Zum Erfolg von Birgit Yoneda
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Aus meiner Perspektive ist Erfolg sehr mit Verantwortung verbunden. Man kann letztendlich Erfolg nur haben, wenn man mit anderen etwas erreicht. Schließlich braucht aber auch jedes Team eine Führung, was sich auch international gesehen immer differenziert gestaltet und dementsprechend austariert werden muß. Erfolg bedeutet für mich aber nicht Geld oder Macht in diesem Sinn. Erfolg ist, eine Position zu haben, die es einem erlaubt, das zu machen, was man möchte.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Ich denke, es war meine Fähigkeit, mich immer wieder anzupassen, immer wieder aus der Situation das Beste zu machen und alle auf einen Nenner zu bringen, damit wir alle gemeinsam ein Ziel erreichen.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Man sollte sich von gewissen Dingen, die einem passieren können, nicht aus der Ruhe bringen lassen, man sollte Abstand gewinnen und das Ganze von oben herab betrachten, was die Sache wieder klein macht. Man sollte sich nicht von Emotionen leiten lassen, sondern vom Verstand.
Ist es für Sie als Frau in der Wirtschaft schwieriger, erfolgreich zu sein?
Auf jeden Fall, das kann ich nur bestätigen. Man hört immer wieder, daß Frauen doppelt so gut sein müssen, und ich behaupte: das stimmt. Man hat als Frau zwar auch Vorteile, aber ein Nachteil ist, daß man im ersten Moment nicht ernst genommen wird. Ich arbeite in einer Branche, in der praktisch keine Frauen tätig sind, darüber hinaus hatte ich es noch mit Kulturen wie der arabischen und japanischen zu tun, die sehr stark von Männern dominiert werden. Mein Erfolgsrezept in dieser Hinsicht war es, mit guten Argumenten zu überzeugen. Man muß die Bereitschaft haben, sich darüber hinwegzusetzen, daß man eigentlich weiß, daß man nicht ernst genommen wird, und sich davon nicht beeindrucken lassen. Natürlich muß man das, was man verspricht, auch halten, dann erreicht man auch einen gewissen Status, der einem gewisse Freiheiten gibt.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Es ist ratsam, das zu nutzen, was man schon weiß, und darauf aufzubauen. Erfolg ist immer eine Eigenleistung, die man erbringen muß, aber es geschieht immer auch in Form einer Zusammenarbeit in einem Team, deshalb greift man auch auf die Erfahrung anderer zurück. Man sollte darauf hören, was andere zu einem Problem zu sagen haben, und diese Quelle der Inspiration nutzen. Es funktioniert meiner Erfahrung nach nur dann, wenn alle eine Entscheidung mittragen, denn wenn man immer nur allein entscheidet, wird man letztendlich scheitern, weil man viel vorhandenes Potential verschenkt.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Die größte Anerkennung für mich war, daß man mir sagte, ich sei ein offener Mensch und in der Lage, andere wie Menschen zu behandeln. Es war für mich eine Anerkennung, daß ich in gewissen Firmen in Japan anrufen kann und dann dort auch empfangen werde. Das mag für unsere Begriffe selbstverständlich erscheinen, ist in Japan aber tatsächlich die höchste Form von Anerkennung, gerade für eine Frau.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Es gibt sehr wenige potentielle Kunden mit einer Marktmacht in Österreich, wo der ORF eine gewisse Monopolstellung hat. Was das für einen Zulieferer bedeutet, kann man sich vorstellen. In Deutschland wird vieles verdeckter gehandhabt, wo hingegen in Österreich offen zugegeben wird, wie die Vernetzungen und Verknüpfungen sich darstellen, wenn man etwas erreichen will. Ich finde auch, daß sich die Arbeit mit Österreichern wesentlich kooperativer gestaltet als erwartet. Die Deutschen sind viel engstirniger und beharren auf festgesetzte Systeme, wo hingegen die Österreicher viel flexibler sind.
Welche Rolle spielen die Mitarbeiter bei Ihrem Erfolg?
Sie sind die Basis, ohne sie ist der Erfolg nicht machbar.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Nach Bildung und nach der Eignung für den Platz, den sie einnehmen sollen. Und natürlich auch nach menschlichen Kriterien.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Die Motivation erfolgt mit guten Gehältern, aber auch durch die Schaffung eines angenehmen Arbeitsklimas, wo auch einmal privat etwas gemeinsam unternommen wird.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Wir sind sehr flexibel, servicieren alle Produkte, die wir verkaufen und gehen auf die speziellen Wünsche unserer Kunden ein. Wir sind ein Nischenanbieter, auf den man sich verlassen kann.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Es ist nicht meine Art, Schlammschlachten zu schlagen, weil ich der Meinung bin, daß der gerade Weg einfach der beste ist.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
In einer Führungsposition arbeitet man grundsätzlich länger und ist immer zu erreichen. Man darf in der heutigen Zeit Beruf und Privatleben nicht zu sehr trennen, sonst funktioniert es nicht. Natürlich nehme ich mir auch Freiheiten für mein Privatleben, aber wenn man Erfolg hat, so bedeutet das auch einen gewissen Grad an Unersetzbarkeit.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Vielleicht einmal in eine andere Branche zu wechseln oder das Schreiben wieder aufzunehmen. Ich könnte mir auch vorstellen, eine karitative Tätigkeit auszuüben und anderen Menschen durch meine Erfahrung zu helfen.