Zum Erfolg von Siegfried Gapp
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg ist für mich Selbstbestätigung. Jeder Mensch hat den Drang, seinen Stellenwert in der Gesellschaft zu finden und sagen zu können: Ich bin jemand. Wenn man diesen Stellenwert erreicht, erlangt man diese Selbstbestätigung und damit den Erfolg.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Ausgehend von meiner Startposition sehe ich mich heute im Rahmen des bisher Erreichten als sehr erfolgreich.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Abgesehen von meinem Bestreben, die bescheidenen Verhältnisse meiner Kindheit und Jugend hinter mir zu lassen, waren Ausdauer und Beharrlichkeit ausschlaggebend für meinen Erfolg. Das Motto eines meiner Professoren an der Universität lautete: Wer inskribiert und nicht krepiert, der promoviert. Für mich bedeutet dieser Satz, daß jemand, der beharrlich seinen Weg geht, alles schaffen kann.
Wie begegnen Sie Herausforderungen des beruflichen Alltags?
Mir kann keine Herausforderung zu groß sein - ich nehme jede Aufgabe, die sich mir stellt, mit der Philosophie an, sie durch Beharrlichkeit bewältigen zu können.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Ich fühlte mich erstmals mit erfolgreichem Bestehen der Matura wirklich erfolgreich, da ich der erste in meiner Familie war, der diesen Ausbildungslevel erreichte. Dieses Erfolgsgefühl setzte sich im Studium fort.
In welcher Situation haben Sie erfolgreich entschieden?
Ich bin seit 1972 glücklich verheiratet und habe zwei wohlgeratene Töchter, auf die ich sehr stolz bin. Die Entscheidung, eine Familie zu gründen, ist für den gesamten Erfolg eine sehr wichtige, wie ich glaube, weil ich der Überzeugung bin, daß man ohne den richtigen Lebenspartner (oder mit einem Partner, der einen nur streßt) kaum berufliche Erfolge erlangen kann.
Ist Originalität oder Imitation besser, um erfolgreich zu sein?
Ich setze auf Originalität. Wer imitiert, wird zwangsläufig mit anderen vergleichbar, und es ist nichts leichter, als jemanden im Vergleich als schlechter hinzustellen. Wer originell ist, entzieht sich diesem Vergleich und stellt etwas Einzigartiges dar.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Meine wesentlichste Anerkennung besteht darin, zum Bürgermeister von Mieming gewählt worden zu sein, und zwar weil ich - obwohl mein Vater aus diesem Ort stammt - aufgrund der Sprachbarriere und der Tatsache, daß ich kein Bauer bin, lange nicht als Mieminger anerkannt wurde. Als es 1992 zur Direktwahl kam, trat ich gegen einen Bauern an, und obwohl selbst Mitglieder meiner Liste prognostizierten, daß ihnen ein Bauer als Bürgermeister lieber wäre, gewann ich die Wahl mit knapp über 50 Prozent. Bei der nächsten Wahl erreichte ich 75 Prozent, wobei mein Gegner schon seine Siegesfeier vorbereitet hatte. Diese Anerkennung war nicht nur persönlich wohltuend, sondern zog auch Anerkennung in den verschiedensten politischen Gremien nach sich.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Ein markanter Punkt im Bereich der Steuerberatung ist die Nachfolgeregelung, denn man betreut eine gute Klientel, die man in guten Händen wissen möchte, wenn man sich aus dem Berufsleben zurückzieht; eine weitere Problematik ist das Fehlen klarer Richtlinien hinsichtlich der Fortbildung.
Wie werden Sie von Ihrem Umfeld gesehen?
Ich werde von meinem Umfeld teilweise geachtet und teilweise gefürchtet, weil ich jemand bin, der sich selbst und anderen viel abverlangt und sich beizeiten selbst bremsen muß, um nicht zu streng mit seiner Umwelt umzugehen.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
Ein Zeugnis ist für mich zwar ein Indikator dafür, daß sich jemand durchsetzen kann, generell treffe ich Personalentscheidungen aber aus dem Bauch heraus, und so stelle ich nicht den Bewerber mit den besten Noten ein, sondern jenen, der sein Wissen am besten umsetzen kann.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Es liegt in meinem Naturell, viel von mir und meinen Mitarbeitern zu verlangen, und ich bin mir durchaus bewußt, daß ich mehr Lob verteilen sollte. Ich bin der Ansicht, daß die Mitarbeiter für ihre Tätigkeit bezahlt werden. Lob spreche ich für besondere Leistungen aus, die über das erwartete Maß hinausgehen, und diese werden dann auch finanziell honoriert.
Welche sind die Stärken Ihres Unternehmens?
Mein Unternehmen zeichnet sich durch Seriosität und Verschwiegenheit aus. Eine große Rolle spielt mein Status als jemand, der für seine Klienten das Beste erreichen will.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Zurückhaltung ist für mich in diesem Punkt die beste Vorgangsweise.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Man muß mit der Zeit, die man hat, haushalten und sie gut nützen, das ist mein Erfolgsrezept für ein harmonisches Familien- und Eheleben.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Früher verwendete ich wesentlich mehr Zeit für meine Fortbildung als heute. Während ich in dieser Zeit rund einen Monat pro Jahr dafür veranschlagte, sind es heute zwei Wochen.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Wer erfolgreich werden will, muß ein Ziel vor Augen haben und dieses beharrlich verfolgen, ohne sich durch Niederlagen oder Schicksalsschläge von seinem Weg abbringen zu lassen. Man soll nicht darauf schauen, was andere machen, sondern seine Ziele selbst definieren.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich bin am Ende meiner beruflichen Laufbahn angekommen, möchte aber als Bürgermeister noch viel bewirken. So haben wir kürzlich ein Sozialzentrum errichtet, das Vorbildwirkung für ganz Tirol hat, da damit ein generationsübergreifendes Sozialprojekt realisiert werden konnte. Ob ich bei der nächsten Bürgermeisterwahl in fünf Jahren - ich bin dann 66 - antreten werde, hängt damit zusammen, ob die Konkurrenz übermütig wird. Sollte das der Fall sein, werde ich im letzten Jahr die gefährliche Drohung aussprechen, wieder zu kandidieren.
Ihr Lebensmotto?
Immer positiv denken!