Zum Erfolg von Charly Kahr
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Als Trainer hat man nie allein Erfolg - man braucht die Mannschaft dazu, man braucht die Kollegen, die Servicemannschaft und den Skiverband. Wenn man es schafft, all diese verschiedenen Komponenten zu vereinen, hat man vielleicht Erfolg. Erfolg ist das, was man aufgrund der Arbeit aller Beteiligten zustandebringt. Mein Erfolg bestand vor allem darin, jene Menschen gesund nach Hause zu bringen, die mir von ihren Eltern anvertraut wurden. Mein größter Erfolg liegt heute darin, eine glückliche Familie zu haben, gesund zu sein und meinen Hobbys nachgehen zu können.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich war nie ein Mensch, der viel über Erfolg nachgedacht hat. Ich traf meine Entscheidungen bislang sehr spontan, und rückblickend waren sie richtig, selbst wenn sie manchmal sehr hart und schmerzhaft waren.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Nicht die Erfolge, sondern meine Niederlagen haben mich geformt. Wichtig war für mich die Erkenntnis, daß es auch im Leben eines Sportlers mehr gibt als die Beschäftigung mit dem Sport, ebenso wesentlich jene, daß es ohne Team unmöglich ist, erfolgreich zu werden. Von großer Bedeutung war meine reiche Erfahrung in meinem Bereich, die ich an meine Mannschaft weitergab. Gemeinsam mit meinem Co-Trainer Heinz Stoll, mit dem ich acht Jahre auf engstem Raum zusammenwohnte und -arbeitete, dachte ich nächtelang über Verbesserungsmöglichkeiten nach, um Perfektion zu erreichen. Im Trainingsbereich selbst setzte ich Akzente, die einschneidende Veränderungen bedeuteten und dem Team großen Erfolg brachten.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich bin ein sehr geradliniger Mensch und verfolgte meinen Weg ausdauernd, auch wenn ich Niederlagen erlebte, an denen andere vermutlich gescheitert wären.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich tendierte nie zur Imitation, sondern versuchte aufgrund meiner eigenen Erfahrungen Fehler zu vermeiden. Da ich mich selbst in meiner aktiven Laufbahn als Rennläufer relativ oft verletzte, wollte ich später als Trainer alles zu tun, um Verletzungen meiner Mannschaft zu vermeiden. Ich las sehr viele Psychologiebücher, aber nicht so sehr, um neue Erkenntnisse zu gewinnen, sondern eher, um mein Gespür oder meine Intuition bestätigt zu sehen und sicher zu sein, daß ich alles richtig gemacht hatte.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Ich genieße im In- und Ausland großes Ansehen, weil ich mich immer fair und ehrlich verhalten habe. Mit Anerkennung bin ich immer sehr bescheiden geblieben: ich habe in meinem Leben viel erreicht, worauf ich stolz bin, aber ich bilde mir nichts darauf ein und bin für mein Umfeld der gleiche Mensch geblieben.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Wichtig waren für mich fachliche Eignung, soziale Kompetenz, Korrektheit und Zielstrebigkeit.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wichtig war mir immer die Kameradschaft zu meinen Kollegen und den Sportlern. Mich brauchte nie jemand mit Sie anzusprechen, und wenn es harte Aussprachen gab, waren sie niemals einseitig. Ich war mit meinen Mitarbeitern immer gut befreundet, büßte deshalb aber nichts an Autorität ein, die wichtig ist, wenn man ein guter Teamführer sein will. Ein wesentlicher Faktor ist das grundsätzliche Vertrauen, das auf korrektem Verhalten basiert.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Der Golfplatz, den ich betreibe, wurde als einer der besten Österreichs ausgezeichnet, die Planung übernahm kein Geringerer als der Weltklassegolfer Bernhard Langer. Er ist so konzipiert, daß er nicht nur sportliche, sondern auch touristische Anforderungen erfüllt.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Für den Erfolg sind sowohl das Elternhaus, als auch das spätere private Umfeld von großer Bedeutung. Man braucht ein funktionierendes und stimmiges Familienleben, um beruflich erfolgreich sein zu können, das Schlimmste ist, von seinen beruflichen Erfolgen abhängig zu sein und kein seelisches Zuhause zu haben.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich konnte durch Begegnungen mit verschiedenen Fachleuten und Wissenschaftlern sehr viel lernen und erfolgreich anwenden, beispielsweise im medizinischen Bereich, aber auch in technischer Hinsicht. Ich ließ mir nie etwas einreden, nahm Ideen aber an, wenn mich jemand davon überzeugen konnte. Das meiste lernte ich durch genaue Beobachtung und Analyse, die es mir ermöglichte, Fehler zu erkennen und Verbesserungen einzubringen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Jeder Mensch braucht Ziele, die aber nicht unrealistisch oder zu hoch sein dürfen. Mein Ziel war es beispielsweise, nach Beendigung meiner Trainerkarriere einen Golfplatz zu bauen, und ich konnte es realisieren, weil ich mit aller Konsequenz daran arbeitete. Sport erfordert Disziplin und eine gewisse Härte, das möchte ich jedem jungen Sportler mitgeben.