darauf wartet, daß etwas passiert, wird auch nichts erreichen.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich glaube nicht wirklich an die Sinnhaftigkeit von operationalen Zielsetzungen, weil ich der Ansicht bin, daß viele Menschen zuviel Zeit für die Planung ihrer Ziele verwenden und zuwenig für die Momentansteuerung. Natürlich habe ich bestimmte Vorstellungen, die ich verwirklichen möchte, allerdings halte ich nichts davon, mir Fünf-, Zehn- oder 15-Jahresziele zu stecken, weil zu detaillierte Zielsetzungen nicht nur einengend sind, sondern auch die Energie rauben, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und Flexibilität wegnehmen. Meine Ziele bestehen darin, mich persönlich wie auch beruflich weiterzuentwickeln und in dieser zukunftsträchtigen Branche tätig zu bleiben.