Zum Erfolg von Nikiforos Kantidis
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, daß mich die Menschen dort, wo ich lebe und arbeite, als Mensch und Spezialisten schätzen. Ein sehr schöner Erfolg für mich ist, daß ich es schaffte, im Ausland Fuß zu fassen und Stammkunden habe, die mir seit 20 Jahren die Treue halten.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich bin erfolgreich, weil ich mich als erfolgreich wahrnehme. Das Gefühl an sich entscheidet, ob man erfolgreich ist oder nicht. Ich sehe mich auch deshalb als erfolgreich, weil ich es schaffte, mich in diesem Land zu integrieren und mir eine Firma aufzubauen.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ausschlaggebend für meinen Erfolg waren meine Deutschkenntnisse, mein fachliches Know-how und das zwischenmenschliche Vertrauen, das ich erlangte. Voraussetzungen für den Erfolg sind Offenheit, vorurteilsloses Handeln und Fachwissen. Sehr wichtig war auch meine Kraft und Zuversicht, um über schwierige Zeiten hinwegzukommen.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich schaffte es erst in Österreich, meine Berufung zu finden, und ab da empfand ich mich als erfolgreich.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
1977 stand ich vor der großen Entscheidung, in Österreich zu bleiben oder wieder in mein Heimatland Griechenland zurückzukehren. Da ich mir gemeinsam mit meiner Frau in Österreich ein neues Leben aufgebaut hatte, entschied ich mich, hier zu bleiben und habe es nie bereut.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche ungelöst? Wir haben, bedingt von Industrie und Politik, sehr große Probleme in unserer Branche. Ein Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern wird unterstützt, das kleine Handwerksunternehmen jedoch vernachlässigt. Die Handwerker haben immer Lehrlinge ausgebildet und ihnen ethnische und moralische Grundsätze beigebracht, daher waren die Handwerker immer die Pufferzone zwischen der oberen und der unteren Gesellschaftsschicht und somit die Stütze des Staates und dessen Wirtschaft. Diese Stütze ist jetzt nur mehr zum Teil gegeben. In den Achtzigern begann der Staat die großen Unternehmen zu stützen und weniger Rücksicht auf die Handwerker zu nehmen. Das Hauptproblem der Branche ist, daß die neuen Materialien die Menschen zum Glauben veranlassen, daß jeder halbwegs handwerklich geschickte Mensch in der Lage ist, unsere Arbeit zu verrichten. Die Werbung ist so ausgerichtet, daß ein Mann nur dann ein Mann ist, wenn er das Handwerk beherrscht. Es ist vollkommen egal, ob ein Auto zu reparieren oder eine Wand zu tapezieren ist, die Menschen glauben nicht mehr an die Sinnhaftigkeit der Professionisten. Es muß ihnen bewußt gemacht werden, daß wir 20 Jahre oder mehr Erfahrung sammeln mußten, um unsere Arbeit vollbringen zu können. Meine tägliche Arbeit wird in manchen Geschäften den Menschen kostenlos zur Verfügung gestellt, daher kommen dann Kunden zu mir und erregen sich, wenn man für seine Dienstleistungen etwas verlangt. Sehr schwierig ist es auch, alte Materialien zu finden, da diese kaum noch gefragt sind. Die Kunden wissen manchmal gar nicht, daß sie antiquarische Möbel haben, die sie durch die Polsterung mit neuen Materialien in die Wertlosigkeit verdammen.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich selbst bin stolz auf meinen Beruf und darauf, daß ich mich als Mensch weiterentwickeln konnte. Einem jungen Menschen würde ich raten, sich zu seinem Beruf zu bekennen. Außerdem sollten sich mehr Menschen aus der Sicherheit eines Angestelltenverhältnisses lösen und sich selbständig machen. Das Unternehmertum am Wochenende ist jedoch nicht das, was ein Land braucht. Ich hoffe, daß viele junge Menschen den Mut und das Verantwortungsgefühl finden, sich offiziell selbständig zu machen. Es stimmt, das Unternehmertum ist ein dorniger Weg, aber wenn man sich selbst erkennt, weiß man was und wie man es machen kann. Kleine Unternehmen sollten sich auf ihre Familie besinnen und sich gemeinsam weiterentwickeln. Nur so ist die Chance auf ein gesundes Kleinunternehmertum gegeben.