Zum Erfolg von Anneliese Knapp
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet für mich, daß der Kunde gern wiederkommt, mich weiterempfiehlt, daß ich meinen Kundenstamm zu halten imstande bin und diesen idealerweise auch um neue Kunden erweitern kann. Dies ist ein sicheres Indiz, daß man es richtig macht.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Im Sinne meiner Definition erachte ich mich schon als erfolgreich.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ganz sicher die Liebe zum Beruf. Ich übe ihn einfach gern aus, und er macht mir Spaß. Ich bin gewissermaßen auch außerhalb der Geschäftszeiten für meine Kunden da. Um ein anschauliches Beispiel zu nennen: Einer meiner Kunden hat den Geburtstag seiner Frau vergessen, hat mich dann am Sonntag um halb sechs Uhr morgens angerufen, um in allerletzter Minute doch noch ein Geschenk für seine Frau zu bekommen. Natürlich habe ich ihn seinen Herzenswunsch erfüllt. Dies bedeutet für mich einerseits Kundendienst, andererseits auch eine besondere Anerkennung.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Anerkennung kann ich täglich erfahren. Wenn der Kunde zufrieden aus dem Geschäft spaziert, ist dies die schönste Anerkennung für mich.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Es gäbe Nachholbedarf bezüglich der Sicherheit, doch dies müßte gemeinsam angepackt werden. Es gibt ein flächendeckendes Informationssystem, um potentielle Geschicklichkeitsräuber allen Juwelieren mit einem einfachen Signal zu melden. Es fehlt jedoch die Bereitschaft, sich mit diesem System auszustatten und sich so zusammen gegen derartige Diebstähle zu wappnen. Ich bin der Meinung, daß man damit einen großen Schritt für die Sicherheit aller Juweliere erreichen würde.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Ich habe keine Mitarbeiter, wobei ich dies auch so will. Ich bin, ehrlich gesagt, auch kein Teamarbeiter. Es ist doch oft so, daß einige wenige arbeiten und andere davon, in welcher Form auch immer, profitieren.Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens? Die Stärke meines Betriebes sind die fast durchgehenden Öffnungszeiten, der Kundenservice und eben meine Identifikation mit dem Betrieb.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Ehrlich gesagt erachte ich die Konkurrenz nicht als solche, sondern ich sehe sie einfach als Kollegen. Andererseits ist Konkurrenz auch gut, denn sie belebt den Markt. Konkurrenz stachelt an, beflügelt und kann somit sicherlich als positiv betrachtet werden.Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung? Ich bilde mich laufend fort. Dazu gehört, daß ich die neueste Fachliteratur lese oder etwa an spezifischen Treffen teilnehme. Weiters besuche ich auch Messen. Ich glaube, daß Weiterbildung nie aufhört, sondern sich durch das ganze Leben zieht. Hierbei sind natürlich eine gesunde Portion Neugier und Interesse unerläßlich. Erst kürzlich habe ich dadurch beispielsweise einen Stein entdeckt, der bisher hier nicht bekannt war und den auch mein Händler nicht kannte.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Ich rate allen jungen Leuten, von der Pike auf zu lernen. Ich halte wenig von jenen Leuten, die glauben, sich sofort hinter einen Managertisch setzen zu können. Viel wichtiger ist es, auch die so genannten kleinen oder undankbaren Arbeiten, die unweigerlich mit beinahe jedem Beruf verbunden sind, selbst auszuführen und so einen umfassenden Einblick zu bekommen und auch eine gewisse Demut zu erfahren. Dies merkt dann selbstverständlich auch der Kunde. Auch ich habe jahrelang jeden Tag mein Geschäft selbst geputzt. So beginnt man auch Menschen zu schätzen, welche mit solchen Arbeiten ihren Lebensunterhalt verdienen. Man bekommt einen ganz anderen Bezug zum Menschen, zur Arbeit, zu den eigenen Pflichten. Auch mein Vater war sehr streng, aber heute bin ich überzeugt, daß diese Strenge gut war und daß ich so die nötige Disziplin für den Beruf aufbringen kann.
Ihr Lebensmotto?
Meine Lebensphilosophie ist zum einen der Respekt vor dem Mitmenschen, den ich dann im Umkehrschluß auch meiner Person gegenüber erwarte, zum anderen bereite ich mir bewußt öfter selbst eine kleine Freude. Ich habe begonnen, mehr Zeit für mich selbst zu finden.