Zum Erfolg von Günther Schneider-Siemssen
Was bedeutet für Sie Erfolg? Für mich gibt es 3 Erfolge: Wenn ich meine Visionen und Ideen verwirklichen kann. Wenn das Publikum davon begeistert ist. Mein Erfolg ist meine Begegnung mit Herbert von Karajan und die Möglichkeit, eine Musik-Theater Epoche mit ihm zusammen gestaltet zu haben.
Was sind die Voraussetzungen für den Erfolg? Die Wahrheit zu entwerfen und durch aufopfernden Fleiß diese Wahrheit zu verwirklichen. Alles, was unecht ist, ist nur eine Zeitblüte, die keinen bleibenden Wert hat. Zum Erfolg kommt man durch Selbstdisziplin, durch das Dienen am Werk. Ich bin kein Anhänger des senkrechten Startes. Solche Menschen absolvieren Ihre Erfolge oder Mißerfolge gleich an den großen Bühnen. Ich habe alles Schritt für Schritt gelernt, ich beherrsche das ganze Repertoire von der Antike bis zur Avantgarde.
Kennen Sie Rückschläge? Eigentlich nicht . Als ich mit 14 Jahren von der Musik zu bildenden Kunst wechselte, war das kein Rückschlag, sondern eine Erkenntnis. Alles, was ich gelernt habe, wird in meine Arbeit integriert. Wenn nach 25 Jahren der Arbeit an der "MET" in New York plötzlich keine Aufträge kommen, dann ist zu untersuchen, ob man es als Rückschlag ansehen muß, oder als schöpferische Vollendung einer Epoche.
Haben sich Ihre Erfolgsvorstellungen im Laufe der Zeit geändert? Jeder Künstler im fortgeschrittenen Alter erlebt, daß die Aufträge nicht so oft wie früher kommen. Das ist aber eine normale Evolution. Wichtig ist, was ich selber will, heute kann ich bewußt sagen: "Weniger ist mehr". Ich habe alles erreicht, was ich wollte. Sich oben zu halten ist schwieriger, als hinaufzukommen, aber mir ist es bis heute gelungen. Ich kann mein Wissen nicht mit ins Grab nehmen, deswegen unterrichte ich schon seit mehr als 25 Jahren an der Sommerakademie in Salzburg. Die Erfolge meiner Schüler machen mich glücklich.
Wie erfahren Sie Anerkennung von außen? Wenn ich in Salzburg über den Mozartsteg zum Festspielhaus gehe, brauche ich heute statt 7 Minuten 40, da ich ununterbrochen von Menschen angesprochen werde. Wenn so eine Persönlichkeit wie Herbert von Karajan mit mir 25 Jahre arbeitete, oder Otto Schenk mit mir über 50 Produktionen machte, dann ist es wohl eine Anerkennung. Die Anerkennung erfährt man auch über die Weltpresse, wobei ich sagen muß, daß ich gute Kritiken nicht so sehr schätze und daß mir schlechte Kritik noch nie geschadet hat. Über mich haben bereits 5 Autoren geschrieben und für einen Bühnenbildner ist das sehr rar. Auf jeden Fall kann ich sagen: "Umsonst habe ich nicht gelebt".
Woher schöpfen Sie Ihre Kraft?
Aus der Musik und aus meiner Kreativität. Die Einfälle kommen überall: am WC, im Schlafwagen, im Flugzeug oder in der Gesellschaft. Ideen kommen mir auch während Gesprächen mit Regisseuren, wo dann ein "Ping-Pong" Spiel beginnt und zum Schluß weiß ich nicht mehr, ob die Idee von mir, oder vom Regisseur war. Da die Opernproduktion ein Gesamtkunstwerk ist, ist das auch nicht schlecht.
Welche Rolle spielt Ihre Familie in Ihrem Leben? Die Familie spielt bei mir eine große Rolle. Leider ist ein Künstler oft von zu Hause weg, aber meine Premieren erlebe ich alle mit meiner Familie. Wenn ich arbeite, gehe ich in mein Atelier, welches von der restlichen Welt durch ein Gitter getrennt ist. Meine Kinder können trotzdem immer mit ihren Problemen zu mir ins "Gefängnis" kommen. Wir verbringen die Ferien immer mit der Familie und in unserem Landhaus bei Salzburg sind auch immer alle Familienmitglieder zusammen.
Ihr Lebensmotto?
Sehr auf die Gesundheit achten und nie den Humor verlieren, denn der kann einem aus verschiedenen heiklen Situationen retten.