Zum Erfolg von Friedrich Despalmes
Was bedeutet für Sie persönlich Erfolg?
Ich liebe meinen Beruf, da meine Arbeit interessant und schön ist. Ich arbeite gerne und sehe, daß ich so auf dem richtigen Weg bin. Mein Erfolg wirkt sich allerdings weniger in finanzieller Hinsicht aus, da der Beruf des Bühnenbildners nicht wirklich gut bezahlt ist, wenn man nicht an der Spitze steht. Ich kann von meiner Arbeit seit 25 Jahren gut leben, ohne reich geworden zu sein. Durch gute Kritiken und Wiederengagements an bestimmten Theatern fühle ich mich jedoch bestätigt.
Sehen Sie sich als erfolgreich?
Innerhalb der Branche bin ich bekannt und werde immer wieder mit interessanten Aufträgen bedacht.
Was war ausschlaggebend für Ihren Erfolg?
Die Qualität meiner Arbeit, von der ich auch selbst überzeugt bin, war stets für meinen Erfolg ausschlaggebend. Ich liefere keine kompromißlosen Ideen ab, sondern gehe speziell auf jede Inszenierung ein. Meine Bühnenbilder sind stets auf das Stück bezogen und korrespondieren mit der Arbeit des Regisseurs. Stilistisch bleibe ich mir selbst immer treu. Mein Metier liegt zwischen darstellender und bildender Kunst, und als bildender Künstler möchte ich Bilder schaffen, die natürlich von Schauspielern und Sängern benutzen werden müssen.
Gibt es jemanden, der Ihren beruflichen Lebensweg besonders geprägt hat?
In meiner ureigenen Branche als Bühnenbildner gab es keine Vorbilder. Es gab aber zwei Begegnungen in meinem Leben, die mich sehr geprägt haben - zum einen jene mit Nikolaus Harnoncourt, bei dem ich jahrelang als Konzertchorsänger tätig war, und der über eine unglaubliche humanistische und künstlerische Bildung verfügt, zum anderen jene mit der ostdeutschen, mittlerweile leider verstorbenen Regisseurin Ruth Berghaus, für die ich auch als Sänger arbeitete. Sie war für mich eine prägende Persönlichkeit, und ich war von der Art und Weise, wie sie an die Stücke heranging und wie sie mit den Sängern arbeitete, sehr beeindruckt.
Welches Problem scheint Ihnen in Ihrer Branche als ungelöst?
Projektbezogen gibt es schon große Unterschiede. Manche Projekte werden rasch umgesetzt, andere verlangen überdurchschnittlich viel Aufmerksamkeit und Arbeit.
Wie vereinbaren Sie Beruf und Privatleben?
Ich kann Beruf und Privatleben oft nicht trennen, und aufgrund meines straffen Terminplans, den ich einhalte muß, kommt oft mein Privatleben zu kurz.
Wieviel Zeit verwenden Sie für Ihre Fortbildung?
Ich besuche keine Seminare, sondern lerne durch die Vielfalt meines Tätigkeitsfeldes und die Umstellung auf immer wieder neue Inszenierungen laufend Neues.
Welchen Rat möchten Sie an die nächste Generation weitergeben?
Die heutige Generation tut mir manchmal leid, weil sie oft vor einem kaum zu bewältigenden Chaos steht. Die Berufswahl war vor 20 oder 25 Jahren noch wesentlich leichter. Ich erachte es als besonders wichtig, dem eigenen Empfinden zu folgen und einen Beruf auszuwählen, der seinen Fähigkeiten entspricht. Dabei soll man sich nicht beirren lassen, sondern sein Ziel auch dann verfolgen, wenn wirtschaftliche Probleme auftreten oder die Eltern von der Berufswahl weniger begeistert sind. In unserer Branche ist es besonders wichtig, die richtigen Leute kennenzulernen. Fremdsprachenkenntnisse sind wesentlich, besonders Englisch. Wer sein Handwerk gut beherrscht und sich zu organisieren weiß, wird unweigerlich auch Erfolg haben.
Welche Ziele haben Sie sich gesteckt?
Mein Ziel ist, von meiner Arbeit ohne finanzielle Sorgen leben und mir meine Engagements aussuchen zu können - und nicht alles annehmen zu müssen, damit die Finanzen stimmen. Es wäre schön, manche ungeliebte Projekte absagen zu können, ohne dadurch wesentliche finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen. Diese Freiheit ist mir sehr wichtig.
Ihr Lebensmotto?
Seinem Gefühl glauben und folgen.