Zum Erfolg von Barbara Kamler-Wild
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, etwas Sinnvolles zu leisten, mich selbst fordern zu können, von außen nicht bestimmt zu sein, selbständig das zu tun, was mir großen Spaß bereitet, und dabei Anerkennung zu erhalten. Für mich bedeutet es vor allem Erfolg, wenn ich über dritte Personen Lob von Klienten über mich erfahre.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition sehe ich mich als erfolgreich. Allerdings war auch das Glück ein wichtiger Bestandteil meines Erfolges. Als ich mich entschloß, selbständig zu agieren, eröffneten sich mir viele Chancen.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich hatte immer Glück mit dem Timing in Hinsicht auf berufliche Veränderungen. Ich erkannte, daß es einen großen Bedarf an objektiver Information gab und gibt. Bei meiner Arbeit vereinbare ich das Wissen des Kunsthandels, was die Werte der Objekte betrifft, und das seriöse wissenschaftliche Arbeiten, das in den Museen praktiziert wird. Das ist der Maßstab, den ich meinen Recherchen zugrunde lege. Wichtig ist, daß ich dieses Wissen über kunsthistorische Bedeutung und Wert am Kunstmarkt zur Verfügung stelle, ohne mit Kunst zu handeln. Man muß die Chancen, die sich einem bieten, erkennen und sie auch nützen. Ein Netzwerk von Kontakten, das man sich aufbaut, hilft einem in vielen Bereichen weiter. Gesellschaftliche Anlässe sind für mich immer eine Möglichkeit, neue Kontakte zu knüpfen. Ich bin Mitglied in einem Rotary Club, und diese Mitgliedschaft sehe ich als wichtigen Beitrag in der Bemühung, erfolgreiche Frauen im Berufsleben des 21. Jahrhunderts eine Selbstverständlichkeit werden zu lassen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich lasse alles mit Gelassenheit auf mich zukommen, dann agiere ich.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Natürlich, Frauen müssen heute noch wesentlich besser und perfekter sein als Männer, um sich zu behaupten. Der Vorteil, aber auch ein Nachteil der Frauen liegt darin, daß wir viele Arbeiten auf uns nehmen, für die sich Männer zu schade sind und die sie mit großer Selbstverständlichkeit delegieren. Die Vermarktung der eigenen Person fällt den Frauen zudem viel schwerer als den Männern.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als mir der geglückte Sprung von der pragmatisierten Beamtin zur Selbständigkeit gelang.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Meine Mutter gab mir sehr viel Selbstvertrauen. Für sie gab es keinen Unterschied zwischen meiner Erziehung und der meiner Brüder. Auch heute noch ist sie meine größte Unterstützerin, aber auch meine strengste Kritikerin. Für meine spezielle Ausbildung war meine Zeichenprofessorin im Gymnasium, Ilse Hudetz, ausschlaggebend. Ihr habe ich meine mein kunstgeschichtliches Grundwissen zu verdanken, von ihr habe ich die Begeisterung für dieses Fach. Sie hat mir damit meinen Weg vorgebahnt, wofür ich ihr sehr dankbar bin.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich habe einen wunderbaren Mann, der mich in all meinen Belangen unterstützt, mir aber auch den nötigen Freiraum läßt, den ich für meine Tätigkeit benötige.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich lerne ununterbrochen, lese die Texte der Ausstellungskataloge, der Fachzeitschriften, wie wenn ich darüber Prüfungen abzulegen hätte, studiere jedes Bild, jede Skulptur eingehend, weil ich nicht weiß, ob ich nicht am nächsten Tag ein ähnliches Stück zu bestimmen habe.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Um sich den heutigen Herausforderungen stellen zu können, muß die junge Generation Flexibilität besitzen und sich präsentieren können.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich wünsche mir nur die Weiterentwicklung meiner Tätigkeit, da ich mit dieser sehr glücklich bin.
Ihr Lebensmotto?
Carpe diem, aber alles mit leichter Hand.