Zum Erfolg von Heinz Wilfing
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg definiere ich als das Erreichen einer Situation im Leben, die man sich im Leben erwartete, und von der man ökonomisch profitiert. Noch mehr definiere ich Erfolg jedoch als innere, persönliche Zufriedenheit, die man über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten kann.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Auch wenn ich meine jetzige Position in jungen Jahren wohl nicht erwartet hätte, so bin ich mit meinem heutigen Aufgabenfeld sehr zufrieden und fühle mich wohl.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Bei einigen Stationen meines Lebens hatte ich Glück. Meine Konsequenz und der richtige Ton im Umgang mit den zu betreuenden Personen waren immer meine größten Stärken. Mit der Zeit bemerkte ich, daß auch das Reformieren zu meinen Talenten zählt. Auf mein Betreiben hin wurde die Sozialarbeiter-Grundausbildung von zwei auf drei Jahre verlängert. Auch gelang es mir, die Ausbildung von 1987 an vom Grad einer postsekundären Schule auf den Level einer anerkannten Akademie zu heben. Mein Durchsetzungsvermögen und mein visionärer Geist halfen mir bei diesen Reformen sehr. Weitere Veränderungen sind in Arbeit, nämlich die Abstufung der Ausbildung in den Grad des Bachelor und andere Graduierungsstufen. Als Leiter des Studienbetriebs eignete ich mir kaufmännische Kenntnisse an. Mit dem Aufbau meiner psychotherapeutischen Praxis kann ich einen Teil meiner Zeit der praktischen sozialen Arbeit widmen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
Professor Strotzka und Professor Richter waren hochgeschätzte Begleiter auf meinem Weg. Raoul Schindler, mein erster Vorgesetzter, brachte mich immer wieder dazu, die Sozialarbeit aus der Distanz zu betrachten. Er war sehr erfahren im Umgang mit besonders schwierigen Klienten, und ich eiferte ihm als junger Sozialarbeiter nach. Die Falldarstellungen der Sozialarbeiterin Frau Feuermann, die mit Anna Freud in England zusammenarbeitete, waren sehr beeindruckend. Auch Frau Dr. Maria Simon, die einstige Direktorin und meine Vorgängerin, lehrte mich, die kritische Distanz in der Sozialarbeit zu wahren. Da ich sehr impulsiv handelte, war es sehr wichtig für mich, auch immer einen Schritt zurückzutreten und mich zurückzunehmen lernen. Auch lernte ich hierbei, mein Team stärker einzubinden.
Welche Anerkennung haben Sie erfahren?
Auch wenn mein Beruf mir nicht großen Reichtum beschert, so gelang es mir, sinnvolle Neuerungen im Sozialwesen umzusetzen. Die Menschen in meinem privaten Umfeld, Familie, Freunde und Kollegen, interessieren sich für meine Arbeit, und ich schätze auch den Erfahrungsaustausch mit meinem Umfeld sehr. Im Rahmen des Quality Managements erhalte ich viele Rückmeldungen aus professionellem Coaching, die der Weiterentwicklung meiner Arbeit dienlich sind.
Nach welchen Kriterien wählen Sie Mitarbeiter aus?
In unserem Lehrbetrieb verfügen alle Mitarbeiter über praktische Berufserfahrungen, müssen jedoch auch wissenschaftliche Qualifikation mitbringen.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Die Einbindung der Mitarbeiter in Entscheidungen und das Übertragen von Eigenverantwortung sind die wesentlichen Aspekte, die der Motivation dienen. Auch die Erarbeitung zusätzlicher didaktischer Arbeitsmethoden wirkt durchaus motivierend.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Auch als Therapeut ist es nicht immer einfach, hier scharfe Grenzen zu ziehen, weil man viele konfliktbeladene Situationen von Patienten aus dem eigenen Leben kennt. Der Zeitaufwand für meine Arbeit ist hoch, und es gibt auch berufliche Wochenendveranstaltungen. Ich achte bewußt darauf, mir Zeit für ganz private Momente zu nehmen.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Früher organisierte die Stadt Wien Fortbildungen, die ich lange koordinierte. Seit wir einen privaten Status innehaben, verselbständigte sich auch das Fortbildungswesen. Ein eigenes Bildungsreferat mit einem guten Fortbildungsangebot ist vorhanden.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Ich habe selbst durch Krankheit die größten Veränderungsimpulse in meinem Leben erhalten und entschieden, dieser Herausforderung Positives abzugewinnen. Ich kann jungen Menschen raten, in Ausnahmesituationen Bewältigtes als Triumph zu deuten. Es ist wichtig, seinen beruflichen Ambitionen und persönlichen Neigungen zu folgen. Auch wenn man meint, es sich nicht leisten zu können, soll man Dinge ausprobieren. Vielseitigkeit, Fleiß, Hartnäckigkeit und Konsequenz sind wichtige Aspekte. Eine tolerante Haltung hilft, Niederlagen und Mißerfolge, die zum Leben dazugehören, und zu welchen man stehen soll, zu überwinden. Erfolg ist leichter möglich, wenn man aufmerksam durch das Leben geht.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Ich war ein Jahrzehnt ehrenamtlich tätig und konnte in der drogentherapeutischen Arbeit viel Konstruktives erreichen. Auch auf die Arbeit im Hochschulwesen bin ich sehr stolz. Dennoch liegt mir die Konzeption eines neuen Berufsprofils im Rahmen eines Master-Programms, nämlich die Klinische Sozialarbeit, in beruflicher Hinsicht noch sehr am Herzen. Das Kick-Off-Meeting mit 30 Teammitgliedern fand bereits statt. Mein persönliches Ziel ist der achtsame Umgang mit meiner Gesundheit.
Ihr Lebensmotto?
Nicht mit dem Kopf durch die Wand!