Zum Erfolg von Erhard Ferstl
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, die Freiheit zu haben, mir meine Zeit und mein Leben selbständig einteilen zu können. Geld brauchen wir alle, doch wichtiger ist der Spaß an der Arbeit. Daß ich es mir leisten kann, zum Beispiel drei Tage lang nicht ans Telefon zu gehen, sehe ich persönlich als Erfolg an. Der finanzieller Erfolg ist für mich nicht vorrangig.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ich sehe mich als nicht unerfolgreich, aber ich bin eher ein introvertierter Typ und mache daher nur wenig Öffentlichkeitsarbeit, nicht zuletzt, weil ich viele vertrauliche Tätigkeiten ausführe. Die Anerkennung von außen bedeutet mir nicht viel, ich lege keinen Wert darauf, von anderen als erfolgreich angesehen zu werden.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Man muß mit sich selbst umgehen können und erkennen, was für einen selbst richtig ist. Oft wußte ich nicht weiter, meine Lage erschien aussichtslos, dennoch liebte ich meinen Beruf immer, und ich möchte keine Minute meiner Arbeit missen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Ich kann rationell arbeiten. Zuerst analysiere ich eine Aufgabe, dann schlafe ich darüber, dann analysiere ich sie noch einmal. Erst dann schreite ich zur Tat. Dadurch spare ich viel Zeit und Energie.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich konnte mein Studium sehr schnell abschließen, obwohl ich zu dieser Zeit ein lockeres Studentenleben führte. Damals erkannte ich, daß ich viel würde erreichen können und fühlte mich zum ersten Mal erfolgreich.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Originalität ist besser. Man kann Erfolg nur transportieren, wenn man von dem, was man tut, überzeugt ist. Man kann sich natürlich einiges abschauen, aber wenn man jemand anderen komplett kopiert, dann wird das schiefgehen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Mein Vater prägte mich sehr mit seiner Erziehung. Er war ein erfolgreicher Mann und sehr konsequent in der Erziehung. Er war ein Mensch mit einer unglaublichen Energie. Heute habe ich wahrscheinlich eine große Ähnlichkeit mit ihm. Er war, wie ich, ein sehr spontaner Mensch, der nie zauderte. Dadurch fielen manche Entscheidungen vielleicht zu schnell, sowohl bei ihm als auch bei mir. Es ist in meiner Branche aber oft notwendig, schnelle Entscheidungen zu treffen. Richtig beeinflussen konnte mich eigentlich nie jemand, ich traf meine Entscheidungen immer selbst.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich werde skeptisch betrachtet, weil ich nicht in normalbürgerliche Schemen passe. Ich bin für meine Mitmenschen schwer greifbar und werde vielleicht als bunter Hund bezeichnet. Ich bin vielen meiner Mitmenschen suspekt, weil keiner so genau weiß, was ich eigentlich tue.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Meine Mitarbeiter sind für mich vollwertig anerkannte Partner, die gleichwertig sind. Jeder muß seine Arbeit erbringen. Der kleinste Handwerker ist genauso wichtig wie ein wichtiger Kooperationspartner, ansonsten würde das Gesamtgeschäft nicht funktionieren.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Am meisten Wert lege ich darauf, daß meine Mitarbeiter leistungswillig sind, die Qualifikation ist mir nicht so wichtig.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Man muß seine Mitarbeiter als gleichwertige Wesen akzeptieren und das Gespräch mit ihnen suchen. Man muß immer den Überblick bewahren und alle Vorgänge selbst kontrollieren. Nur delegieren und anschaffen alleine funktioniert meistens nicht.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Mittlerweile funktioniert das Nebeneinander von Beruf und Privatleben sehr gut, früher war es oft problematisch, wobei das Zeitproblem das vorrangigste war. Obwohl ich nie ein Workaholic, war blieb mir früher oft zu wenig Zeit. Wenn ich heute mein Büro verlasse, vergesse ich auch meine beruflichen Sorgen, das gelingt mir mittlerweile sehr gut. Ich kann mich gut entspannen, wobei ich diese Fähigkeit erst lernen mußte.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Es soll einem keine Arbeit zu minder sein. Ich denke, wir reden die Wirtschaft krank, die Situation ist gar nicht so schlecht, wie ständig behauptet wird.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich habe noch in unmittelbarer Zukunft einige Projekte geplant: Ich möchte mich mit dem Vertrieb eines neuen Reinigungsmittels beschäftigen, das Kohlenwasserstoffe auflösen kann. Leider ist dieses Produkt noch schwer zu verkaufen, weil keiner glaubt, daß es ein derartiges Mittel gibt, ebenso Entwicklungen im Immobilienbereich.
Ihr Lebensmotto?
Zufrieden aufstehen und am Abend glücklich schlafen gehen!