Zum Erfolg von Elisabeth Mayer
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist, wenn ich mit dem, was ich herstelle, anderen Menschen eine Freude machen kann, und zwar nicht nur kurzzeitig, sondern über Jahre hinweg. Wir haben nur Stammkunden.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Vor allem Fleiß und Ausdauer sowie die Tatsache, daß meine Produkte den Kunden perfekt gepaßt haben und immer in Ordnung waren.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Anfangs, als ich das Geschäft von Herrn Schranz übernahm, war das sicher der Fall. Aber die Kunden haben sich bald an mich gewöhnt. Ich komme ohnehin besser mit Männern aus.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Das war meine Mutter. Mein Vater fiel im Krieg, und meine Mutter war in der Folge allein mit uns vier Kindern. Sie nähte auf einer alten Singer-Fußtrittmaschine Kleidung für uns und für andere Leute, damit hat sie uns ernährt. Ich wollte eigentlich Friseurin werden, aber meine Mutter sagte immer zu mir: Solltest du einmal Kinder haben und Dein Mann stirbt, kannst Du zuhause bleiben und die Kinder ernähren. Das hat mich zu meinem Beruf gebracht.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Das Lob, das der Kunde ausspricht, weil er zufrieden ist.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Die Hemdenschneiderei ist heutzutage kaum mehr bekannt. Früher gab es in München rund 80 in der Schneiderinnung eingetragene Betriebe, heute sind es höchstens vier. Daß Oberbekleidung auch aus dem besteht, was man unter dem Anzug trägt, beachtet heute kaum jemand, Herrenwäsche ist ins Hintertreffen geraten. Die Männer tragen leider die Massenware Polohemd und sehen damit fast alle gleich aus. Ein geschneidertes Hemd, und sei es ein altes, bei dem man die Ärmel auf Dreiviertel-Länge kürzt, sieht doch viel individueller und stilvoller aus.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Eine ganz entscheidende. Ein schöner Kragen ist das A und O an einem Hemd, weil man nur diesen Teil des Hemds sieht, wenn der Mann ein Jackett trägt. Da müssen meine Mitarbeiterinnen viel Geduld und Fingerspitzengefühl aufbringen.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Genauigkeit, Pünktlichkeit und das Eingehen auf die Besonderheiten der Figur des Kunden.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich bin natürlich sehr viel im Geschäft, aber am Wochenende gönne ich mir Freizeit. Im Sommer und nach Weihnachten sperre ich das Geschäft jeweils zwei Wochen zu und fahre in Urlaub.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Man soll in der Schule gut sein und dann einen Beruf erlernen. Außerdem sollte man fleißig sein, offen und ehrlich. Man kommt mit der Wahrheit im Leben immer weiter, auch wenn es manchmal unangenehm ist. Ich möchte auch einen Rat weitergeben, den meine Mutter mir immer gegeben hat: Unangenehmes soll man gleich in der Früh erledigen, dann bleibt viel mehr Energie für das Schöne an der Arbeit.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mit den Zielen, die ich erreicht habe, bin ich vollkommen zufrieden. Ich habe mir nie hochtrabende Ziele gesteckt, ich hätte zum Beispiel nie gedacht, daß ich einmal ein eigenes Geschäft haben würde, und bin sehr glücklich damit. Ich befinde mich bereits im Rentenalter, aber ich mache weiter, solange es mir gefällt. Ob ich einmal einen Nachfolger finde, weiß ich nicht. Schön wäre es schon.
Ihr Lebensmotto?
Geh' immer den geraden Weg!