Zum Erfolg von Wolfgang Brunner
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Erfolg bedeutet einerseits, mit der erreichten Leistung zufrieden zu sein und andererseits, mit den momentanen Aufgaben und Zielen glücklich zu sein. Schöne Erfolgsmomente sind es, wenn entweder beim Konzertpublikum oder bei den Schülern der Funke überspringt, wenn es mir gelingt, Begeisterung zu wecken.Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg? Ich bekam durch mein Elternhaus und meine vielfältigen Studien eine gute handwerkliche Basis. Die Freude an der Musik, Begabung und das ausgeprägte Interesse, Menschen und Themen zu verbinden, waren sicher bestimmend für meine Karriere. Durch die Geburt unserer Tochter 1992 lernte ich noch mehr an Sensibilität und Flexibilität im Umgang mit anderen Menschen. Auch davon habe ich auf meinem weiteren Lebensweg profitiert.
Ab wann empfanden Sie sich als erfolgreich?
Als ich Mitte der siebziger Jahre einen Preis bei Jugend musiziert erhielt, war das eine erste Bestätigung. Viel wichtiger aber war die Erkenntnis, daß es noch viele andere Jugendliche meines Alters mit den gleichen Interessen gibt. Diese Einbindung in das soziale, kulturelle Netz bedeutete mir mehr als der Preis an sich.Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat? In der Jugend war sicher mein Vater die prägende Persönlichkeit. Später, im Rahmen meiner langjährigen Ausbildung und während meiner Studien, gab es immer wieder einzelne Professoren, die Vertrauen in mich hatten und mich förderten. Aber auch ein Mensch wie Nikolaus Harnoncourt, mit dem ich zeitweise arbeiten durfte, hat mich durch seinen übersprühenden Ideenreichtum beeindruckt und inspiriert.Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst? Die normale Musikausbildung an den Schulen und der klassische Konzertbetrieb verlieren immer mehr an Stellenwert und werden immer weniger. Viele Konzertzyklen werden gestrichen, sei es aus budgetären Gründen und aus mangelndem Publikumsinteresse. Es gibt auch keine Kultur der Hausmusik, des Musizierens daheim mit Freunden, mehr.
Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Meine Schüler motiviere ich über die Musik selbst sowie über eine sehr ernsthafte, perfektionistische Arbeit daran. Mit dem Ensemble versuche ich, die Konzertstücke so auszuwählen, daß meine Mitmusiker auch mit Solo-Passagen zum Einsatz kommen. Als Leiter der Salzburger Hofmusik sorge ich dafür, daß die gesamte Infrastruktur stimmt und die Musiker ihr angemessenes Honorar bekommen.Wie verhalten Sie sich der Konkurrenz gegenüber? Es gibt natürlich sehr viele hervorragende Musiker und Kollegen, mit denen wir uns ein breites Feld teilen. Hier muß man eben sehr gute Kontakte zu Konzertveranstaltern oder Plattenproduzenten pflegen, um im Geschäft zu bleiben. Bei Veranstaltungen, wo wir Alte Musik und historischen Tanz verbinden, sind wir ziemlich einzigartig.Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben? Musik hat mit Temperament und Leidenschaft zu tun. Wer sich für eine musikalische Karriere entscheidet, sollte dieses Feuer in sich spüren. Musik ist keine Pflichterfüllung, sondern pralles Leben. Als professioneller Musiker muß man dann den Einklang finden zwischen Erfordernissen des Marktes und den eigenen musikalischen Vorlieben.
Ihr Lebensmotto?
Leben und Lebendigkeit weitergeben.